Endlich im Bus ging es mitten in der Nacht los Richtung Chile, und zwar über den Pass Jama. Es ging damit in die hohen Höhen der Anden. Wir waren inhaltlich auf die Höhe vorbereitet, allerdings nicht physisch 😉 Von Salta auf 1800 Metern dauerte es etwa sieben Stunden bis zum Grenzübergang auf 4300 Metern – ja, wirklich! 🙂 Wir waren kurz vor 8:00 argentinischer Zeit dort, die Grenze sperrte jedoch erst um 8:00 chilenischer Zeit auf – also mussten wir eine Stunde warten. Nachdem wir die Nacht über mehr oder weniger geschlafen haben, waren wir stark dehydriert. Genau das Falsche für diese Höhe… Plötzlich, stark einsetzende Kopfschmerzen, Schwindel und null Konzentrationsfähigkeit war die Folge… Man wird extrem langsam, das Gehirn arbeitet auf einem Minimum-Level und zu schnelles Gehen ist auch keine gute Idee. Unsere erste Erfahrung auf über 4000 Metern. Die Immigration für Chile sollte insgesamt über drei Stunden dauern, die Schnellsten sind sie nicht. Zudem ist Chile extrem strikt mit den Einfuhrbestimmungen, sodass der einzige Bus vor uns etwa 1,5 Stunden brauchte, da nahezu jeder seinen Koffer auspacken musste (manche mussten alle Medikamente im Detail erklären). Nachdem wir offiziell aus Argentinien ausgereist und nach Chile eingereist sind, mussten wir uns auch mal für die Gepäckkontrolle anstellen. Wir hatten einiges an Essen dabei – Crema de Leche haben wir noch weggeworfen, ein Joghurt habe ich schnell runter gewürgt; aber unsere Zwiebel und unseren Knoblauch mussten wir abgeben (der Zollbeamte hat diese frischen Zutaten mit großen Augen angesehen – wir gehen davon aus, dass er sie am Abend selbst verwendet hat ;)). Das war’s dann aber auch schon – alles andere wurde nicht entdeckt (Pfeffermühle etc.). Das wirklich Spannende an der Grenze ist, dass die Mitarbeiter aus Argentinien und Chile abwechselnd sitzen und dementsprechend Seite an Seite die Immigration durchführen. Das ist in Südamerika eher eine Seltenheit. Endlich ging es dann auch mit dem Bus weiter – der Pass geht noch bis auf knappe 5000 Meter hoch, entsprechend komisch fühlten wir uns. Mit der Zeit aber kommt man wieder etwas weiter runter, bis wir in San Pedro de Atacama auf 2600 Metern angekommen sind – drei Stunden zu spät.

Moon Valley Tour

Wir haben am Vortag bereits eine Moon Valley Tour für 14:30 gebucht, was aufgrund der Bus-Verspätung schon ziemlich knackig war. Zuerst aber mal einchecken und dann zum Touranbieter gelaufen, um zu zahlen etc. Schnell noch ein hartes Brot auf der Straße als Mittagessen gegessen, bevor es zu einer der Highlight-Landschaften rund um San Pedro de Atacama – zum Valle de la Luna und Valle de la Marte – ging.

Mit einem vollen Kleinbus starteten wir Richtung Valle de la Marte bzw. Muerte, einer unglaublich zerklüfteten Landschaft mit unbeschreiblich schönen und dramatisch geformten Felsformationen. Das Tal ist eingebettet in der Atacama Wüste umsäumt von vielen, noch aktiven, Vulkanen. Der höchste Vulkan ist etwa 6000 Meter hoch. Unser Guide mit dem Spitznamen Blas (aus Kolumbien) erzählte uns viel zur geologischen Entstehung. Und scho  ging es auch weiter zum Valle de la Luna (Moon Valley). Aus dem Bus ausgestiegen mussten wir kurz über einen Hügel wandern (man merkt hierbei, dass man bereits deutlich weniger Sauerstoff in der Höhe ab bekommt…). Nach einigen Metern Fußweg eröffnet sich plötzlich das Moon Valley. Es hat nicht umsonst den Namen “Mondtal” – so stellt man sich die Mond-Oberfläche wirklich vor. Eine großartige und atemberaubende Landschaft, bei der man sich auch wieder einmal ganz klein fühlt. Nach ein paar Minuten “Wirken lassen” erzählte uns Blas noch ein paar schöne und nicht schöne Geschichten bzw. Mythen, über die Ureinwohner und über die Vulkane. Danach kletterten wir ein paar Steine hinunter, um danach relativ steil die Sanddünen runter zu laufen. Der Sand ist so weich, dass man ohne Weiteres recht schnell hinunter laufen kann (empfohlen ohne Schuhe). Christian war dann aber mal zu schnell dran und hat quasi ein Rad im Sand geschlagen… Der Sand war Tage später noch zu finden 😉 Das war jedenfalls ein Riesenspaß – es war für uns unvorhergesehen und überraschend, dass das am Plan steht, machte daher vielleicht deshalb noch mehr Spaß 🙂

