Juhu, eine der lang ersehnten Touren ging los. Wir wurden recht pünktlich um 7:40 von unserem Hostel mit einem Minibus abgeholt. Nachdem alle eingesammelt waren, ging es in San Pedro de Atacama zur Migration, wir sind offiziell schon dort aus Chile ausgereist witzigerweise – ging jedenfalls recht flott. Danach ging es noch eine Stunde mit dem Minibus zur Grenze nach Bolivien. Ein kleines Grenzhüttl am Fuße des Vulkans Licancabur mit grimmigen Grenzpolizisten in einer Höhe von ungef ähr 4200m. Aber auch hier ging alles recht flott – wieder ein Stempel mehr im Reisepass 🙂 Nach den Formalitäten warteten auch schon unzählige Jeeps auf die jeweils sechsköpfigen Gruppen. Inmitten der Jeeps wurden Tische mit Frühstück aufgebaut – erstaunlich gut! Es gab seit Langem mal wieder Käse und Schinken zum Frühstück. Heißen Kaffee, Cocatee und Kuchen gab’s auch, wirklich lecker! Danach mussten die 18 Personen, die via World White Travel gebucht haben, auf drei Gruppen aufgeteilt werden, da maximal sechs in einen Jeep passen, plus Fahrer natürlich.

Wir hatten echt glück mit unserer zusammengewürfelten Gruppe. Mohit kannten wir schon, da er im gleichen Hostel in San Pedro war. Dann waren noch Monica und Andrea, zwei Schwestern aus Santiago de Chile dabei – die beiden, Mohit und wir zwei waren zuvor auch schon im gleichen Minibus unterwegs und hatten uns bereits alle beschnuppert. Monica und Andrea haben während des Frühstücks Manuela kennengelernt und eingeladen bei uns dabei zu sein, da sie sonst niemanden kannte. Wir waren jedenfalls eine wirklich harmonische und witzige Gruppe. Und dann war es auch so weit, dass wir wussten, zu welchem Jeep und Fahrer wir gehören. Wir kamen zu Gabriel, einem sehr freundlichen Bolivianer, mit seinem Nissan Petrol. Nachdem das große Gepäck auf dem Dach ordentlich verstaut und eingepackt wurde, ging es auch endlich wirklich los. Aber auch nur kurz, denn schon gab es erneute Formalitäten – in Südamerika lieben sie Papier, Formulare und Listen 🙂 Dieses Mal mussten wir die Zolldeklaration ausfüllen – für das Gepäck selbst hat sich aber niemand interessiert. Und danach mussten wir noch die Tickets für den Nationalpark Andina Eduardo Abaro kaufen, mit Namen und Passnummer versehen sowie noch einmal extra in einer Liste eintragen. Und dann ging’s wirklich los 🙂 Yeah!

Lagunen, heiße Quellen, Geysir & Schnee | Tag 1

Der erste Stop war die Laguna Blanca, übersetzt die weiße Lagune. Die Farbe entsteht durch die Einschwemmung von Mineralien. Ein unglaublich schöner Anblick, die Lagune ist auch auch beachtliche 5,6 km lang und 3,5 km breit. Und wird umsäumt von Vulkanen. Die Lagune war weiß, aber auch die Umgebung weil es einige Wochen zuvor geschneit hat, eigentlich eine Seltenheit in dieser Jahreszeit. Aufgrund der Temperaturen dauert es ziemlich lange bis der Schnee wieder schmilzt. Man konnte teilweise auf bizarr aussehenden Schneefeldern gehen, die witzige Formen durch Wind und Sonne erhalten haben. Die Lagune war teilweise gefroren und so spazierten wir auch ein bisschen über’s Eis. Nach dem Genuss dieser atemberaubenden Landschaft, einigen Fotos und auch einem ersten Gruppenfoto ging es auch schon weiter zur nächsten Lagune – der Laguna Verde (grüne Lagune). Auch diese war teils gefroren und wirkte daher eher blau als grün. Gabriel erklärte, dass sie sonst schon grün wäre. Auch hier hatten wir wieder etwas Zeit, um alles zu inhalieren und Fotos zu machen. Im Jeep konnten wir uns wieder etwas aufwärmen bis wir beim nächsten Stop hielten, der Laguna Chalviri. Hier gibt es die Möglichkeit in heißen Quellen zu baden. Man zahlt 6 Bolivianos für Baden und WC, umgerechnet sind das nicht mal €1. Ich habe hin und her überlegt, ob ich bei dieser Kälte plus Wind überhaupt reingehen sollte, denn wie soll ich denn wieder rauskommen ohne zu erfrieren!? Aber ja, wie oft kann man schon ein heißes Bad bei einer so schönen Kulisse nehmen. Also Augen zu und durch bzw. besser gesagt Augen zu und warten bis man sich als Frau in einem Mini Umzieh-Häuschen für zu viele Frauen umziehen kann… Insgesamt blieben wohl sicher 15 oder mehr Jeeps dort stehen für diesen klassischen Halt auf der Route. Endlich konnte ich dann auch ins heiße Wasser eintauchen und die schöne Landschaft genießen, Christian war bereits seit einigen Minuten drin 😉 Es war herrlich bis wir leider nach zehn Minuten auch schon wieder raus mussten, denn das Mittagessen wartete und das war noch über vier Stunden entfernt… Es war mittlerweile mittags.

