Wie gesagt… Wir kamen leider sechs Stunden verspätet in Nazca an, was leider auf unsere geplanten Aktivitäten auch Auswirkungen hatte. Einerseits aufgrund der Verspätung, aber auch andererseits aufgrund eines Sandsturms, durch den wir bereits mit dem Bus durchgefahren sind. War übrigens spektakulär anzusehen!

Nazca

Nach unserer Ankunft im Hotel, das etwas außerhalb von Nazca lag, war zuerst einmal für alle eine Dusche fällig – zum Einen wegen der Busfahrt und zum Anderen hatten die meisten ja nur eiskalte Duschen in Chivay und somit auf die Dusche verzichtet. Henry hat sogar extra angerufen, dass sie das Warmwasser aufdrehen sollten. War natürlich einmal wieder nicht so – ich habe kalt geduscht. War aber in Nazca nicht so schlimm, da hatte es das erste Mal seit langem warme Temperaturen, sodass sogar die kurze Hose möglich war.

Ein Teil der Gruppe wollte sich mit einer Sandbuggy-Tour die Nazca Structure ansehen, also 2000 Jahre alte erhaltene Gebäude und Ruinen der alten Kultur. Nach längerer Wartezeit war es dann leider für uns nicht möglich, diese Tour zu machen. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass der Sandbuggy von dem Anbieter beim Rückweg einer Tour liegen geblieben ist – im Sandsturm. Nungut, das war’s dann mit der Nazca Kultur, wir waren leider nur diesen Tag dort. Wirklich schade, wir waren wirklich sehr daran interessiert! Katie hingegen wollte als Einzige den Nazca Flug über die Nazca Lines machen, wurde jedoch leider auch wegen des Sandsturms abgesagt. Naja, die Stimmung war jedenfalls am Tiefpunkt – alle waren genervt. Deshalb sind wir dann in die Stadt gefahren, um uns mit Bier einzudecken, damit wir “Frust-Saufen” können – hat auch geholfen 😛

Abends gab es traditionelles peruanisches “Pachamanca” im Hotel. “Pachamama” steht für Mutter Erde und deshalb wird dieses Essen, das ja so ähnlich heißt, komplett für mehrere Stunden in einem Erdofen gekocht. Bevor es ausgegraben wird, muss ein Ritual zu Ehren Mutter Erde abgehalten werden – das haben in diesem Fall wir gemacht. Eine Person muss “Mutter Erde” und eine “Gottvater” darstellen, spezielle dankende Worte sprechen, ein Schluck von einem speziellen Getränk nehmen, um es dann auf den den Boden zu gießen. Danach nimmt jeder Anwesende eine Schaufel Erde weg, bevor alles zur Gänze vom Koch ausgegraben wird. Dann kamen auch schon die wichtigsten Elemente zum Vorschein: Unterschiedliche Fleischsorten (Huhn, Rind, Schwein, Lamm), Kartoffeln und weitere Wurzelgemüse (Süßkartoffel, Yuca, Oca) sowie Bohnen, alles in Maisblätter eingewickelt. Das war jedenfalls ein sehr “erdender” und dankbarer Moment – aufgrund des Rituals war das Bewusstsein und die Dankbarkeit für das, was wir haben, sehr präsent. Zudem waren schon alle sehr hungrig und schlugen alle voll zu. Weiters darf bei diesem Essen nichts am Teller bleiben, da es undankbar wäre. Daher ist auch das ein bewussterer Moment als sonst. Summa summarum fand ich das Ritual und das ganze Drumherum wirklich beeindruckend, das Essen selbst war etwas gewöhnungsbedürftig, aber in Ordnung.

Nach dem ausgiebigen Abendessen saßen wir noch alle beisammen, um unsere Unmengen an Bier zu vernichten. Das gelang nicht wirklich, aber zumindest war die Stimmung wieder besser und wir konnten auch wieder lachen.

Am nächsten Morgen hatten wir Selbstversorger-Frühstück, das wir am Tag zuvor in der Stadt besorgt haben. Um 9:00 sollte die Abfahrt sein – heute standen die Nazca Lines, Huacachina, eine Pisco-Verkostung sowie Paracas am Programm.

Henry verspätete sich etwas, sodass wir auch erst um 9:30 los fuhren. Aber die Spannung stieg – immerhin sollten wir in Kürze Nazca Linien sehen. 1500-2000 Jahre alte Linien im Boden. Wir waren insgesamt bei drei Aussichtspunkten: Beim ersten sahen wir mehr oder weniger nur Linien, keine Symbole oder dergleichen. Aber die Größe dieser Linien war unglaublich beeindruckend. Entstanden sind die Linien/Bilder durch Entfernung der oberen Gesteinsschicht, die von rotem Wüstenlack überzogen ist. Dadurch kommt das hellere darunter liegende Gemisch zum Vorschein und bildet die gelblichen Linien. Die intensiven Forschungen ergaben, dass die Scharrbilder vorrangig aus Fruchtbarkeitszwecken entstanden sind. Daher sind auch Tiere, die nicht in Nazca, aber im Amazonas zu finden sind, abgebildet. Es wird vermutet, dass die Zeichner/Bewohner damit den Regen in die Nazca-Wüste “beschwören” wollten.

