Von Puerto Iguazu ging es via Buenos Aires nach Montevideo, dieses Mal mit dem Flugzeug. Nach einer langen Recherche stellte sich heraus, dass es tendenziell extrem mühsam ist mit dem Bus zu fahren – viele Umstiege, keine klaren Informationen etc. Daher haben wir beschlossen einen doch recht teuren Flug zu buchen, aber damit ersparten wir zumindest Lebenszeit 🙂

Montevideo

Gegen 23 Uhr sind wir bei Ignacio, unserem Couchsurfing-Host in Montevideo, angekommen. Sidonie, eine andere Couchsurferin, war bereits da. Schnell an der Tankstelle noch Bier gekauft, damit wir uns auch gleich mal ordentlich verquatschen können bis spät in die Nacht.

Der nächste Tag war wunderschön sonnig und wir gingen gegen mittags mit Sidonie zu dritt los, um die Stadt zu erkunden. Wir machten uns mit uber auf den Weg zu einem riesengroßen Flohmarkt auf einer gesperrten Straße. Da waren so viele Menschen, dass es kaum möglich war, sich die Stände genauer anzusehen. Sehr auffällig war, dass mehr oder weniger jeder Zweite eine Thermoskanne und einen Mate-Tee-Becher mit sich herum trägt. In Uruguay ist der Mate-Tee-Konsum offensichtlich sehr hoch und eine sehr ausgeprägte Angewohnheit. Angeblich wird man nicht süchtig danach, wirkt aber so.

Nach dem Flohmarkt sind wir Richtung Parque Batlle gewandert, um uns dort das Monument “La Caretta” sowie das für Uruguay sehr wichtige “Estadio Centenario” anzusehen. Das Stadion war unter anderem Spielstätte der Fußball-Weltmeisterschaft 1930 und wurde am 18. Juli 1983 von der FIFA zum bisher einzigen Weltfußball-Monument (Monumento Histórico del Fútbol Mundial) erklärt. Als nächstes war ganz wichtig, eine Daten-SIM-Karte für Christian zu aktivieren – dies muss in Uruguay in offiziellen Shops mit Reisepass-Registrierung etc. erfolgen, damit alles funktioniert. So haben wir eigentlich durch Zufall das große Shopping Center Tres Cruces gefunden, das unter anderem auch den größten Bus-Terminal der Stadt beherbergt und für uns noch ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt werden sollte. Nach einer kleinen Erfrischung ging es weiter in die Altstadt, um wichtige Plätze und auch die La Rambla (“Strandpromenade”) anzusehen. Die Stadt war an diesem Sonntag (wahrscheinlich jeden Sonntag) so gut wie ausgestorben. Kaum Menschen, kaum Autos und kaum geöffnete Lokale/Shops. Mit der Zeit wurden wir dann aber schon echt müde und wollten einfach nur ein kühles Blondes trinken. Das war dann ein recht schwieriges Unterfangen, am Ende mussten wir an einem kleinen Touristen-Platz was trinken, da einfach weit und breit nichts geöffnet hatte. Es war dann wirklich fein – ein Bier und spannende Geschichten von Sidonie, die schon wahnsinnig viel gesehen und viele Länder bereits hat. Im Restaurant erlebten wir beim Bezahlen die erste richtige Touristen-Abzocke: Rechnung wurde für vier Bier statt für zwei ausgestellt, ging retour, dauerte zehn Minuten bis sie richtig gestellt wurde. Dann gingen sie mit dem UYU 2000 Schein für viele Minuten davon, um am Ende das Wechselgeld für UYU 1000 raus zu geben und nicht für 2000. Also nochmals warten auf das richtige Wechselgeld. Das war schon echt mühsam, denn wir glauben nicht, dass mehrmalige solche Fehler als “Passiert mal” deklariert werden können. Wir waren jedenfalls froh, dass wir dort nur zwei Bier getrunken haben und nichts vom verhältnismäßig teuren Essen bestellt haben. Aber der Hunger war bereits groß, also mussten wir uns auf die Suche nach Essen machen. Wie gesagt: Es war so gut wie nichts geöffnet… Dementsprechend war auch das wieder ein schwieriges Unterfangen. Wir sind dann aber in ausreichend Entfernung zum Touristenviertel bei einem Lokal vorbei gegangen, das offen aussah. Ein paar Meter weiter haben wir beschlossen, dort hinzugehen und dann war das auch zu. Aber die Besitzerin ließ uns nach nettem Fragen doch rein und bereitete uns ganz tolles Essen (Nudeln, Reis und Rindfleisch) zu moderaten Preisen zu. Als Abschluss noch ein Kaffee und dann war es Zeit, Sidonie zu verabschieden, da sie nur das Wochenende aus ihrem derzeitigen Heimatort Valporaiso in Montevideo verbracht hat. Und auch wir machten uns wieder auf den Weg zu Ignacio, der etwas außerhalb in einer schönen, ruhigen Gegend wohnt.

