Nach unserem doch recht komfortablen Rückflug von Manaus nach Rio de Janeiro kamen wir insgesamt nach 15 Stunden auf der Ilha Grande an. Warum war der Flug ausnahmsweise komfortabel? Da wir uns zu spät online eingecheckt haben, hatten wir keine Plätze mehr nebeneinander. Christian wollte versuchen, dass wir das bei der Gepäckaufgabe ändern, und das war sogar sehr erfolgreich. Wir hatten sogar ein Upgrade auf die Komfortsitze, die normalerweise bei der GOL 15€ extra kosten pro Sitz – yay! Damit hatten wir auch mehr Beinfreiheit und konnten auch besser schlafen.

Ilha Grande | Caipirinha & Lopes Mendes

Die Ilha Grande, ca. 160 km von Rio de Janeiro entfernt, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Im 19. Jahrhundert wurde die Insel zu einer geschlossenen Kolonie für Leprakranke erklärt und es wurde das Gefängnis Colônia Penal Cândido Mendes gebaut, wo zuerst gefährliche Verbrecher landeten und dann während des Estado Novo und später während der Militärherrschaft ab 1964 hauptsächlich politische Gefangene. Der Ort wurde deshalb ausgesucht, weil eine Flucht von der Insel damals als aussichtslos angesehen wurde, da das Festland ca. 25 km entfernt lag. Die Insel ist sozusagen ein paradiesisches Gefängnis.

Bei der Ankunft war ich sofort verliebt in die Insel – sie hat was total Hippie-mäßiges… Viele Aussteiger, keine Autos, süße, kleine Häuschen und einfach nur Chill-Feeling 🙂 Nachdem wir bei unserer Couchsurfing-Residenz angekommen sind, wartete auch schon die nächste Überraschung. Wir haben ein privates Zimmer bekommen anstatt des 8-Bett-Zimmers, läuft also 🙂 Noe ist eine süße, extrem freundliche Argentinierin aus Buenoes Aires, die vor einigen Jahren auf die Ilha Grande gezogen ist. Sie hat ein kleines Häuschen inklusive Mini-Campingplatz direkt beim Dschungel. Das ist echt lässig, denn so nah haben wir Affen auch im Amazonas nicht gesehen.

Nach einem Fresh-Up und frischen Klamotten genossen wir mal den Sonnenuntergang am Pier-Strand mit einem Bier. Es war dann auch gleich recht kalt im Gegensatz zu Manaus. Im Süden ist es hier bereits deutlich kühler, vorrangig nachts. Winter is coming! Also mussten wir uns aufwärmen und das am besten mit Caipirinha 😉 Eine Happy Hour war schnell gefunden. Nach einem Locationwechsel gab es noch einen Caipivodka, der ziemlich stark war. Nach diesem sind wir dann auch aufgebrochen, um zu schlafen. Denn am nächsten Tag wollten wir bereits früh raus, um zum Lopes Mendes zu kommen, den schönsten Strand auf der Ilha Grande.

Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man wandert ca. 3 Stunden hin oder man nimmt eine Fähre für ca. 40 Minuten und wandert danach ca. 30 Minuten. Wir haben uns für Option 2 entschieden 🙂 War auch gut so, so hatten wir mehr vom Tag. Der Weg zum Lopes Mendes war bergauf und bergab durch den Dschungel – ein wirklich schöner Weg, aber auch recht anstrengend. Aber der Strand ist es echt wert. Drei Kilometer langer weißer Puderzucker Sandstrand. Einfach wunderschööön!

Leider zog es dann ziemlich stark zu, dass wir uns etwas früher auf den Weg retour gemacht haben. Wir mussten dann noch etwas auf die Fähre retour warten, allerdings bei einem guten Bier in einem Strandlokal. Sehr fein 🙂 Den Tag haben wir dann gemütlich bei einem Abendspaziergang ausklingen lassen.

Ilha Grande | Speedboat-Tour

Der nächste Tag stand im Zeichen der Erkundung der Inselregion. Wir buchten eine Speedboat-Tour, um die Lagunen und Strände der Ilha Grande zu sehen – für recht wenig Geld, 20€ pro Person. Da wir die einzigen waren, die diese Tour gebucht hatten, wurden wir zu einer anderen, größeren, dazu gepackt – ohne mehr zu zahlen. Wir waren mit jungen Brasilianern unterwegs, mit denen wir auch echt viel Spaß hatten. Mit dem Upgrade haben wir uns auch die Inseln in der Region Angra dos Reis ansehen können und auch die Lagunen der Ilha Grande.

