Nach einer 6-stündigen Nachtbusfahrt von Paraty nach São Paulo waren wir natürlich ziemlich gerädert, geschlafen haben wir leider kaum. Aber Sharlley, den wir bei unserer Dschungel-Tour kennen gelernt haben, holte uns bereits um 6:30 bei einer Metro-Station bei ihm in der Nähe ab, da wir im Hostel noch nicht einchecken hätten können. Daher gab es mal ein ordentliches Local Frühstück bei Sharlley. Er hat uns sogar sein Bett hergerichtet, damit wir ein Nickerchen machen können, wenn wir wollen. Wir haben uns dann aber in der Küche verquatscht, dass sich das nicht mehr ausgezahlt hätte. Seine drei Hunde haben besonders mich heiß und innig geliebt, sodass mich der eine Wirbelwind sogar markiert hat 😉 Somit mussten wir noch eine Waschrunde einlegen…

Um 9:30 kam Maria, Sharlleys Schwester, vom Feiern nach Hause und er bot uns plötzlich an, dass wir die Nacht auch bei ihm zu Hause schlafen könnten. Er wusste davor nicht, dass die andere Schwester verreist war und somit Platz wäre. Nach ein paar Telefonaten mit Booking und dem Hostel konnten wir die erste Nacht kostenfrei stornieren, yay!

Und so schmiedete unser Gastgeber Pläne für vier, damit die Österreicher das “echte” São Paulo kennen lernen können… Davor gab es noch ein paar kühle Bier 🙂 Es war übrigens sehr heiß an dem Tag, die letzten heißen Tage vor dem “Winter”, wie uns berichtet wurde. Gestärkt und voller Tatendrang ging es also los…

São Paulo | Ein Einheimischer als Guide

Und so war der erste Stop “Veloso”, ein sehr beliebtes Restaurant und stadtbekannt für seine Coxhina und Caipirinha. Wir bestellten eine gemischte Coxhina-Platte mit Huhn und Shrimps sowie eine Runde Caipirinha. Die Coxhina waren zum Dahinschmelzen, einfach nur fantastisch und perfekt! Die in der Confeiteria Colombo in Rio de Janeiro waren auch exzellent, aber diese hier waren einfach unübertrefflich! Perfekte Harmonie 🙂 Dazu ein Classic Caipirinha mit Jabuticaba Beeren – einfach himmlisch!

Gut gestärkt und bereits mit einem Schwips ging es weiter in die Stadt. Wir spazierten eine kleine Runde und Sharlley zeigte uns ein paar Sehenswürdigkeiten (Kirche am Franklin Roosevelt Platz, Copan, Edificio Italia) sowie einen herrlich süßen Markt am Praça do Republica mit diversen Kuriositäten (z.B. Schilling Münzen :)) und brasilianischen Spezialitäten. Maria ging einstweilen zur berüchtigten Samba Bar, um einen Tisch für uns zu besetzen, denn Reservierungen nehmen sie leider nicht an. Nach unserer kleinen Sightseeing-Runde ging es auch für uns zur Samba Bar “Vai Se Quiser” (Übersetzung: “Go if you want”) und die ersten Bier wurden bestellt. Die Live Samba Band war bereits voll im Einsatz und spielte/sang sich ein. Mit der Zeit wurde es lauter, die Menschen wurden immer mehr und alle waren gut drauf. Es war toll zum Beobachten – richtig brasilianischer Lifestyle und so positive Lebensfreude! Es kamen zwei Obdachlose vorbei, die neben der Bar draußen mit voller Energie und Hingabe Samba getanzt haben und einfach nur Spaß hatten. Es war ein herrliches Spektakel und unfassbar positiv! Wir waren nur leider schon extrem müde und konnten nur still beobachten und genießen – mehr ging einfach nicht mehr 🙂 Eigentlich sollten wir dort Feijoada, eine brasilianische Spezialität essen (schwarze Bohnensuppe mit verschiedenen Fleischsorten(-resten) / war früher ein Sklaven-Essen) – wir waren aber von Veloso noch so voll und Maria war auch schon extrem müde. Sharlley war voll dabei und tanzte Samba und genoss die Musik und die Vibes. Aber gegen 19:30 brachen wir auf, um nach Hause zu fahren und eine Kleinigkeit zu kochen. Wir hatten bereits für einen Carbonara & Caipirinha Abend den Kühlschrank gefüllt. Und so machten wir uns über die Küche her, um für unsere Gastgeber Christians Lieblingsspeise zu kochen. Maria ist Vegetarierin, wussten wir in der Früh noch nicht, und daher ließ sie aus und verabschiedete sich zu Freunden. Wir genossen die mega gute Carbonara à la Christian gemeinsam mit Sharlley. Da die ja nicht unbedingt das leichteste Essen sind, legten wir uns dann alle für ein Nickerchen hin. Das endete dann erst in der Früh 😉 Wir waren alle, inkl. Sharlley, einfach komplett fertig. Viel Alkohol, viel Essen, viel Sonne und viel Spaß 🙂 Ein absolut perfekter Tag in São Paulo – Sharlley, viiieeelen Dank dafür!