Den Rest den Abends plauderten wir mit ihm und tauschten Geschichten aus unseren Ländern aus. Ich war mittlerweile bereits immer stärker verkühlt, dass wir auch an diesem Abend mal nicht so spät schlafen gegangen sind. Wir hatten übrigens unser eigenes Zimmer mit einer Matratze am Boden und unseren Schlafsäcken. Heizungen gibt es in Uruguay so gut wie nicht, aber in der Nacht wurde es bereits deutlich kühler… Entsprechend war auch das Zimmer relativ kühl, für mich schon eine Spur zu kalt 😉 Aber ich wurde auch tagtäglich kränklicher, was jetzt auch nicht unbedingt das Wohlbefinden fördert.

Deshalb waren wir auch am folgenden Tag noch etwas faul unterwegs und Christian tauschte mit Ignacio aus, was wir uns weiter in in Uruguay ansehen sollten, da wir bis dahin nur Montevideo fixiert hatten. Gegen 13 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Japanischen Garten, der nicht so weit von Ignacio weg ist – der ist nur leider am Montag geschlossen (merkt euch diesen Fact ;)). Also setzten wir uns mit frischen Empanadas auf eine Parkbank und beschlossen die weiteren Reisepläne in der Sonne zu vertiefen. Und so entschieden wir, dass wir am nächsten Tag nicht, wie alle Touristen, Punta del Este, sondern La Paloma besuchen – auch auf Empfehlung von Ignacio. Punta del Este ist eine exklusive Küstenstadt, die wohl bereits extrem teuer ist und nur noch auf Touristen ausgerichtet ist. Das war nicht unbedingt das, was wir erleben wollten.

La Paloma

Mittags ging unsere 4-stündige Busfahrt von Montevideo (Tres Cruces) nach La Paloma los. Die Busse sind für Kurzstrecken recht komfortabel und haben sogar alle WLAN und der Preis von €15 pro Person ist jetzt auch nicht wild.

Ursprünglich haben wir im Nachbarort, La Pedrera, bei einer Couchsurferin angefragt, die allerdings keine Zeit für Hosting hatte. Daraufhin sind wir ausnahmsweise wohin gefahren ohne eine Unterkunft zu buchen. Unser Plan war direkt in dem auf Booking ausgesuchten Hostel einen besseren Preis als online zu verhandeln. Und das gelang uns auch – gleicher Preis wie auf Booking, aber inklusive Frühstück 🙂 Yeah! Bevor wir aber überhaupt einen Preis verhandeln konnten, wurde uns übrigens schon ein Joint angeboten, den wir dankend abgelehnt haben. Denn in Uruguay ist der Anbau von Marihuana für den Eigengebrauch erlaubt, auch im Hostel standen ein paar “Zimmerpflanzen” herum.

Am Abend spazierten wir noch durch diese kleine Geisterstadt, auch hier: Kaum Menschen, kaum Autos und kaum geöffnete Shops/Restaurants. Gegenüber vom Bus-Terminal haben wir dann aber einen Food Truck gefunden, der klassische Chivitos zubereitet. Das Nationalgericht besteht in der Regel aus einem dünnen Filetsteak à la eines Filets Mignons, Mozzarella, Tomatenscheiben, Mayonnaise, Oliven, gekochtem Schinken und Spiegelei in einem Brötchen und ähnelt einem überladenen Hamburger. Variationen gibt es mit Huhn oder “Schnitzel” Milanesa statt dem gegrillten Rind. Jeder von uns hat nur die Hälfte des Burgers geschafft und die lag schwer im Magen. Aber so hatten wir gleich eine Jause für unsere Pläne am nächsten Tag.

