Mit der bequemen Buslinie Cruz del Sur ging es über Nacht von Cusco nach Arequipa, wo wir sehr früh ankamen. Das Busunternehmen ist tatsächlich sehr zu empfehlen – die Tickets sind wohl eine Spur teurer als bei anderen, allerdings sind sie super bequem, man bekommt sogar Essen und  hat einen Fernseher. Also für lange Busfahrten, die ja in Südamerika Standard sind, ist das eine Top-Wahl. Gegen 7:00 erreichten wir unser Hotel, sodass wir die Zimmer noch nicht beziehen konnten, aber zumindest konnten wir uns kurz frisch machen.

Arequipa

Nach unserem kurzen Fresh-up hatten wir einen Orientierungs-Spaziergang mit Henry, um danach ein Lokal für Frühstück zu suchen. Henry empfahl uns “La Lucha”, angeblich das beste Sandwich in Peru. Da wir bereits “ausgehungert” waren, war das doch genau das Richtige für ein paar von uns. Und das Sandwich war quasi perfekt, Henry hatte also recht – perfekt im Geschmack, perfekt kombiniert und tolles, frisch gebackenes Sandwich-Brot.

Den restlichen Tag hatten wir zur freien Verfügung und beschlossen alle eine “Free walking tour” zu machen. Wir wollten gleich am Vormittag bei einer teilnehmen, gab allerdings laut Auskunft bei der Touristeninfo nur eine von nicht lizenzierten Tour-Anbietern. Na kann ja nicht so schlimm werden, dachten wir uns. Oh doch! Der Guide erzählte irgendetwas über irgendetwas… Dass Peru das beste Land wäre und alle anderen südamerikanischen schlecht, “Fashion is a bitch”, Menschen aus der Karibik seien Kannibalen… Mit Arequipa hatte es nichts zu tun, daher sind wir nach knapp einer Stunde einfach alle am Weg links statt rechts abgebogen 😉 Danach trennten wir uns in zwei Gruppen aufgrund unterschiedlicher Nachmittags-Pläne. Und so sind wir mit Mark, Faye und Mikey gemeinsam unterwegs gewesen. Zuerst sollte mal ein Kaffee her und da haben wir uns doch glatt eines der schlechtesten Lokale dafür ausgesucht. Unfassbar schlechter Service, ewig lange Wartezeit und statt Cappuccino gab es nur “American coffee”… Und für diesen brauchten sie etwa 20 Minuten. Wie man das schafft, keine Ahnung. Faye und Mikey haben einen Erdbeersaft bestellt, der sah auch gut aus – war allerdings heiß. War also somit eine Erdbeersuppe statt eines Safts 😀 Na was soll man machen? Wir haben es trotzdem getrunken und auch überlebt 😉

Unser Plan war nachmittags das “Museo Santuarios Andinos” zu besuchen, welche einen der wichtigsten archäologischen Funde Südamerikas der letzten Jahrzehnte beherbergt. Die 1995 von Archäologen Johan Reinhard am Gipfel des Ampato Vulkans gefundene Mumie einer jungen Inkafrau. Man gab ihr den Namen Juanita. In diesem Museum konnten wir die recht gut erhaltene Mumie inklusive ihrer Kleidung in einer gläsernen Vitrine tiefgekühlt bestaunen. Zudem sind auch Kleidungsstücke und Beigaben aus anderen Gräbern der präkolumbischen Zeit hier ausgestellt, wo man zuerst mit einem Guide durch geführt wird. Natürlich gegen Trinkgeld am Ende, denn wir haben ja noch keine 20 PEN Eintritt bezahlt… War jedenfalls ganz interessant und auch spooky, denn Juanita war eine Opfergabe – also keine schöne Geschichte.

Nach diesem kulturellen Teil sind wir für eine Dusche und ein Nickerchen ins Hotel – der Schlaf im Bus ist halt doch nicht der beste. Um 17:00 haben wir uns dann alle getroffen, um in einer Rooftop-Bar den Sundowner zu genießen. Vor uns lag der Hauptplatz Arequipas und dieser herrlich kitschige Sonnenuntergang, dazu ein paar Bier. Herrlich war das! Danach gingen wir gemeinsam in ein von Christian ausgesuchtes Hipster-Pasta-Lokal Pasta Canteen, das hervorragende Küche hatte. Gut gefüllt ging es danach nur noch ab ins Hotel, wir waren doch recht müde und am nächsten Tag ging es ja wieder weiter.

 

Chivay | Valle de Colca

Mit einem privaten Minibus und einem Local Guide ging es recht früh los Richtung Chivay im Colca Valley. Durch eine wunderschöne Landschaft, wo wir unter anderem auch wild lebende Vicuñas sehen konnten. Auch ein Fotostop bei Llamas und Alpacas war dabei, wo wir wunderbar Selfies bzw. Fotos machen konnten. Wir mussten nur aufpassen, dass wir ihnen nicht zu nah kommen, manche beißen auch mal ganz gerne. Danach ging es durch bergige Landschaften, um wie geplant in Chivay anzukommen, einem Dorf im Valle de Colca oder auch der Colca Schlucht. Zuerst wurden wir in ein Buffet Restaurant gebracht, wo aber nicht alle gegessen haben. Wir haben uns bereits in der Früh bei “La Lucha” ein Sandwich für mittags geholt, da das einfach zu gut war. Nach der Stärkung hatten wir noch ein bisschen Pause bis wir zu den natürlich vorkommenden heißen Quellen gefahren sind. Wir verweilten recht lange im 40°C heißen Wasser, das mit der Zeit zu heiß wurde, wir aber trotzdem sehr genossen. Aber definitiv gesund, vor allem nach den Treks und vielen Rundgängen war das eine Wohltat und eine verdiente Entspannung für uns alle.