Nachdem wir den Großteil des Sandes (oder auch nicht) abgeklopft haben, fuhren wir weiter, um uns Salzfelsen anzusehen. Wir machten Halt bei einem recht großen – wenn man ganz leise ist, hört das Innere der Salzfelsen “arbeiten/knacken”. Blas erklärte uns dazu auch wieder viele interessante Details zur Entstehung.

Das nächste Highlight war das Durchqueren des “salty planets” mit dem Kleinbus. Überall Salz am Boden und auf den Felsen. Wir hielten dann an, um auf einen Berg zu wandern, von dem man den Sonnenuntergang über die atemberaubende Landschaft erleben darf. Ein wunderschönes Erlebnis. Am spannendsten ist, dass sich die Farben am Himmel nach dem Sonnenuntergang permanent verändern, einmal blau, lila, orange, rot – und das in mehreren Schichten. Ein beeindruckendes Naturschauspiel!

Und so endete die Tour; Nach dem Sonnenuntergang ging es zurück in die Oase “San Pedro de Atacama” inmitten der Atacama Wüste. Und Wüste sagt es schon: Des Nächtens wird es bitterkalt, sobald die Sonne untergegangen ist. Es werden wohl so um die 0° nur noch sein. In der ersten Nacht waren wir noch nicht so darauf eingestellt, da es untertags recht heiß mit 25° war. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind mitunter das Anstrengendste dort, da man immer genügend Kleidung für den Schatten und die Nacht benötigt.

Das Städtchen “San Pedro” ist natürlich extrem touristisch aufgebaut – würde man alle Touranbieter und Souvenirverkäufer weg denken, wäre es eine Geisterstadt. Trotz allem hat die Oase aber einen coolen Flair und die Leute sind lässig drauf. In unserem Hostel haben wir Leute aus der ganzen weiten Welt getroffen und viele Reise-Tipps ausgetauscht.

Nach dem Abendessen gingen wir auch schon schlafen, da es einfach zu kalt war, um noch etwas zu unternehmen. Leider hatten wir aber 4-Bett-Zimmer, das extrem stark nach Chemie gestunken hat. Auf unsere Nachfrage wurden wir noch informiert, dass drei Wochen zuvor ein Anti-Insekten-Mittel in allen Zimmern gesprüht wurde und es sicher nicht schädlich oder dergleichen wäre. Naja, okay. Der Gestank war nur leider unerträglich, dass wir das Fenster über Nacht gekippt lassen mussten. Auch eine schlechte Idee bei dieser Kälte. Ich habe stark gefroren, obwohl ich viel anhatte und drei Decken. Aber die Kälte kriecht einfach überall rein und manchmal schafft man es einfach nicht, sich aufzuwärmen. Dementsprechend hat Christian gleich am nächsten Morgen nach einer Zimmerwechsel gefragt, denn noch eine Nacht hätten wir dort nicht ausgehalten. Es war auch überhaupt kein Problem – wir haben von anderen Gästen auch erfahren, dass sie eine Nacht in dem Zimmer waren und dann gewechselt haben. Dürfte also Standard sein, dass sie es immer wieder probieren 😉 Irgendwer wird es schon mal länger als eine Nacht aushalten.

Touren-Check & Meteoriten-Museum

Nach dem “gratis Frühstück”, das wir als Entschuldigung wegen des Gestanks bekommen haben, haben wir mal eine Telefon-Session nach Österreich eingelegt, solange das WLAN funktioniert hat. Aber da vergehen dann schon mal glatt 1,5 Stunden 😉

Für diesen Tag hatten wir nur “langsames” Programm geplant, also Mittagessen, spazieren, Tour-Anbieter für Uyuni checken und Details für die nächste Tages-Tour erfragen. Unsere Wahl für die Uyuni-Tour fiel übrigens auf “World White Travel”. Für die Touren um San Pedro haben wir uns für “Cosmo Andino Expediciones” entschieden. Bei beiden gibt es tolle, sehr hilfsbereite und mitunter sehr lustige Mitarbeiter, die auch sehr gut Englisch sprechen und zudem sind beide Tour-Operator und nicht nur Agentur, die einen in irgendeine Tour reinstecken – das wollten wir vermeiden!

