Schon am Vormittag verließen wir das nicht sehenswerte Uyuni Richtung Potosí. Eigentlich eine nicht so weite Strecke, da es aber über die Anden geht, dauert die Fahrt dann doch vier Stunden. Aber so hatten wir wieder einmal die Möglichkeit die wunderschöne Landschaft zu bewundern.

Potosí

Angekommen in einer der höchsten Städte der Welt, zwischen 3.976 und 4.070 Metern, und einstmals auch reichsten Städte der Welt, waren wir zuerst etwas verloren. Denn es war für uns nicht ausfindig zu machen, wo wir ein Taxi nehmen können. Bei dem Ausgang, wo wir hinaus gegangen sind, fuhren lediglich die Taxis nach Sucre, aber nicht innerhalb Potosís. Da haben wir auch das erste Mal mitbekommen, dass wir am nächsten Tag rein theoretisch ein Taxi nach Sucre nehmen könnten. Eine sehr hilfsbereite alte Dame hat uns jedoch geholfen und irgendwann ein Taxi für uns angehalten und sogar für uns das Ziel mit dem Taxifahrer ausgemacht. Laut unserem Google Maps war leider das Hostel falsch eingezeichnet, sodass der Fahrer tatsächlich noch einmal einen größeren Kreis fahren musste… Wir dachten zuerst ja schon, dass der das absichtlich macht – aber es war Google Maps Schuld 😉 Am Ende haben wir dann aber auch nur €2 für die etwas längere Fahrt gezahlt. Da es vom Bus-Terminal doch etwa 400 Höhenmeter waren, waren wir froh, dass wir nicht zu Fuß gegangen sind.

Da wir nur eine Nacht gebucht hatten, weil wir in Sucre länger bleiben wollten, haben wir nur unsere Sachen ins Zimmer geschmissen und erkundeten sofort die Stadt. Es war Sonntag, ein großer Fehler! Wir konnten eigentlich nur alles von außen bewundern, denn es hatte so gut wie alles geschlossen inkl. Restaurants, Cafés und Sehenswürdigkeiten. Einzig das Kloster Santa Teresa hatte geöffnet, also machten wir eine fast zweistündige Tour mit Guide – war am Ende doch etwas langwieriger als gedacht. Aber okay, immerhin haben wir irgendetwas gesehen.

In der Zwischenzeit haben wir auch überlegt, dass wir am nächsten Tag doch eine Minentour machen, allerdings nur den Außenbereich. Denn Potosí liegt am Fuße des Cerro Rico reich an Zinn, Kupfer und Silber. Die Mine ist nach wie vor aktiv, allerdings wird diese von unterschiedlichen Kooperativen bewirtschaftet, das heißt von unterschiedlichen Unternehmen ohne System. Aufgrund diverser Reviews haben wir uns gegen die gesamte Tour inkl. Minenschächten etc. entschieden, da uns das zu gefährlich schien und wir auch nicht sicher waren, ob wir das mit der dünnen und schlechten Luft sowie der Enge ausgehalten hätten. Es ist jedenfalls möglich nur außen zu besichtigen und so haben wir das für den nächsten Tag über Big Deal Tours gebucht.

Um 8:45 ging es los, zuerst mal zum berühmten Miner’s Market, wo sich die Minenarbeiter mit Frühstück stärken und alles Lebensnotwendige für ihre Arbeit erwerben können, unter anderem auch Dynamit. Den Minen-Touristen wird empfohlen den Arbeitern Geschenke mitzunehmen: Das kann ein Paket mit einer Tagesration Cocablättern und ein großes Getränk, 96% Alkohol oder eben auch eine Stange Dynamit sein. Es ist jedenfalls der einzige Ort, wo man Dynamit ohne Lizenz kaufen und bei sich tragen kann. Allerdings ist es außerhalb Potosís verboten. Nach dieser interessanten Führung am Markt ging es weiter zur Garderobe, man muss sich ja schließlich “Schutzkleidung” anziehen. Da wir übrigens die Einzigen von etwa 40 Personen waren, die nicht rein gegangen sind, haben wir nur die, sagen wir einmal “Staubschutz-Kleidung”, einen Helm und Mundschutz bekommen. Die anderen wurden noch mit Gummistiefeln und Stirnlampe ausgestattet.