Nachdem dann alle fertig angezogen waren, ging es auch gleich weiter mit einem Halt bei der Salvador-Dalí-Wüste, einer sehr großen Steinwüste. Die Route ab den heißen Quellen war für uns noch nicht fix, da es bis zum Tag zuvor noch geheißen hat, dass wir eine Alternativ-Route fahren müssten, da einige Strecken aufgrund des Schnees nicht befahrbar wären. Aber wir hatten Glück und es konnte wohl ab diesem Tag wieder die klassische Route befahren werden. Wir waren jedenfalls sehr gespannt auf das Geysirfeld Sol de Mañana. Es dauerte einige Zeit bis wir dort waren, mittlerweile fuhren wir auf sehr unwegsamen Hochland-Gelände. Sol de Mañana ist ein etwa zwei Quadratkilometer großes Geothermalgebiet auf einer Höhe von 4850 Meter über dem Meeresspiegel und gehört zur Vulkanregion Altiplano-Puna. Man findet dort intensive geothermische Aktivität mit Geysiren, kochenden Schlammlöchern und Fumarolen. Es war wirklich schön, wir sind ja total begeistert von so geothermischen Regionen – wir haben ja letztes Jahr in Island schon einiges in dieser Richtung bewundert. Da wir bereits auf knapp 5000 Meter waren und man das nicht alle Tage macht, kann es schon mal passieren, dass es einem nicht so gut geht. Christian ging es hier auch nicht so gut und Gabriel empfahl ihm eine Pause zu machen, viel zu trinken und im Auto dann zu schlafen. Müde waren wir alle von der Höhe, man merkt richtig, wie schwer der Kopf wird und die Augen zufallen. Dementsprechend haben wir einfach alle ein Nickerchen im Auto gemacht bis wir bei unserer ersten Unterkunft ankamen, wo es dann auch gegen 16 Uhr endlich Mittagessen gab. Das war erstaunlich gut, wir haben alle erwartet, dass es nicht so besonders sein wird… 😉 Zuerst eine heiße Gemüsesuppe und dann Fleisch mit Gemüse. Es ging jedenfalls allen gleich wesentlich besser, möglicherweise waren wir auch alle nur unterzuckert.

Nach dem guten Essen ging es jedenfalls noch zu einer Lagune, die ca. 20 Minuten von unserem Quartier entfernt liegt, Die Laguna Colorada, einer rot gefärbten Lagune. So etwas hat man einfach noch nicht gesehen. Unglaublich schön! Wir waren auch bei Sonnenuntergangs-Stimmung dort, das färbte die Lagune noch einmal in einer wunderschönes Licht. Und hier konnten wir auch zum ersten Mal Flamingos bewundern, die in dieser Region beheimatet sind und sicht nicht vom Rot des Wassers ablenken lassen. Ein interessantes Detail hat uns Gabriel noch erklärt zu Flamingos. Die bleiben auch über Nacht im Wasser stehen, dann friert das Wasser ein bisschen ein und die Flamingos verharren so bis zum nächsten Tag – bis die Sonne das Wasser wieder aufgetaut hat. So witzig!

Nach dem wunderschönen Spaziergang ging es wieder retour in unser Quartier am Fuße eines Vulkans auf 4300 Metern. Da die Sonne bereits untergegangen war, spürten wir auch schon die eisige Kälte, die sich für die Nacht anbahnte. Wir wärmten uns daher mal mit Kaffee und heißem Tee auf und spielten Uno 🙂 Das Abendessen wurde einstweilen auch vorbereitet und es gab sogar ein Heizschwammerl im Speiseraum. Das erhitzt zwar nur die Köpfe, aber besser als nichts.