Vom Thermalbad aus konnten wir auch einige Ziplines bewundern und manche fanden auch Gefallen an der Idee, das zu machen. Sie informierten sich nach dem Bad bei unserem Guide und der checkte für den nächsten Tag alles aus. Entspannt und müde vom heißen Wasser fielen wir alle nach einem kleinen Abendessen ins Bett. Das Hotel und die Zimmer waren auch wirklich schön, allerdings würden wir für die gesamte Dauer unseres Aufenthalts kein heißes/warmes Wasser haben. Es war einfach nur eiskalt und erforderte ziemlich viel Atemluft, um zu duschen. Immerhin hatte es nachts und in der Früh wohl nur um die 0°C.  

Für den nächsten Tag war eine Tour durch das Colca Valley zur Schlucht und zum Kreuz der Kondore geplant. Wir starteten mit einem kleinen Spaziergang am oberen Rand der Schlucht und spürten die unglaubliche Kraft der Natur. Es war ein sehr beeindruckender und weiter Blick. Je nachdem ob man vom höchsten Berggipfel nahe der Schlucht aus bis zum Río Colca misst oder vom Rand der Schlucht ist diese 3.269 m bzw. 1.200 m tief und damit ist der Cañón del Colca der zweittiefste Canyon der Welt. Als nächstes fuhren wir zum Kreuz der Kondore, alle waren schon aufgeregt, denn die wohl größten Vögel der Welt sieht man auch nicht alle Tage. Das Kreuz der Kondore ist am besten vormittags zu besuchen, denn da dürfte das Klima, der Wind und alle Rahmenbedingungen für die Kondore perfekt sein. Sie gleiten in den Lüften ohne mit den mega Flügeln zu schlagen. Ihre Flügel-Spannweite beträgt etwa 320 cm und die Andenkondore werden somit auch als König der Lüfte bezeichnet. Wir waren über eine Stunde dort und es war ein tolles Schauspiel. Teils waren gleich fünf oder mehr Kondore unterwegs und wir konnten unseren Augen nicht trauen, wie groß die waren. Von unterschiedlichen Plätzen haben wir die majestätischen Tiere bestaunt und den grandiosen Ausblick genossen. Wir hätten dort ewig sitzen können, es war einfach beeindruckend. Aber es ging weiter, nach ein paar grandiosen Aussichtspunkten über das ganze Colca Valley konnten wir noch in dem kleinen Dorf Pinchollo spazieren – die hiesige Kirche oder das bunte Treiben auf dem Markt bewundern und natürlich Llamas halten oder streicheln. Und dann ging es auch schon zurück nach Chivay, sodass wir bereits vor 12:00 wieder im Hotel waren. Aus unserer Sicht wäre es logischer gewesen, dann wieder nach Arequipa zu fahren, denn in Chivay kann man einfach nichts machen – außer ins Thermalbad zu gehen. Das haben wir mit Faye und Mikey an diesem Nachmittag auch nochmals gemacht. Eleanor, Katie und Elie waren einstweilen Ziplinen, das der Guide für sie organisiert hat. Praktischerweise konnten wir sie an den Ziplines, die nahe dem Bad sind, auch bewundern. Mark war bereits seit dem Kreuz der Kondore leider krank und hütete das Bett. Nach dem erneut entspannenden Bad versorgten wir Mark, der im Zimmer nebean war und nachmittags auch Fieber bekam. Nach dem Abendessen in der “Casa de la Anita” (ja, Mama, das haben wir nur wegen des Namens ausgesucht und es war auch wirklich gut im Vergleich zu den restlichen Restaurants dort) schauten wir noch die neuen Folgen “Games of Thrones” mit Faye und Mikey, damit die beiden auch wieder am neuesten Stand sind. Nach einer Nicht-Dusche in der Früh, weil es einfach eiskalt war, ging es wieder zurück nach Arequipa ins Hotel. Allerdings nur um das Gepäck zu lagern, denn abends ging es mit dem Nachtbus weiter. Christian und ich kümmerten uns nachmittags um den Blog und telefonierten mit Zuhause, sodass wir sonst nicht mehr viel von Arequipa gesehen haben. Die anderen haben sich noch die “Monastery” angesehen, im Prinzip eine eigene kleine Stadt in der Stadt.

Nachmittags gab es auch kleinere Erdbeben-Aktivitäten, von denen ich nichts mitbekommen habe. Leider hatte das aber am Ende Auswirkungen auf unsere bevorstehende Nachtbus-Fahrt. Denn einige Wochen zuvor gab es einen Erdrutsch auf der Straße zwischen Arequipa und Nazca, wodurch diese ein paar Tage auch gesperrt war. Da die Stelle nach wie vor nicht zu 100% gesichert war, wurde sicherheitshalber ein Teilstück der Straße in dieser Nacht gesperrt, falls aufgrund des Erdbebens wieder ein Erdrutsch oder ähnliches erfolgen würde. Also sind wir mit dem Bus ab etwa 2:00 gestanden und mussten bis 6:00 warten bis wieder geöffnet wurde. Allerdings verloren wir danach nochmals zwei Stunden aufgrund der eigenartigen Verkehrsregelung, da nur eine Spur befahrbar war. Letzten Endes sind wir statt um 8:00 um 14:00 extrem hungrig in Nazca angekommen…

 

Arequipa & Chivay: 7.8.-11.8.2017