Outside São Paulo

Für Sonntag hat Sharlley etwas ganz Besonderes für uns geplant. Zuerst ging es mal nach dem Frühstück zu einem Wochenend-Markt mit vielen Köstlichkeiten, frischem Obst und tollem frischen Gemüse. Und danach ging es raus aus São Paulo zu einem deutschen Freund von Sharlley. Am Weg haben wir noch (viel zu viel) Fleisch für das geplante Barbecue eingekauft. Und dann ging es auch wirklich raus, nördlich der Stadt in die Region Cantareira im Atlantischen Dschungel. Dort angekommen begrüßten uns Patrick und Marcelo sehr herzlich und wir bestaunten das absolut geniale und unfassbar schöne von Patrick selbstgebaute Haus. Sieht in etwa so wie in diesen geilen Architektur-Zeitschriften aus oder wie man manche Häuser in Filmen sieht. Ich würde dort auf jeden Fall wohnen – geil gebaut, voll durchdacht, perfekt in den Dschungel integriert und zu 100% nach meinem Geschmack eingerichtet – perfekt 😉 Marcelo machte sich nach unserer Ankunft ans Feijoada-Kochen. Guter Zufall, denn wir haben’s am Tag davor nicht in der Samba Bar bestellt. Christian war natürlich an der Herstellung interessiert  und beobachtete alles sehr genau. Die ersten Caipirinhas wurden gemixt und währenddessen haben sich in der Nähe des Küchenfensters schon ein paar Affen versammelt, da es Bananen gab 🙂 Da waren wir echt nah dran, sehr cool! Während weiter gekocht wurde, habe ich draußen Patricks und Marcellos leider sehr kranken Hund Todd gestreichelt. Wir haben leider zwei Tage später von Patrick erfahren, dass Todd über die Regenbogenbrücke gegangen ist 🙁

Zwischendurch haben wir uns das andere Haus-Projekt, das sich gerade in Bau befindet, angesehen und wieder nur staunen können. Patrick ist ein wirklich sehr talentierter und visionärer Kreativgeist, der sich mit der Kraft seiner Fantasie, seinem handwerklichen Können und viel Hingabe unfassbar schöne Orte schafft. Sehr inspirierend!

Achja, und dann war doch im zweiten Haus glatt ein bereits fertiger Jacuzzi eingebaut, der hier auch gleich mal befüllt wurde für einen späteren Besuch unsererseits 🙂 Dann ging es erstmal ans Essen. Feijoada nach Marcelos Art, Reis und Farova – es war herrlich! Nebenbei grillte Patrick Würstel und Fleisch und irgendwann platzten wir einfach nur noch. Nach dem hervorragenden Essen wurde im Garten ein Lagerfeuer entfacht – eine sehr schöne Stimmung. Und da wir ja noch nicht genug gegessen hatten, machte uns Patrick noch eine Creme aus Frucht und Vanilleeis – leider vergessen, was es war :/ Danach ging es auf zum Jacuzzi, bereits voll befüllt und warm. Es war bereits dunkel und inzwischen recht kühl. Aber zuerst mussten wir uns mal im Dunkeln ein paar Meter auf den Weg machen. Und so nebenbei wurde erwähnt, dass hier ab und zu mal Schlangen vorbei kommen. Etwa drei Sekunden danach habe ich doch wirklich eine kleine, rot, gelb, schwarz gestreifte gesehen – und ich erstarrte. Bis sie mal alle entdeckt haben dauerte es, Sharlley stieg, als er sich umgedreht hat, fast auf sie drauf. Wäre fatal gewesen, denn es war eine giftige Korallenotter – zwar noch ein Baby, aber wer weiß denn schon!? Naja, ich war jetzt jedenfalls erst recht ein Schisshase und hatte Angst, dass da noch eine größere um die Ecke kommt… Falls sich jetzt jemand ein Foto erwartet – das haben wir nicht, dafür war es zu dunkel, zu unerwartet und sie war auch Gott sei Dank schnell weg. Und waren wir dann aber auch schnell beim Haus und chillten bei einem Bier im 34°C Jacuzzi und plauderten über Gott und die Welt, vorrangig über Unterschiede zwischen Brasilien und Österreich/Deutschland. Nachdem wir dann über eine Stunde im warmen Wasser “geweicht” haben, aßen wir die restliche Feijoada und mixten weitere gefühlt hunderte Caipirinhas 🙂 Ein herrlicher Tag neigte sich dem Ende. An dieser Stelle nochmals tausend Dank, ihr seid tolle Menschen und hervorragende Gastgeber – wir kamen als Fremde und gingen als Freunde. So fühlt es sich zumindest an 🙂 Ich weiß, dass du das liest, Patrick 😀 Und Sharelly natürlich auch mega großen Dank, dass er uns überhaupt mitgenommen hat. Die zwei Tage São Paulo waren bis dorthin einfach nur perfekt und fühlten sich einfach nur unglaublich gut an! Sharlley brachte uns dann noch sicher zu unserem Hostel, direkt bei der Paulista Avenue, wo eine der größten Regenbogenparaden der Welt mit ca. 2 Mio. Besuchern an diesem Tag ihren Startpunkt hatte. Wir haben lieber die Ruhe im Atlantischen Dschungel genossen 🙂

