Wir lieben nicht nur die heißen Länder Asiens, sondern auch die Schönheiten der nördlichen Länder. Da wir auf unserer SEA-Reise die Kanadierin Julie kennen gelernt haben, haben wir 2013 beschlossen, ihr schönes Heimatland zu besuchen. Und in den ersten zehn Tagen sogar mit ihr gemeinsam. Zu dritt, Christian, sein bester Freund Andi und ich, machten wir uns von Wien auf nach Toronto, wo wir am nächsten Tag auch Julie empfingen. Und so startete unser Road Trip zu viert. Vorbereitet haben wir uns mit einem relativ genauen Itinerary, den wir durchziehen wollten, allerdings ohne Buchung von Unterkünften und doch so flexibel, dass wir auch noch spontan wo länger bleiben konnten. Lediglich in Toronto und in Montréal hatten wir Unterkünfte vorgebucht. In Montréal deshalb, da wir eine Woche vor Abflug festgestellt haben, dass wir genau zum Formel 1 Grand Prix Wochenende dort sind. Und bevor wir Gefahr laufen, keine oder eine nur noch extrem überteuerte Unterkunft zu bekommen, haben wir kurzerhand noch etwas gebucht, das sogar noch budgetär im Rahmen war.

Provinz Ontario

Toronto haben wir zu Fuß erkundet, die beste Möglichkeit sich dort fort zu bewegen und viele Eindrücke zu sammeln. Nach dem ersten Poutine, der Nationalspeise in Ontario und Québec, sind wir gleich mal Richtung CN Tower, der ein absolutes Muss ist, wenn man Toronto und Umgebung von oben sehen möchte. Das war mehr oder weniger auch gleich unser erstes Highlight. Aber Achtung: Wer Höhenangst hat, sollte unbedingt nur den Aufzug ohne Glasboden benutzen. Mal oben angekommen, breitet sich ein wirklich toller Ausblick unter einem aus. Eine kleine Fläche im Tower oben ist ebenfalls mit Glasboden – wenn man sich traut, kann man da schon mal einen etwas anderen Blick nach unten wagen.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen von Niagara. Wir machten uns mit viel versprechendem Wetter in der Früh auf, um die Niagara Fälle zu erleben bzw. auch zu spüren. Das Wetter hielt mehr oder weniger und der erwartet atemberaubende Wasserfall hielt auch alles, was man sich so in der Fantasie vorher ausgemalt hatte. Ein wunderschöner Tag mit Wasserfall, Spazieren, Shopping im Outlet und noch einmal Wasserfall bei Nacht. Ein wirklich romantischer Flecken Erde, vor allem bei Nacht. Nach diesem aufregenden Tag erkundeten wir das Finanz-Viertel Torontos mit dem Rathaus und dessen schönen Vorplatz. Ein Ausflug zu den Toronto Islands rundete den Tag mit einem fabelhaften Blick auf die Skyline Torontos ab. Nach einem ausgiebigen Spaziergang auf der Insel genossen wir die Sonne in einem Hafen-Restaurant mit ausreichend Bier und einem Skyline-Fotoshooting in der Dämmerung, ehe es bei Dunkelheit wieder in die Stadt ging.

Nun hieß es: Raus aus der Stadt und weiter Richtung Lake Ontario, in dem die Grenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten durchläuft. Am Weg bis Kingston waren wir im Presqu’il Nationalpark, im Sandbanks Provincial Park, in Picton bei einem kleinen, süßen Italiener mit einer wundervollen älteren Dame essen und nahmen eine gratis Autofähre bis wir in Kingston landeten.

In Kingston haben wir uns das Fort Henry angesehen, eine Verteidigungsanlage für den USA-Kanada Krieg im 19. Jahrhundert. Eine sehr interessante Guided Tour inklusive einem Kanonenschuss. Danach ging es los nach Gananoque, nur 30 km entfernt. Gespannt auf die 1000 Islands Boot Tour wurden wir leider enttäuscht, da leider zu weniger Teilnehmer waren. Wir hatten mittlerweile aber auch sehr starken Regen. Also kurz entschlossen auf zum Liquor Store Bier und Cider kaufen für einen gemütlichen Abend im Hotel, das wir spontan gebucht hatten. Die 1000 Islands Tour holten wir am nächsten Tag bei nach wie vor schlechtem Wetter nach. War aber sehr interessant und wir waren zwischendurch sogar auf amerikanischem Gewässer, da wir entlang von Maine getuckert sind.

