Nach unserer doppelten Strecke nach Copacapana – sind übrigens etwa 4 Stunden – hatten wir ein schnelles Mittagessen. Zufälligerweise neben dem Lokal, wo wir den Sonnenuntergang ein paar Tage davor genossen haben. Und dann war es auch an der Zeit zu unserem Bus zu gehen, der uns nach Peru bringen sollte. Die Fahrt zur Grenze dauerte auch nur etwa zehn Minuten. Wir hatten übrigens einen zweiten Guide, Thomas, dabei, da es offensichtlich ein Problem ist an der bolivianischen Seite von einem peruanischen Guide begleitet zu werden. Daher brauchten wir einen bolivianischen Guide für die Begleitung. Viel gemacht hat er an sich nicht, er hat uns nur gesagt, wo wir uns anstellen sollten. Auf der bolivianischen Seite ging es auch recht flott. Danach mussten wir sicherlich 200 Meter zur peruanischen Immigration gehen, wo wir sehr lange gewartet haben. Aber ja, mit längeren Wartezeiten muss man in Südamerika immer rechnen 😉 Christian und ich freuten uns als Erste über den neuen Stempel im Pass. Als alle mit der Einreise fertig waren, verabschiedeten wir uns von unserem sehr jungen Guide Thomas und traten die restliche Reise nach Puno an. Es waren nach der Grenze noch etwa drei Stunden Busfahrt, die wir für ein Nickerchen nutzten.

Puno

In Puno angekommen bezogen wir erstmal unser Hotel, um uns danach für einen kurzen Orientierungs-Spaziergang mit der Gruppe zu treffen. Christian wollte einstweilen eine peruanische Daten-Sim-Karte organisieren, was leider kläglich gescheitert ist. Denn als Ausländer kann man sich nur bei gewissen Shops registrieren und dieser eine hatte aufgrund des Unabhängigkeitsags am Folgetag für drei Tage geschlossen. Am Ende hat Henry, unser Guide, eine Sim-Karte für Christian registriert 😉 Wir sind auch kläglich gescheitert bei der einzigen Bank, wo man keine Local Fee zahlt, Geld zu bekommen. Wir haben es mehrmals versucht, funktionierte leider nicht – wir mussten daher leider bei Banken mit wenig Maximum-Behebung mit viel Gebühren beheben. Das sollte sich auch in ganz Peru nicht ändern.

Danach hatten wir unser erstes gemeinsames Abendessen mit einem gratis Pisco Sour, Nationalgetränk Perus. Es wird gestritten, ob Pisco aus Peru oder Chile kommt 😉 Wir wissen es nicht, Pisco gibt es jedenfalls in beiden Ländern… Da wir für die nächste Nacht einen Homestay auf einer Halbinsel am Titicacasee hatten, mussten wir noch Gastgeschenke für unsere Familien organisieren. Üblicherweise sind das 1kg Reis, 1kg Zucker oder Öl – also Grundnahrungsmittel. Damit war der erste Abend in Puno auch schon vorbei, der nächste Tag sollte früh um 7:00 beginnen, um unseren lang ersehnten 1,5-Tages-Titicaca-Ausflug zu starten.

Früh morgens ging es mit witzigen “Peru-Taxis” (Fahrrad-Taxi mit Platz für zwei Personen) los Richtung Hafen, wo bereits unser Boot auf uns wartete. Der Weg zum Hafen war wunderbar und witzig – die Sonne kitzelte unsere Nasen, wir genossen die Fahrt. Bis auf den Verkehr, durch den wir durch mussten. Verrückt 🙂 Und schon ging es auch los auf dem wunderschönen dunkelblauen Titicaca-See – übrigens das höchstgelegene schiffbare Gewässer und der achtzehntgrößte See der Welt.

Besuch eines Floating Villages

Zuerst bekamen wir unserem Local Guide Guido einige Informationen zu unserer bevorstehenden Tour und einige Hard Facts zum See sowie zu den Floating Villages. Ein Floating Village besuchten wir nach etwa einer Stunde Bootsfahrt auch. Zuerst lernten wir aber noch ein paar wichtige Vokabel auf Aymara, damit wir uns auch ordentlich bei der Familie, dessen “Grundstück” wir uns ansehen sollten, präsentierten. Nach der Begrüßung des Familienoberhaupts erzählte uns Guido noch einige Facts zum Leben und wie so ein Floating Village aus den Wassergräsern gebaut wird. Währenddessen demonstrierte der Vater auch alles mit Miniatur-Figuren und Objekten. Das war überraschenderweise sehr witzig 🙂 Wir hatten dann noch die Möglichkeit mit einem selbstgebauten Boot, ebenfalls aus den Wassergräsern, eine Runde durch die Gräser zu fahren und eine Demonstration zur “Ernte” der Gräser zu erhalten. Das ist im Prinzip das, womit die Familie auch Geld verdient. Mit kleinen Bootsfahrten und Verkauf von Souveniren (einige davon selbst gemacht).