Das wirklich ausgezeichnete Frühstück stärkte uns für unsere bevorstehende Fahrrad-Tour. Christian hat mir keine Details verraten, ich dachte nur, dass einfacher ist die Stadt zu erkunden. Aber nein, der Plan war ein 15 km entferntes Naturschutzgebiet, Laguna de Rocha. Wer mich kennt: Ich hasse Fahrräder, weil die Sattel einfach nie bequem sind. Abgesehen davon, dass ich in der “Bicicleteria Melany” ein eher altes Rad ohne Schaltung bekommen habe und Christian das einzig gute Mountainbike. Es war übrigens ein wunderschöner sonniger Tag, allerdings wie bereits in Montevideo, trotzdem recht kühl. Ja, und so ging es mal zum Strand, wo wir gleich fest stellten, dass Radfahren auf Sandstrand nicht so optimal ist 😉 Daher nahmen wir eine Umfahrung von 7 statt 1,5 km… Dass da teilweise Hügel mit stärkeren Anstiegen dabei waren, konnten wir ja nicht ahnen 😉 Also wurde zwischendurch geschoben, da ich ja keine Schaltung hatte und somit auch keine leichteren Gänge rein geben konnte. Irgendwann sind wir doch im im Naturschutzgebiet angekommen. Das einzige Restaurant für einen Getränke-Stop wurde bereits vorab auf Google Maps ausfindig gemacht – es hatte natürlich geschlossen. Das passiert, wenn man in der absoluten Nebensaison reist – manche Orte sind dann einfach sehr basic und es haben nur die nötigsten Geschäfte geöffnet. Das eigentliche Ziel noch 2 km entfernt, haben wir dann nicht mehr erradelt. Ich war ja wie bereits erwähnt verkühlt, an diesem Tag war es bereits schlimmer. Wir beschlossen dieses Mal nicht die Umfahrung zurück zu fahren, sondern über den Strand das Rad zu schieben. Das war natürlich auch nicht so easy wie wir dachten, aber mein Hintern wurde geschont 😉 Beim ersten Supermarkt angekommen haben wir gleich mal ordentlich eingekauft – Gatorade für den Elektrolyt-Haushalt und Lebensmittel für selbst gekochte Carbonara. Nach einem kurzen Stop im Hostel zum Verstauen des Einkaufs, ging es gleich weiter zum Leuchtturm La Palomas. Der Sonnenuntergang dauerte nicht mehr lang und den wollten wir von oben genießen. Dort angekommen wurden wir nur leider, 20 Minuten vor Sonnenuntergang, nicht mehr hinauf gelassen – obwohl die offiziellen Öffnungszeiten eine andere Information geben. Die vier anderen Touristen, die noch oben waren, wurden auch herunter gepfiffen. Da der Chef dort einfach keine Lust mehr hatte und offensichtlich nach Hause wollte. Eine Frechheit muss man sagen! Christian war kurz vorm Explodieren und versuchte noch einige Minuten erfolglos zu argumentieren, dass bis “puesta del sol” nicht 20 Minuten vor Sonnenuntergang bedeutet. Naja, am Ende haben wir diesen vom Skaterpark in La Paloma genossen. Mittlerweile war es aber wirklich recht kalt und der Hunger auch schon so groß, dass wir uns direkt danach über die Küche her machten, um Christians Lieblingsessen zu kochen und bald ins Bett zu fallen.