Danach besichtigten wir bereits die Verarbeitungs-Anlagen, wo aus dem abgebauten Gestein am Ende Silber, Zinn oder Kupfer gewonnen wird. Wir sind durch diese Anlage durch gegangen und das war schon ziemlich beängstigend. Große, sehr laute, sich schnell drehende Maschinen und ein starker Geruch nach Chemikalien. Am Ende arbeiten drei Arbeiter abwechselnd in einem Metallschlamm ohne ordentliche Schutzkleidung mit einer Lebenserwartung von 40 Jahren. Das fand ich schon sehr schlimm. Da wir nicht in die Mine gegangen sind, haben wir unser Geschenk diesen drei Männern gegeben. Die kriegen wahrscheinlich sonst eh nie Geschenke, da diese immer den Minenarbeitern im Berg vorbehalten sind. Sie haben sich jedenfalls wahnsinnig darüber gefreut – wir haben übrigens kein Dynamit geschenkt. Danach ging es rauf zu einem der Mineneingänge von den unzähligen Kooperativen. Wir haben uns die Aussicht angesehen, noch einen Cocatee bekommen und wurden dann zu unserem Hostel gebracht. Ich bin nach wie vor froh, dass wir nicht hinein gegangen sind, auch wenn sich so gut wie alle darüber wundern. Nahezu alle Touristen gehen da hinein ohne darüber nachzudenken – finde ich auch sehr bedenklich. Dem Berg wird jedenfalls vorausgesagt, dass er in den nächsten Jahren kollabieren wird, da einfach ohne System und ohne Sicherheitsvorschriften wild abgebaut wird.

Wir waren auch froh, dass wir nur eine Nacht gebucht hatten, denn so atemberaubend ist die Stadt nicht, zumal die Luft wahnsinnig schlecht ist. Erstens ist man sehr hoch und zweitens haben die dort noch nie etwas von Katalysatoren gehört, das heißt man steht permanent in dicken, schwarzen Abgaswolken in hoher Höhe. Das war nicht so angenehm.

Einstweilen haben wir uns auch entschieden, ein Taxi vom Hostel rufen zu lassen, das uns direkt nach Sucre bringen soll. Das Hostel konnte auch einen wirklich günstigen Preis von €6,50 pro Person aushandeln – für eine Strecke von 2,5 Stunden. What the fuck!? Der Bus hätte €2,50 gekostet, die reine Fahrtzeit dauert aber auch 4 Stunden plus die Wege zum und vom Busterminal. Das war’s uns einfach wert! Und so ging es mit zwei anderen Passagieren nach Sucre über wilde Bergstraßen. Am Ende ist alles gut gegangen und wir kamen heil bei unserem Hostel in Sucre an.

Sucre

Sucre, die konstitutionelle Hauptstadt Boliviens, wird auch “Weiße Stadt” genannt aufgrund der unzähligen weißen Gebäude. Wir haben uns sofort verliebt in diese wunderschöne Stadt, unglaublich schöne Kolonialbauten, wunderschön angelegte Plätze, extrem freundliche Menschen und bessere Luft. Immerhin ist Sucre nur noch auf 2800 Metern.

Bereits in San Pedro de Atacama haben Christian und ich entschieden einen Spanischkurs in Sucre zu machen, daher haben wir auch einen Aufenthalt von sechs Nächten geplant. Und so ging es gleich am nächsten Morgen zur Beratung zu “me gusta Spanish” – nach zehn Minuten saßen wir auch schon in unserer ersten Vier-Stunden-Einheit in einer Kleingruppe. Wir haben insgesamt vier Tage à vier Stunden Gruppe und zwei Stunden Semi-Private in der Spanisch-Schule verbracht. Und natürlich noch ein paar zusätzliche Stunden mit Hausübung. Die 24 Stunden haben sich aber wirklich ausgezahlt, wir verstehen viel besser und können auch die Basics in Spanisch bestellen, erfragen oder beantworten. Aufgrund der Schule hatten wir natürlich auch nicht viel Zeit uns die Stadt anzusehen. Aber die Schule bot gleich am ersten Tag eine Night Walking Tour für €1,20 an – eine super Gelegenheit die Stadt zu erkunden und die anderen Schüler kennen zu lernen. Zusätzlich wurde die Tour von einem Spanisch-Lehrer gemacht, der zuerst alles in sehr langsamen Spanisch erklärte und danach in Englisch. War quasi also eine zusätzliche Lerneinheit. Nach dem wichtigsten Gebäuden und Geschichten landeten wir am Ende an einem Markt, wo Christian es nicht lassen konnte, sich durch das Streetfood zu probieren. Obwohl ihm von mehreren Personen bereits abgeraten wurde in Bolivien auf der Straße zu essen. Die Rechnung hatte er dann am nächsten Tag 😉 Danach wurde uns noch von Bolivianern selbst gesagt, man sollte nicht auf der Straße essen. Nach dem Motto: “Du kriegst, was du zahlst”. Daher war es leider auch nicht möglich am nächsten Abend mit der Schule zu einer günstigen Cooking Class für “Papas Rellenas” zu gehen, da es Christian natürlich noch nicht so gut ging.