Vor der Nacht graute mir jedenfalls schon etwas, denn eine Heizung gab’s dort nicht… Und um 20:00 hatte es laut Gabriel bereits -8°. Brrrrr! Nach dem ordentlichen Abendessen wollten wir auch den Sternenhimmel bewundern. Denn wo sollte der klarer sein als auf dieser Höhe bei null Lichtverschmutzung. Wir gingen so warm eingepackt wie es ging hinaus und uns hat es einfach nur die Sprache verschlagen. So einen klaren Sternenhimmel mit aber Millionen Sternen und einer unfassbar klar sichtbaren Milchstraße haben wir einfach noch nie gesehen. Trotz der Eiseskälte mussten wir diesen Anblick genießen und Christian versuchte dieses Naturschauspiel zu fotografieren, was sich schwieriger als gedacht heraus stellte. Nachdem wir dann schon fast eingefroren waren, mussten wir wieder rein gehen. Und da es sonst nicht viel zu tun gab und wir auch alle sehr müde waren, gingen wir wohl gegen 21:30 schlafen. Unsere sechsköpfige Gruppe war in einem Zimmer, was gut war. Denn zu sechst erwärmt man das Zimmer auch besser, obwohl das hier kaum möglich war. Wir haben uns dort noch Polar-Schlafsäcke ausgeborgt, um sicher zu gehen 😉 Ich habe geschlafen: Mit eigenem dünnen Schlafsack, Polar-Schlafsack und nochmals sechs Decken darüber. Achja und ich war komplett angezogen. Ich habe trotzdem gefroren, denn das Bett ist ein Steingemäuer, auf der die Matratze liegt und es ist einfach alles klamm und erwärmt sich nicht. In der Früh konnten wir dann das Eis innen vom Fenster abkratzen.

Hochland, Wüste & Vulkane | Tag 2

Nach dem Frühstück ging es auch schon wieder recht flott weiter. Es ging zuerst zur Siloli-Wüste, einer Steinwüste ähnlich der Salvador-Dalí-Wüste am Tag zuvor. Wir kämpften uns durch den Schnee, um die Steinformationen von der Nähe zu bewundern. Es war ein schöner sonniger Tag, aber meine Füße froren buchstäblich ein. Meine leichten Trekking-Schuhe sind einfach nicht optimal für Schnee. Im Auto habe ich mir mal die Schuhe ausgezogen und musste die Füße kneten, damit sie wärmer wurden – das dauerte ewig! Nach der Steinwüste fuhren wir durch eine wilde Hochland-Schneelandschaft. Sehr abenteuerlich, aber unglaublich schön! Am zweiten Tag waren wir die ersten Stunden fast nur im Jeep unterwegs. Aber wir mussten ja auch voran kommen. Und vom Jeep konnte man die wunderschöne Szenerie bestens beobachten. Mit der Zeit veränderte sich auch die Landschaft, von Schnee zu wenig Schnee bis zu null Schnee. Es waren mehr Gräser zu sehen und wir konnten auch wilde Tiere wie Vicuñas, Füchse und Llamas sichten. Das alles am Weg zu den Lagunas Honda, Crarcota, Hedionda und Altiplanicas – eine schöner als die andere, alle bevölkert von vielen Flamingos. Wunderschön und herrlich umsäumt von Bergen bzw. Vulkanen, die sich im Wasser wunderbar spiegelten. Unser Mittagessen hatten wir am Ufer der Laguna Cañapa, wir waren die einzigen Menschen und genossen unseren Salat, die Sonne und die atemberaubende Landschaft. Ein Bier wäre noch fein gewesen 🙂

Weiter ging es zu einem Aussichtspunkt zum aktiven Vulkan Ollaque, wo wir wunderschöne Vulkanlandschaften bewundern konnten. Es war bereits eine deutlich andere Szenerie vorzufinden als noch davor. Zwischen dem Mittagessen und dem Vulkan lagen auch einige Kilometer und ein paar Stunden Fahrtzeit. Danach ging es über die erste Salzwüste, der Salar de Chiguana, zu einem interessanten Fotostop. Mitten in der Salzwüste gibt es einen Bahngleis, wo zwei Mal die Woche ein Zug fährt. Wir haben uns dort mit Fotos verausgabt, ein toller Ort dafür. Weiter ging es über die Salar de Chiguana nach San Juan, einem kleinen Dörfchen, wo uns am Rand ein Salz-Hostel erwartete – alles aus Salz gebaut. Unser Zimmer bestand quasi nur aus Salz: Die Wände, das Bettgemäuer, der Fensterrahmen und auch der Boden war quasi wie ein Salzstrand. Und es gab sogar eine Dusche in dieser Unterkunft, alle wollten in eine heiße Dusche – sie war Gott sei Dank wirklich heiß 🙂 Abends genossen wir heiße Getränke, wunderbares Essen an einem Salztisch. Christian und Mohit haben sogar Bier und Wein für den Abend besorgt, da wir zum Essen anstoßen wollten. Da wir zu viel Wein hatten, bereitete Monica eine Art Glühwein zu und erhitzte diesen auf dem Holzofen, der den Speiseraum erwärmte. Zwischendurch mussten wir natürlich auch wieder hinaus und erneut den Sternenhimmel bewundern und fotografieren. Ein schöner Abend und alle in voller Erwartung auf den nächsten Tag!