Taquile

Nach diesem interessanten Besuch ging es mit dem Boot weiter nach Taquile, einer Insel auf dem See, wo wir eine etwa 45-minütige Wanderung hinauf zum Hauptplatz der Insel gemacht haben. Eine Mitreisende hatte seit dem Morgen bereits starke Probleme mit der Höhe, sodass sie deutlich länger für die Strecke brauchte und statt dem Mittagessen auch einen kurzen Schlaf, damit sich der Körper erholen konnte.

Als wir am Hauptplatz angekommen sind, war ein großes Fest mitten im Gange – es war ja heute der Unabhängigkeitstag Perus 🙂 Das war ein tolles Erlebnis – alle waren in traditionellen Gewändern, tanzten, machten Musik – das alles vor dem Bürgermeister oder so. Es saßen einige ältere Herrschaften vor einem Gebäude, die quasi betanzt wurden. Vielleicht auch so etwas wie der “Ältesten-Rat” 😉 Nach dem Genuss dieses Schauspiels hatten wir unser Mittagessen weiter oben mit einem wunderschönen Blick über den See. Es gab auch ganz traditionell Quinoa-Suppe und “Trout”, also Forelle vom Titicaca-See. Voll vom leckeren Mittagessen ging es wieder hinunter zum Boot, das nur einige hundert Meter entfernt vom Hauptplatz im Hafen auf uns wartete. Die Spannung stieg bei allen, denn nun hieß es weiter zur Halbinsel Luquina Chico, wo wir bis zum nächsten Mittagessen bei einer einheimischen Familie leben werden.

Homestay Luquina Chico

Gleich nach der Ankunft mit dem Boot warteten schon ein paar Gastgeber auf uns und wir wurden recht rasch zugeteilt. Christian und ich wurden Romulo zugeteilt, einem 16-jährigen Burschen 🙂 Bevor es aber zu den Familien nach Hause ging, wurde mal am Fußballplatz der Schule Fußball gegen die Einheimischen gespielt. Es waren insgesamt drei oder vier g adventures Gruppen da und es wurde abwechselnd gespielt. Wir Mädels aus unserer Gruppe waren rein als “Cheerleader” da 😉 Aber auf der Höhe musste ich auch tatsächlich nicht auf Beton Fußball spielen probieren… Zumal ein paar Männer von den anderen Gruppen übermotiviert waren und ich mich nicht unbedingt verletzen wollte. Aber Christian versuchte für fünfzehn Minuten sein Glück, aber es war dann einfach auch zu anstrengend.

Das nächste Highlight kam direkt nach dem Fußballspiel. Wir traditionell tanzend in traditionellen Gewändern 🙂 Unsere Gastgeber kleideten uns mit großer Sorgfalt ein. Danach zeigten uns einige Einheimische den Tanz vor, den wir danach gleich durchführen sollten. Sah ja auch wirklich leicht aus… Aber war es gar nicht 😛 Alle zusammen tanzten dann in Reih und Glied den traditionellen Tanz nach, es war superwitzig und machte wirklich viel Spaß. Aber auf der Höhe war es auch echt mega anstrengend… Aber wir genossen dieses einmalige Erlebnis während des Sonnenuntergangs. Und danach ging es auch gemeinsam mit Romulo zum Haus der Familie. Wir waren schon ziemlich aufgeregt, wie die Familie sein wird und auch wie das Zimmer aussehen wird. Und schon kamen wir auch an – in einem normalen Zimmer mit einem Doppel- und einem Einzelbett und sogar mit privatem Bad. Wir waren sehr positiv überrascht. Wir hatten in Hotels teils schon schlimmere Zimmer 😉 Dann kam auch schon unsere Gastmama und half mir aus den traditionellen Gewändern raus. Wir hatten auch noch ein paar Minuten Zeit, um uns das Zimmer genauer anzusehen. Danach gab es nämlich auch schon Abendessen, zu dem uns Romulo ganz offiziell abholte 🙂

Die Familien leben dort meist vegetarisch, Fleisch gibt es nur zu besonderen Anlässen. Für Christian war das eine Herausforderung 😉 Aber das Essen war wirklich sehr gut und mehr als zu viel! Reichlich Quinoa-Suppe und als Hauptgang Reis mit einer Art vegetarischen Curry mit peruanischen Gewürzen, Kartoffeln und Gemüse. Es war sehr schmackhaft und einfach mega viel.

Gott sei Dank hatten wir ein paar Wochen zuvor unseren Spanisch-Kurs und konnten uns daher auch sehr basic mit unserer Familie unterhalten. Romulo konnte aber auch ein klein wenig Englisch, was das Ganze noch leichter machte.