Und ein Besuch im Meteoriten-Museum stand auch noch am Programm: Dieses beherbergt tolle Meteoriten-Exponate mit einem wirklich sehr guten Deutsch-Audioguide. Manche Gesteine kann man weltweit tatsächlich nur in diesem Museum bewundern. Am Ende wird einem mit einem Guide noch erklärt, wie man einen Meteoriten erkennt, da diese oft wie “normales” Gestein aussehen. Ein tolles Museum, gemacht von einem sehr großen “Meteoriten-Fan”, mit dem wir auch noch nachher geplaudert haben. Die ausgestellten Meteoriten sind übrigens alle in der Atacama-Wüste gefunden worden.

Und so war der Tag dann auch schon mehr oder weniger zu Ende. Dieses Mal wieder selbst gekocht, versucht Fotos auf den Blog zu laden (kläglich gescheitert) und vorm Schlafengehen am Lagerfeuer aufgewärmt und mit vielen, tollen Reisenden gequatscht.

Salar de Tara

Als letzte Tages-Tour in San Pedro haben wir uns für die “Salar de Tara” entschieden, die höchste Tour, die man in der Umgebung machen kann (ausgenommen die Vulkan-Treks). Hier geht es wieder über den Juma Pass auf Höhen bis zu 5000 Metern, die Salar de Tara ist dann mehr oder weniger auf 4500 Metern.

Am Weg sind wir zuerst einmal auf der Straße stehen geblieben, an einer Stelle, von wo man von der Weite das “Alma Project” sehen kann. Es ist das größte astrologische Projekt der Welt mit einem Teleskop in revolutionärem Design. Man kann auch Touren zu dieser Anlage buchen, sollte dies allerdings etwa drei Monate im Voraus machen, da die Plätze begrenzt und heiß begehrt sind. Wir haben zwei Leute unabhängig voneinander getroffen, die gemeinsam dort waren 🙂 Die Temperaturen waren dort oben wahnsinnig kalt, ich habe wirklich geforen und wusste gar nicht, wie ich mich überhaupt noch aufwärmen sollte…

Danach ging es weiter zur Salar de Tara. Am Weg hielten wir noch einmal für einen Panorama-Blick, was gut war, denn sonst hätten wir wahrscheinlich einen Fuchs in freier Wildbahn verpasst, der mitten über die Straße wanderte. Ein wunderschönes Tier!

Und dann ging es mitten rein ins Hochland der “Salar de Tara” – die “Straßen” ähnlich wie in Island, mit Schlaglöchern, Steinen und Gerumpel. Als erstes hat man einen wunderschönen weiten Blick auf einige Felsformationen und eine Lagune, die relativ weit entfernt liegt. Nach einem kurzen und wieder seeehr kalten Foto-Stop, sind wir immer weiter ins Hochland gefahren, wo es auch keine Straßen mehr gibt. Unser routinierter Fahrer suchte sich seinen Weg, aber sehr sicher und gekonnt. Unser Fahrer war übrigens ein älterer Bolivianer, der den Vulkan “Licancapur” an der Grenze Chile/Bolivien 85 Mal bestiegen hat (5920 Meter hoch) und auch Bergretter ist.

Jedenfalls bestand die Tour vorrangig daraus durch das unwegsame Hochland zu fahren und die atemberaubende Schönheit der Landschaft zu genießen (und mich aufzuwärmen ;)). Wir kamen dann zu einem Wahnsinns-Ausblick, wo man über die Salar de Tara und die unfassbare Weite sehen konnte. Der Wind war relativ stark, daher war das nur einer kurzer Halt, um dann auf die obere Kante der Salar de Tara zu kommen. Von dort gingen wir dann zu Fuß hinunter, während am Fuße unser Fahrer das Mittagessen zubereitete. Ein schöner kleiner Spaziergang durch diesen kleinen Teil des Nationalparks. Am Fuße liegt die Lagune mit vielen schönen Farben, einige Vögel genossen dort das kalte Wasser und waren wohl auf Futtersuche.