Provinz Québec

Das war’s dann mit Ontario und weiter ging es in die Provinz Québec, zuerst einmal nach Montréal. Bei Erkundung der Altstadt war ich doch eher enttäuscht, es hätte jede beliebige Stadt sein können. Am nächsten Tag erklommen wir den „Mont Royal“, von dem die Stadt auch ihren Namen hat. Dort hatten wir einen wundervollen Blick auf die Stadt, da gefiel mir Montréal auch gleich viel besser. Danach machten wir uns zu Fuß weiter auf Montréal-Expedition. McGill Universität, Essen im Eaton Center, weiter zur Île Sainte-Hélène, wo Menschenmassen wegen des Grand Prixs unterwegs waren. Dort haben wir erstmal ein bisschen relaxt und plötzlich war ein Murmeltier in der Nähe von uns, das wir ausgiebig fotografierten und auch mit Nüssen fütterten. War ein sehr zahmes Tier. Das Wetter wurde jede Minute besser und so haben wir noch eine Bootstour angehängt, die einfach wunderschön war.

Die Route ging weiter nach Québec City, wo wir erstmal die Altstadt erkundeten und „verloren gingen“, um die Stadt aufzusaugen. Québec ist schon sehr europäisch, aber einfach zuckersüß. Am nächsten Tag hatten wir leider wieder recht starken Regen, sodass wir lediglich spazieren waren und ein paar Geocaches gehoben haben. Den dritten Tag in Québec verbrachten wir zuerst bei einem Spaziergang an der schönen Waterfront, wo wir Original „Maple Tuffy“ probiert haben (Heißer Ahornsirup wird auf Eis aufgetragen, kurz gewartet und dann wird der Sirup auf einen Stick aufgedreht, wahnsinnig süß). Danach ging es etwas außerhalb von Québec und zwar nach Mont Merency zu einem Wasserfall mit ca. 100 Meter Fallhöhe. Direkt über dem Wasserfall gibt es eine Hängebrücke – direkt über einem Wasserfall zu stehen, ist schon atemberaubend! Nach diesem gemütlichen und spannenden Tag mussten wir leider Julie zum Flughafen bringen und waren nur noch zu dritt. 200 km weiter in Rivière-du-Loup haben wir übernachtet – eine wunderschöne Gegend, es war dann allerdings ziemlich kalt und auch schon spät.

Nova Scotia

Wir wollten auch weiter kommen, daher sind wir am nächsten Tag auch 500 km bis Saint John (Provinz New Brunswick) gefahren, um am Tag darauf mit der Fähre nach Digby auf Nova Scotia zu kommen. Von Digby aus sind wir direkt bis Lunenburg gefahren. Von dort erkundeten wir tags darauf die wunderschöne „Lighthouse Route“ und das auch bei wirklich schönem Wetter.

Bei der „Lighthouse Route“ haben wir folgende Highlights gesehen:

  • Lunenburg
  • Blue Rock
  • Mahone Bay
  • Rissers Beach
  • Crescent Beach | Auf diesem Strand darf man sogar mit dem Auto am Sandstrand fahren, das war mal ein Erlebnis.
  • La Have | Tipp: La Have Bakery! Von dort sind mit einer alten Cable Ferry auf die andere Seite gekommen, um wieder Richtung Lunenburg zu kommen.

Der nächste Tag wurde für eine Wanderung im Kejimkujik Seaside Nationalpark genutzt, wurde uns als Insider-Tipp gegeben. Dieser NP ist direkt am Meer und verspricht Robben und/oder Bären Sichtung. Gut vorbereitet mit genügend Essen und Wasser und dem Wissen, wie man sich gegenüber Bären verhält, ging es gegen Mittag los mit der Wanderung. Eine absolut atemberaubende 12 km Wanderung, die es in sich hatte – Robben, glasklares Wasser, tolle Luft und wunderschöne Landschaft. Danach ging es weiter zum nächsten Geheimtipp, und zwar zum Chester Beach. Der Strand wirkt als wäre er in der Karibik. Absolut einen Abstecher wert! Da wir am 18. Juni einen gebuchten Flug von Halifax nach St. John’s auf Neufundland hatten, hatten wir nur noch zwei Tage auf Nova Scotia. Und so ging es über Peggy’s Cove bis Halifax. In Peggy’s Cove sahen wir den ersten richtigen Leuchtturm mit vielen Felsen. Etwas nebelig war es, aber umso mystischer war der Anblick. Das Spannende dort ist, dass man sieht, wie sich zwei tektonische Platten übereinander geschoben haben, getrennt mit einer weißen Linie in den Granitsteinen. In Halifax angekommen erkundeten wir den Hafen und genossen das mittlerweile wieder schöne Wetter. Halifax ist gut an einem Nachmittag erkundbar. Summa summarum ist Nova Scotia ist extrem schön, beschenkt mit tausenden Seen umsäumt mit Wäldern.