Historisches São Paulo

Nach einem kleinen Frühstück ging es erst mittags los, dass wir mal die Stadt auf eigene Faust erkunden. Wir spazierten zuerst mal auf der Paulista Avenue, um dann mit der Metro nach São Bento zu fahren. Dort schauten wir uns mal die gleichnamige Kirche an, um dann weiter zu einem Hochhaus namens “Barnepas” zu gehen. Von dort soll man den besten Blick über die Stadt haben, allerdings war es wegen renovierungsarbeiten für Besucher “geschlossen”. Wir haben bereits davor Reviews gelesen, dass man Glück haben muss, denn es wird täglich neu entschieden, ob die Aufzüge für Touristen geöffnet werden oder nicht. Nunja, wir hatten Pech. Danach spazierten wir einfach drauf los, um die Straßen in diesem Viertel zu erforschen und kamen so zur Kathedrale São Paulos, die einen wirklich sehr schönen Palmen umsäumten Vorplatz hat. Allerdings ist dieser mehr oder weniger von Obdachlosen mit Zelten usw. belagert, sodass wir uns nicht so wirklich sicher fühlten. Da war schon recht viel los und als offensichtlicher Tourist war das schon fast eine Einladung. Daher sind wir nach der Besichtigung der Kathedrale gleich bei einer Seitenstraße raus, um ins Viertel Liberdade zu gelangen. Auf den Weg dorthin haben wir uns mit Tadeu, einem Couchsurfer für den Abend ein Treffen ausgemacht. Einstweilen sind wir aber weiter durch die Straßen gezogen, haben etwas gegessen und noch ein paar Hotspots erkundet. Am Weg zum Treffpunkt mit Tadeu haben wir auch noch einen Wanderzirkus erlebt, der mitten auf einem Platz Halt gemacht hat. Es waren fünf Schauspieler und Musiker, die mit wahnsinnig viel Witz eine Show geliefert haben. War zwar auf Portugiesisch, da die aber echt gute Schauspieler waren, haben wir relativ viel verstanden. Wir mussten dann aber los, da wir uns ja verabredet hatten.

Tadeu hat viel historisches Wissen über seine Stadt und wollte uns so den Parque da Independência und die Geschichte der Unabhängigkeit Brasiliens erzählen. Sharlley kam dann auch noch dazu, da auch er diesen Park als Einheimischer noch nicht gesehen hat. Aber diese Stadt ist auch so unfassbar groß und ich kann das echt nachvollziehen. Nach einer sehr interessanten “Geschichte-Stunde” ging es auf Empfehlung von Tadeu in ein Restaurant, das Spezialitäten aus dem Nordosten Brasiliens serviert. Zu viert haben wir uns dann für “Baião de Dois “ entschieden, da es laut Tadeu das beste sein soll. Das Gericht war an sich für zwei, allerdings reichte es völlig für uns vier und wir waren quasi am Platzen 🙂 Das Gericht ist im Prinzip ein Mischmach aus Reis, getrocknetem Rindfleisch und Manioca. Es war fantastisch! Ein exzellenter Tipp von Tadeu. Im Anschluss brachte uns die Kellnerin noch ein Gratis-Gericht, das sie an diesem Tag zum Probieren servierten. Bin ich froh, dass ich nicht einfach drauf los probiert habe – denn es waren nur Innereien (Leber, Lunge und keine Ahnung was), aber der strenge Geruch der Leber stieg mir dann ordentlich in die Nase. Und ich mag das gaaaar nicht 😉 Ja, und so ging der letzte Abend im großen São Paulo zu Ende.

Der nächste Tag stand im Zeichen der Vorbereitungen für die lange Busfahrt nach Foz do Iguaçu. Um 14:30 starteten wir Richtung Wasserfälle und zwar für 15 Stunden. Somit wieder eine Nachtfahrt – praktisch, so erspart man sich Kosten für Übernachtungen. Nur dieses Mal war die Fahrt doch eher “holprig” und wir konnten nicht so wahnsinnig gut schlafen.

São Paulo: 17.-20.6.2017