Danach gab’s ein tolles Mittagessen, sogar mit Tisch und Sesseln. Säfte, chilenischen Wein, Kaffee, Tee und ein reichhaltiges Mittagessen mit Fleisch und Reis. Nach dieser Stärkung in der wunderbar wärmenden Sonne hieß es auch schon wieder ab nach Hause. Die Fahrt dauerte für eine Strecke doch etwa drei Stunden. Am Fuße des Juma Passes aber mussten wir stehen bleiben, denn die nächtliche Straßensperre war bereits, viel zu früh, aufgebaut. Und so konnten wir nicht weiter, unser Fahrer hat die Polizei in San Pedro angerufen, damit sie die Sperre aufheben (üblicherweise wird ab 17 Uhr gesperrt, damit niemand illegal über die Grenze nach Argentinien gelangt). Es dauerte sicherlich 40 Minuten bis wir queren konnten, allerdings waren es “Straßen-Arbeiter”, die uns aufgesperrt haben. Die Polizei war weit und breit nicht in Sicht 😉

Nach dieser hohen und wunderschönen Tour waren wir am Abend schon sehr hungrig und gingen wieder ins “Barros”, wo wir am Tag zuvor Mittagessen waren. Dieses Mal war es bereits knackvoll und wir haben uns zu drei anderen an einen Tisch dazugesetzt. Die drei waren aus Santiago de Chile. Wir plauderten sehr viel mit Natalia, die extrem gut Englisch konnte. Sie war mit ihrer Mama und ihrem Stiefbruder auf Urlaub in San Pedro. Auf ihre Empfehlung haben wir ein chilenisches Gericht gegessen, den Namen haben wir leider vergessen. Wir hatten das zwei Tage zuvor schon zu Abend, wussten nicht, dass das so eine Spezialität ist (allerdings war das im ersten Lokal auch nicht so gut!). Im Prinzip sind es Rindfleisch-Stücke, kleine Würstel, Pommes, Zwiebel und Spiegeleier drüber. Im “Barros” extrem gut, aber extrem viel. Dazu habe ich ein chilenisches Bier getrunken, ein “Kross” Pale Ale – das beste Bier in Südamerika bis jetzt 🙂

Nach dem Essen trat eine chilenische Band auf, die traditionelle Musik gespielt hat – allerdings hat die Technik nicht mitgespielt… Daher sind wir dann auch los Richtung Hostel, da wir am nächsten Tag früh aufstehen mussten, denn unsere lang ersehnte Uyuni-Tour begann um 7:30.

Achja, vor dem Abendessen war ich noch auf Shopping-Tour. Denn eines war nach dieser kalten Tages-Tour fix: Ich brauchte noch etwas sehr Warmes für Drunter. Für €50 habe ich mir dann auch eine Wärme-Leggings mit Silber-Technologie von Columbia gekauft, die auch wirklich ihr Geld wert sein würde. Und auch noch “Alpaca” Socken, wobei ich glaube, dass da nur ein sehr minimaler Teil Alpaca ist… Aber besser als nichts 😉 Wir wurden bereits mehrfach von unterschiedlichen Menschen darauf hingewiesen, dass es in Bolivien im Hochland deutlich kälter sein würde und wir quasi alles anziehen sollen, was wir haben 😉 Es lag nämlich Schnee in dieser Region, was eher untypisch für diese Gegend ist. Aber dazu mehr im eigenen Uyuni-Post.

Die drei Nächte San Pedro waren übrigens eine wirklich gute Akklimatisation für die Höhe. Es wird empfohlen bevor man auf die 4000 kommt, dass man sich mindestens drei Tage auf ca. 3000 Metern akklimatisiert. San Pedro hat zwar nur 2600, aber durch den Grenzübergang am Pass Jama und die Salar de Tara Tour hatten wir auch die Möglichkeit uns von den hohen Höhen zu erholen und uns in San Pedro gut zu akklimatisieren. Hat bestens funktioniert – zumindest für uns!

Übrigens werden wir für Chile keinen Rückblick-Post machen, da es keine Aussagekraft hätte. Wir waren nur drei Nächte in San Pedro und haben so auch nicht wirklich viele Einheimische kennen gelernt. Aber eine unglaublich schöne Landschaft genossen und alles zusammen war ein großes Highlight und einfach nur wunderschön!

San Pedro de Atacama: 10.7.-12.7.2017