Salar de Uyuni & Uyuni | Tag 3/4

Eines der Highlights, die Salar de Uyuni, stand am Programm. Ohne Frühstück ging es um 5:30 los, damit wir rechtzeitig zum Sonnenaufgang in der Salzwüste Halt machen konnten. Ein unglaublich schönes Erlebnis, diese unendliche Weite, dieses Gefühl auf meterdickem verkrustetem Salz zu stehen und dann geht die Sonne auf! Ein unvergesslicher Moment! Wir haben aber auch recht schnell gefroren, warm ist definitiv anders 😉

Nach diesem atemberaubenden Erlebnis ging es zur Isla Incahuasi, einer Insel mitten in der Salzwüste, die tausende meterhohe Kakteen beherbergt. Christian und ich beschlossen den Eintritt nicht zu zahlen und einfach um die Insel herum zu spazieren – da kann man die Kakteen genau so bewundern ohne hunderte Touristen. Außerdem war es wichtig die Füße aufzutauen und das macht man am besten mit einem ordentlichen Spaziergang und ein paar Sprung- und Blödel-Fotos 🙂 Am Ende der Insel haben wir dann auch tatsächlich Camper getroffen – die haben bei diesen Temperaturen die Nacht da draußen in einem Zelt verbracht. Für mich ein unglaublicher Gedanke! Wir haben auch ein bisschen mit ihnen geplaudert, einem Deutschen mit seiner australischen Freundin.

Danach trafen wir uns alle wieder beim Auto für ein Frühstück im Freien. Gott sei Dank war dann auch endlich die Sonne an diesem Ort, um uns weiterhin warm zu halten während wir uns mit Kaffee, Toast, Kuchen und Joghurt stärkten. Und dann sollte es zum obligatorischen Stop für die perspektivisch verschobenen Fotos gehen. Gabriel fuhr ewig lange bis wir endlich stehen blieben. Wir freuten uns schon alle sehr auf diesen zweistündigen Fotospaß! Diese Fotos muss man einfach machen in der Uyuni-Salzwüste. Sehr beliebt sind auch Dinosaurier-Figuren zu verwenden, wir hatten alle keine, aber Gabriel hatte eine als Überraschung mit. Und so starteten wir mit einem Dino-Gruppenfoto! Echt witzig! Wir machten natürlich hunderte mit allen möglichen uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Das war ein Riesenspaß!!! Nach diesem ausgiebigen Fotoshooting ging es dann noch zu einem Salz-Hotel mit angebundenem Museum – Christian und ich spazierten draußen herum, da es gerade wunderbar warm war. Nach diesem Besuch ging es nach wenigen Kilometern wieder auf normale Straßen, es hieß also “Bye bye wunderschöne Uyuni Salzwüste”. Direkt danach wurden wir bei einem Markt “raus geschmissen”, der natürlich nur für Touristen ausgelegt ist, aber wirklich billig. Sogar wir haben etwas eingekauft, einen „Alpaca“ Schal (vermutlich made in China) und ein kleines Täschchen, aber wirklich für wenig Geld. Danach ging es auch in die Stadt Uyuni, wo wir als letztes noch gemeinsam Mittagessen waren und noch den Eisenbahn-Friedhof besucht haben. Im Office von World White Travel mussten wir uns leider verabschieden – Monica und Andrea haben die 4-Tages-Tour bis San Pedro retour gebucht, Mohit und Manuela haben abends zufällig den gleichen Bus nach La Paz genommen und wir haben bereits zuvor ein Hostel in Uyuni gebucht.

Die Stadt Uyuni ist übrigens mehr als unspektakulär und muss man nicht unbedingt in seiner Route mit einplanen außer als Start- oder Endpunkt für eine Salar-Tour. Einige sind nach dem Tourende sofort in einen Bus nach Potosí oder Sucre gesprungen, denn Uyuni ist wirklich hässlich und dreckig. Wir hatten aber ein tolles Hostel, das von einem älteren bolivianischen Ehepaar geführt wurde. Als wir frierend nach dem Abendessen heim kamen, hat uns der Herr des Hauses noch heißen Tee angeboten, damit wir uns aufwärmen konnten. Und er brachte uns sogar noch einen kleinen Heizstrahler ins Zimmer, worüber ich mich wahnsinnig gefreut habe. Denn es war natürlich in der Nacht hier noch immer bitterkalt. Nach dem unfassbar tollen Frühstück, sehr untypisch für Bolivien, ging es dann für uns auch mit dem Bus nach Potosí – dazu mehr im nächsten Beitrag 🙂

San Pedro de Atacama bis Uyuni: 13.7.-16.7.2017