Neufundland

Gelandet auf Neufundland, ohne Mietauto (Kongress!) und nur einem beschwerlich gefundenen B&B mussten wir einen Tag ohne Erkundung aussetzen. Lediglich die direkte Umgebung in Portugal Cove haben wir uns angesehen, allerdings ist da auch nicht viel los. Aber am nächsten Tag bekamen wir Gott sei Dank ein Auto und machten die Runde im Norden der Avalon Peninsula. Zuerst nach Pouch Cove, dann ein paar Stopps plus eine kurze Wanderung und immer die Hoffnung auf eine Wal Sichtung (leider erfolglos), bis zum Signal Hill in St. John’s. Leider war dort extrem dichter Nebel und wir haben nichts gesehen. Dort haben wir Leute getroffen, die erzählt haben, dass an diesem Tag das erste Mal Wale in Hafennähe gesichtet wurden! Und plötzlich auch Aufregung im Radio: Die Wale sind heuer früher da als sonst! Aufgrund der schlechten Sicht sind wir dann erstmal nach Cape Spear, dem östlichsten Punkt Kanadas und somit auch Neufundlands. Leider auch dort mit schlechter Sicht. Also war klar: Wir müssen jetzt in die Stadt. Und dann gleich mal in Christian’s Pub, um die Zeremonie „screeched in“ zu machen. Wenn man die macht, wird man sozusagen in Neufundland aufgenommen. Witzige Dinge muss man hier machen, zum Beispiel einen gefrorenen Fisch küssen, Schnaps trinken, „Bologna“ essen (ist so eine Art Leberkäse = Steak Neufundlands) und eine Phrase auf Newfi Englisch aufsagen. War wirklich witzig und wir haben soger eine Screeched In Urkunde bekommen.

Am Tag darauf sind wir mit dem Auto den „Irish Loop“ gefahren, eine Runde von ca. 320 km mit wahnsinnig schönen Landschaften. Hat dort alles was sehr Irisches, daher wohl auch der Name „Irish Loop“. Gestartet haben wir mit dem Salmonier Park, wo einige Wildtiere leben, die man sichten kann (Eulen, Elche, Füchse, Otter etc.). Wir haben auch echt ein paar gesehen, am besten war aber die Schwimmshow vom Otter. Auf der Runde sind wir an einigen schönen Orten stehen geblieben, für mich das schönste war: Ferryland! Das hat etwas sehr Mystisches und irgendwie etwas so Reines, einfach wundervoll.
Wir haben danach noch einmal unser Glück am Cape Spear getestet. Und es waren im Gegensatz zum Tag davor extrem viele Menschen dort. Und wir konnten uns zuerst keinen Reim darauf machen, aber es war eigentlich ganz klar: Es waren dort wahnsinnig viele Wale zu sehen. Perfektes Timing! Wir haben bei Sonnenuntergang die Wale beobachtet und diese einfach wunderschöne und Gänsehaut-Treibende Szenerie! Dieser Moment hätte für mich persönlich für immer halten können.

Trotz des Zufalls bei Cape Spear hatten wir uns bereits zwei Tage zuvor entschlossen eine Whale & Puffins Watching Tour zu machen. Zuerst haben wir viele Puffins gesehen, die wie Mini Pinguine aussehen. Wirklich süß! Der Katamaran hat mit Geschwindigkeit nicht gespart und so ging es über hohe Wellen auf offene See, um Wale zu sichten. Die Wale haben ein bisschen auf sich warten lassen, sind dann aber vereinzelt immer wieder aufgetaucht. Zum großen Finale begleitete uns ein Wal noch ein Stück und am Ende hat er sogar seine Flosse gezeigt, ein krönender Abschluss-Moment für eine tolle Reise.

Highlights

  • Niagara Falls
  • Toronto
  • Québec City
  • Rivière-du-Loup
  • Nova Scotia | Lunenburg, Kejimkujik, Chester Beach
  • Neufundland | Cape Spear, Irish Loop, Whale Watching

Tour: 1.6. bis 22.6.2013
Gefahrene Kilometer: 3.215