Und so vergingen die Schultage recht flott und waren am Ende aber auch froh, als es vorbei war. Schon sehr anstrengend 😉 Am Abend sind wir immer ins Bett gefallen als wären wir auf großer Wandertour gewesen.

Für den letzten Abend haben wir uns mit anderen Schülern und einem bereits bekannten Reisenden aus San Pedro de Atacama, einem Isländer, ausgemacht, dass wir uns in deren Hostel “Kultur Berlin”, einem der berühmtesten Hostels in Sucre, treffen. Denn es wurde eine Bolivian Night veranstaltet vorrangig mit Tanz. Tolle Kostüme und schöne Tänze ließen uns Staunen. Nebenbei haben wir erstmals wieder einige Bier getrunken und uns sehr nett unterhalten.

Den Samstag haben wir uns reserviert für die Besichtigung der Dinosaurier-Spuren am Rande von Sucre. Es ist der größte Fund der Welt mit unzähligen Spuren von unterschiedlichen Dinosauriern. Man kann sie nur einmal am Tag von der Nähe bestaunen, da nach wie vor den ganzen Tag die Spuren gesichert und archäologisch untersucht etc. werden. Wir haben den Besuch natürlich so getimet, dass wir sie von der Nähe bewundern können. Zuerst hat man mal eine Führung durch das Museum und erhält Informationen zur Geologie und warum die Spuren auf einer senkrechten Wand zu finden sind (Verschiebung tektonischer Platten, die sich zu einem V geformt haben). Mit Schutzhelm und Schutzbrille ging es dann hinunter zu der mega langen und hohen Wand voll mit Spuren. Es war schon sehr beeindruckend diese Spuren zu sehen und sich vorzustellen, wie einst diese unfassbar großen Tiere hier entlang gelaufen sind. Viel Zeit hatten wir leider nicht, dann mussten wir wieder den beschwerlichen Weg nach oben gehen. Danach haben uns noch ein bisschen im Dinosaurier-Park umgesehen, wo lebensgroß nachgebaute Dinosaurier ausgestellt sind. Das war jedenfalls ein schöner, lehrreicher und interessanter Ausflug in die Umgebung Sucres. Im Dino-Bus retour haben wir uns noch mit einem französischen Ehepaar sehr gut unterhalten. Sie haben uns mit vielen Tipps für weitere Länder versorgt, da sie bereits seit knapp zwei Jahren mit zwei Kindern auf Weltreise sind (und noch ein Jahr reisen). Wir waren dann sogar noch gemeinsam Mittagessen – es war wirklich sehr interessant und nett mit den beiden. Für den Sonnenuntergang sind wir abends unsere Straße einfach hinauf spaziert, die dann recht steil nach oben mit Stufen verläuft. Denn oben angekommen und ein Stück weiter rechts wartete das “Café Mirador” auf uns und belohnte uns mit einem unglaublich schönen Ausblick auf Sucre. Der Sonnenuntergang war herrlich, die bolivianischen Städte sind ja meist in einem Tal gebaut mit Ausläufern bis zu den Bergspitzen. Die Sonne geht unter und die Lichter der Stadt gehen an – eine wunderschöne Stimmung.

Nach dieser schönen Stimmung, einem guten Abendessen ging es ab zum lang ersehnten Friseur. Der war schon lange nötig und bereits seit ein paar Tagen auserkoren. Dass wir dann für beide für Schneiden, Waschen und Föhnen gemeinsam €10 gezahlt haben, haben wir trotzdem nicht erwartet. Wir hatten einen wirklich engagierten und akkuraten Barber, der seinen Job mit viel Liebe macht. Und wir haben nebenbei auch gleich Spanisch geübt und uns versucht mit ihm zu unterhalten – soweit es halt ging 😉

Nach dem vollen Tagesprogamm ging es ins Hostel zum Packen. Denn am nächsten Morgen stand unser Flug nach La Paz am Programm. Wir haben ausnahmsweise einen Flug gebucht. Der lag auch nur bei €50 und schonte unsere Reisezeit, unser Sitzfleisch und unsere Nerven.

Potosí & Sucre: 16.7.-23.7.2017