Colonia del Sacramento

Mittags ging es erstmal los Richtung Montevideo, wo wir in den Bus nach Colonia del Sacramento umsteigen mussten. Nach insgesamt 8 Stunden Transferzeit haben wir es aber kurz vor 21 Uhr ins Hostel dort geschafft. Zur Abwechslung hatten wir mal ein 6-Bett-Dorm, um Geld zu sparen. Die erste Nacht waren wir aber auch die einzigen Gäste in dem Zimmer 🙂 Nach der Ankunft war der Hunger wieder mal sehr groß und auf Empfehlung des Hostel-Mitarbeiters gingen wir mehr oder weniger um die Ecke auf die Hauptstraße ins “El Porton”, um eine klassische “Parillada” für zwei zu bestellen. Das ist eine Fleischplatte mit allen uruguayischen/argentinischen Spezialitäten: Blutwurst, Short Ribs (anderer Cut), Chorizo, speziell zubereitetes Huhn und ein mit Fleischresten gefüllter Darm. Die Blutwurst war extrem gut, auch die Chorizo und das Huhn. Aber diese Short Ribs waren unmöglich zu essen bzw. zu schneiden. Das bestand nur auf Fett, Sehnen und war wohl auch schon alt oder viel zu lange am Grill. Die Platte war aber so ausreichend, dass wir auch ohne die vielen Ribs mehr als satt wurden. Uns wurde übrigens jetzt hier in Buenos Aires gesagt, dass man diese Short Ribs ausschließlich nur in Argentinien essen sollte, weil sie die einzigen sind, die wissen, wie man sie zubereitet. Und das nur in sehr ausgewählten Lokalen… Also dürfte es nicht nur uns so gegangen sein 😉 Nach dem ausgiebigen Essen spazierten wir noch ein bisschen durch die süße kleine Stadt. Da es tagtäglich kälter wurde, war der Spaziergang nur kurz, da ich einfach zu stark gefroren habe… Im leider auch wieder sehr kühlen Zimmer angekommen, war mal eine heiße Dusche fällig, um uns aufzuwärmen und ins Bett zu schlüpfen.

Nach dem sehr rudimentären Frühstück im Hostel waren wir schon bereit für die Erkundung des wunderschönen Colonia. Eine bezaubernde kleine Altstadt, die man in wenigen Stunden durch spazieren kann. Das Wetter wurde gegen Mittag auch wirklich herrlich mit viel Sonne. Schaut euch am besten die Fotos an, ich bin ein sehr großer Fan von Colonia geworden, mehr kann man dazu gar nicht sagen 🙂 Achja, und der Sonnenuntergang war auch extrem schön.

Zum Abendessen beschlossen wir einer TripAdvisor Empfehlung zu folgen und zwar ein Budget schonendes Chivito von einem Imbiss – das war wirklich herrlich auf den Punkt. Wahnsinnig gutes Fleisch mit all den vielen Extras, aber eine Sauerei. Man bekommt es in einem Plastiksackerl gereicht, das als Schutz dienen soll. Allerdings rutscht das teilweise so stark hin und her, dass viel im Sackerl endet oder auch auf den Händen. Aber wir waren nicht die einzigen, die ein Servietten-Massacker vor sich liegen hatten nach dem Genuss des Chivitos.

Unter tags haben wir übrigens auch die Fähre von Colonia nach Buenos Aires für den Folgetag gebucht. Um 9:30 sollte das Boarding los gehen… Nach einem “Security Check”, der nicht sehr genau genommen wird, darf man sich mal für die Immigration anstellen… Es gab sogar eine sehr kurze Schlange für Ausländer (als nicht aus Argentinien/Uruguay) – es passierte jedoch einfach nichts… Irgendwann wurden wir angewiesen in die mittlerweile sehr laaang gewordene Schlange der Einheimischen zu gehen. Warum auch immer!? Insgesamt haben wir eine Stunde gebraucht, um durch die Immigration zu kommen, aber immerhin haben wir auch gleich den Einreise-Stempel für Argentinien bekommen und wussten so, dass wir in Buenos Aires nicht nochmals einen Bürokratie-Wahnsinn haben werden. Wir waren jedenfalls während dem Warten ziemlich unrund, weil wir nicht gewusst haben, ob uns das Schiff mitnimmt, wenn wir nicht pünktlich um 10:30 durch sind. Unsere Sorgen waren sowas von unbegründet, am Ende sind wir über eine Stunde später als geplant erst losgefahren von Colonia del Sacramento.

Montevideo: 24.-27.6.2017
La Paloma: 27.-29.6.2017
Colonia del Sacramento: 29.6.-1.7.2017