Wir genossen danach noch den recht klaren Sternenhimmel inklusive der sichtbaren Milchstraße und machten auch mit Romulo gemeinsam Fotos und dann ging es auch schon ins Bett. Es war bereits ziemlich kalt und der Tag war echt lange!

Der nächste Tag begann mit einem tollen Frühstück bei der Familie mit selbst gebackenem Brot – von der Textur ähnlich wie Langos, aber wirklich super lecker. Wir genossen das ausgiebige Frühstück, bevor wir am Vormittag mehr vom Alltag der Familie miterleben durften. Als wir im Zimmer bereit machten, kam auch schon die kleine Schafherde. Unsere Gastmama deutete uns auch gleich, dass wir rauskommen sollten. In der Herde waren auch einige junge Lämmchen dabei, die voller Energie große Runden gelaufen sind und mega Spaß hatten. Wir haben einstweilen die großen Schafe angebunden, damit sie ohne Davonzulaufen fressen konnten. Wir schauten den Lämmchen beim Spielen zu, kuschelten auch zwei ganz junge während Romulo auf seiner Flöte spielte. Es war herrlich!

Als nächstes stand “Bohnen-Dreschen” am Programm. Die Familien haben keine Maschinen, mit denen sie die Bohnen aus den Hülsen raus bekommen. Daher machen sie große Haufen mit den Bohnen und dreschen mit einem großen Holzstock drauf, damit die Hülsen knacken und mit der Zeit auch die Bohnen raus fallen. Dabei haben wir auch ordentlich mitgeholfen, ziemlich anstrengend auf der Höhe. Beim nächsten Haufen geht es dann darum, die übrigen Bohnen, die noch in den Hülsen sind, raus zu pulen und auf den fertigen Bohnenhaufen. Das Prozedere ist also ziemlich langwierig und anstrengend bis die Familien ihre fertigen Bohnen für den Verzehr bereit haben.

Nach diesem eher anstrengenden Part nahm uns Romulo mit auf einen Spaziergang, damit wir einen schönen Ausblick über den Teil der Halbinsel und den See haben. Es war eine wirklich wunderschöne Aussicht und wir waren froh, da hinauf gewandert zu sein. Wir genossen den Ausblick während Romulo munter auf seiner Flöte weiter spielte. Ein magischer Moment! Dann pfiff er nach seinen beiden Hunden und die hörten auch tatsächlich seinen Pfiff und kamen herbei gelaufen, obwohl es sicherlich 1,5 km Entfernung war. So toll! Da es bald mittags war, spazierten wir wieder zurück, um vor dem Mittagessen noch ein paar Runden Karten zu spielen. Wir haben mit Romulo auf einer Picknick-Decke nahe den Schafen “Lügen” gespielt. Das war sooo witzig!

Ja, und dann gab’s auch schon Mittagessen – viel zu viel! Wieder eine Suppe und danach ungefähr fünf unterschiedliche Arten Kartoffel, Käse und Mais. Es war unglaublich lecker, aber viel zu viel. Wir mussten leider einiges übrig lassen, da die Kartoffel-Menge einfach viel zu groß war. Und dann war es auch schon Zeit für den Abschied, damit wir rechtzeitig beim Boot ankommen. Nach einem “Familien-Foto” begleitete uns Romulo zum Boot und wir verabschiedeten uns, auch von unserem Guide Guido.

Wieder in Puno

Nach zwei Stunden Fahrt legten wir in Puno an und bezogen wieder das gleiche Hotel. Die großen Rucksäcke waren auch in den richtigen Zimmern bereits verfügbar. Nach einer schnellen Dusche trafen wir uns, um die Stadt Puno noch etwas mehr zu erkunden. Ein paar Mädels haben wir an die Souvenir-Läden am Weg “verloren”. Wir schauten uns noch zu viert den Hauptplatz mit der Kathedrale an und wanderten ein bisschen hinauf, um bei einer Statue einen schönen Blick über Puno und den See zu haben. Von dort spazierten wir noch eine größere Runde durch die Stadt und kauften ein paar Snacks für die Busfahrt am nächsten Tag.

Für den Abend hat Henry einen Tisch in einem Restaurant reserviert, wo traditionelle peruanische Tänze während des Essens gezeigt werden. Da habe ich auch zum ersten Mal Alpaca gegessen, ein sehr gesundes und wirklich gutes Fleisch. Die Tänze waren nahezu ident zu denen, die wir in Bolivien gesehen haben. Aber trotzdem sehr spannend zum Zusehen. Der Abend dauerte wieder einmal nicht sehr lange, denn am nächsten Tag hieß es wieder “Rein in den Bus und ab nach Cusco” – insgesamt 9 Stunden.

Puno & Titicaca-See: 27.7.-30.7.2017