Wir erkundeten:

  • Ilha de Cataguás
  • Ilha Botinas | Schöner Schnorchelplatz zwischen zwei kleinen Inselchen
  • Praia do Dentista | extrem schöner Strand
  • Lagoa Verde | Grüne Lagune; die meisten Fische zu sehen
  • Lagoa Azul | Blaue Lagune

Leider hatten wir kein schönes Wetter an dem Tag, am Boot war uns allen recht kalt. Am Ende haben wir einstimmig beschlossen, den “Essens-Stop” zu streichen, da wir nicht für viel Geld schlechtes Essen konsumieren wollten (wäre nur so ein typisches Touristen-Ding gewesen).

Also ging es retour und wir haben uns selbst Carbonara gekocht, juhu 🙂 Danach fing es an zu regnen. Es hat sich dann recht schnell eingeregnet, sodass wir wussten, dass es die ganze Nacht nicht aufhören würde. Also machte ich mich ans Finalisieren des Amazonas-Blogeintrags. Am nächsten Morgen sollte es per Boot und Bus nach Paraty weitergehen.

Paraty | Festival & Trindade

Paraty besitzt eine fast vollständig erhaltene historische Architektur aus dem 17. Jahrhundert. Die Häuser sind alle weiß gestrichen mit bunten Fenster- und Türumrandungen. Die Straßen haben ein grobes Kopfsteinpflaster, das von Sklaven verlegt wurde. Bei Hochwasser strömt die Flut in die Gassen. Der Spaziergang in Flip Flops durch die Altstadt zum Strand Paratys war also eine Herausforderung aufgrund des wild zusammen gewürfelten Kopfsteinpflasters. Angekommen am Strand war dieser eine Enttäuschung. Kein schöner, einladender Strand. Aber ja, es war eh etwas zu kalt für’s Schwimmen, also genossen wir einfach ein Bier 😉 Danach ging es auf budgetschonende Futtersuche, gar nicht so einfach dort. Da gibt es zwar wahnsinnig viele Restaurants, allerdings alle recht teuer. Und damit sind wir etwas raus aus dem Zentrum, um zu einem kleinen Food Court zu kommen. Laut TripAdvisor sollte es dort gute Burger geben – und die haben wir auch gefunden. Die waren echt der Oberhammer! Exzellente Qualität und hervorragender Geschmack!

Am nächsten Tag nahmen wir den öffentlichen Bus für wenig Geld nach Trindade. Dort warteten unglaublich schöne Strände auf uns. Von der Busstation zum Hauptstrand Trindades ging es weiter zum Praia do Meio. Von dort mussten wir wieder mal durch den Dschungel und über Stock und Stein wandern, um zum Praia do Cachadaço zu gelangen. Inzwischen wussten wir von den Einheimischen, dass dies Barfuß leichter ist als in Flip Flops. Ein wirklich wahnsinnig schöner Strand. Wenn wir weiter gewandert wären, wären wir zum Natural Bath von Cachadaço gelangt. Das dürfte so eine Art Lagune sein, umsäumt mit Felsen. Da es aber dann doch eine Stunde geregnet hat, verharrten wir einfach an unserem Platz und Christian nutzte die Gelegenheit gleich zum Schwimmen. Vor allem gab es dort unfassbar coole Wellen, in denen wir sehr viel Spaß hatten. Als der Schatten kam, wanderten wir retour zum Praia do Meio, wo wir einen unglaublich exzellenten Caiprinha genossen. Im Dorf von Trindade hatten wir dann noch einen Fisch-Snack, um dann um 18 Uhr wieder nach Paraty zu fahren. In Paraty war ein religiöses Festival schon komplett im Gange. Die Straßen in der Altstadt waren übersät mit Blumen, Palmenblättern, Holzschnitzel usw. Es dürfte so eine Art Prozession gewesen sein, die wir allerdings nicht live gesehen haben. Bei der großen Kirche war ein großes Fest, wo es viele Stände mit Essen und Trinken gab. Wir haben einen Hot Dog Especiale probiert, ein absoluter Fail… Nach diesem war uns dann sogar ein bisschen schlecht, dass wir dann auch nach Hause gingen. Am nächsten Tag nahmen wir nochmal den Bus nach Trindade, um am Praia do Meio an einem superschönen heißen Tag zu chillen. Wir konnten Gott sei Dank einen Late Check Out ohne Zeitvorgabe in unserer Pousada ohne Extrakosten vereinbaren, sodass wir den Tag am Strand in vollen Zügen genießen konnten. Eigentlich wollten wir uns noch eine Cachaça-Distillerie ansehen – da das Wetter aber soooo schön war, haben wir nur den Strand-Tag gemacht. Denn uns stand noch um Mitternacht der Nachtbus nach São Paulo bevor. Mehr verrate ich nicht, zu São Paulo folgt ein separater Post.

Ilha Grande & Paraty: 11.-16.6.2017