Wir haben jedenfalls einen Baum, einen Frosch (oder was auch immer man darin sieht) sowie in der Palpa-Region witzige Figuren gesehen – siehe Fotos. Die klassischen Scharrbilder eines Affen, einer Spinne und eines Kondors sieht man nur aus dem Flugzeug. Das Areal ist auch wirklich riesig, die Linien sind bis zu 20km lang…

Huacachina

Nach diesen beeindruckenden Aussichtspunkten ging es zwei Stunden weiter nach Huacachina, einer Oase inmitten von Sanddünen. Eine witzige Aktivität stand am Programm: Sandbuggy & Sandboarding. Zuerst ging es mal zu einem Hotel, der auch der Touranbieter für uns war, wo wir vorab unser Mittagessen bestellten. Und dann ging’s auch schon los mit dem Sandbuggy – so ganz genau wusste niemand, was da noch auf uns zukommen wird. Nach kurzer Zeit ging es schon in die Dünen – mit einem sehr lauten, klackernden Geräusch rauschten wir über die Dünen. Und dann kamen auch schon mal sehr hohe, steile Dünen, über die wir mit vollem Karacho rauf und runter sind. Ich hab mir die Seele aus dem Leib geschrien. Das war wie in der Achterbahn – davon bin ich bekanntlich ja gar kein Fan. Trotz allem war es mega witzig, aber sehr nervenaufreibend. Zwischendurch machten wir zwei Stopps für Sandboarding – für die längeren Strecken legten wir uns mit dem Bauch auf’s Board und für kurze konnten wir ähnlich wie beim Snowboard hinunter. Allerdings waren die Boards eher etwas provisorisch würde ich sagen. Am Ende der Tour fährt man Richtung Huacachina und sieht erst dann, wie beeindruckend der Ort als Oase mitten in den Dünen eingebettet ist. Es war jedenfalls unglaublich witzig!

Die Hitze war unerwartet hoch und der Hunger groß – also ging es zurück zum Hotel, wo es einen Pool gab, den wir auch benutzen durften. Leider zu kurz, dann war auch schon das Mittagessen da und mussten danach auch zügig weiter. Denn als nächstes stand noch eine Pisco Verkostung am Programm, ausnahmsweise hatten wir einen sehr dichten Tag. In dem Hotel wären alle noch gerne geblieben – hätte man gut gegen die zweite Nacht in Chivay (Colca) tauschen können 😉

Nicht weit entfernt in Ica ging es zum Weingut “El Catador”, wo wir eine Führung machten, um die Entstehung von Pisco, dem Nationalgetränk Perus, kennen zu lernen. Die Herstellung ist dem von Wein sehr ähnlich, war aber sehr interessant. Am Ende gab es noch eine Verkostung, die es in sich hatte. Viel zu viele und viel zu volle Gläser – mit einem Schwips ging es für alle wieder in den Bus, um danach während des Sonnenuntergangs nach Paracas zu fahren.

Paracas

Die Paracas-Halbinsel bilden gemeinsam mit den Islas Ballestas ein Nationalreservat. Der Ort Paracas selbst ist nicht spannend, aber die nicht weit entfernten Ballestas Inseln (liebevoll auch Mini-Galapagos genannt) mit einer reichen Tier- und Vogelwelt. Die Inseln haben wir uns natürlich am nächsten Vormittag auch mit einer Bootstour angesehen. Nicht weit weg vom Hafen gibt es bereits kleine Inselchen, die von Pelikanen dicht bevölkert sind. Dann geht es vorbei an der “Candelabro de Paracas”, einer den Nazca Linien ähnlichen Felszeichnung eines Kerzenleuchters. Es wird vermutet, dass diese Zeichnung als Orientierungspunkt für Seefahrer erstellt wurde. Danach ging es auch wirklich zu den Ballestas-Inseln, am Weg begleiteten uns viele Tiere – Delfine, Robben, diverse Vögel und Pelikane. Bei den Islas Ballestas fährt man nur mit dem Boot durch, da es sich vorrangig um große Felsformationen handelt, die das Zuhause unterschiedlichster Tiere sind. Vor allem gibt es hier eine Unmenge an Vögeln, das haben wir sonst noch nirgends gesehen. Neben den Vögeln haben wir gaaanz viele Robben gesehen, aber auch kleine Pinguine, die sich inmitten der Vögel in den Felsen versteckten. Aber wir haben sie gesehen – echt so süß! Es war jedenfalls ein toller Ausflug, so viele Robben habe ich selten teils sehr nah bewundern dürfen.

Nach einem schnellen Mittagessen ging es wieder zurück ins Hotel, um in unseren Minubus zu steigen, der uns zum Bus-Terminal bringen sollte. Denn die letzte Busfahrt für unsere guided tour stand am Plan – in die Hauptstadt Lima. Wir hatten dieses Mal den super luxuriösen Bus, allerdings für nur eine kurze Fahrt von fünf Stunden. Aber ich habe wirklich gut geschlafen 😉

Lima

Es war auch der letzte gemeinsame Abend für alle, denn einige reisten bereits während der Nacht ab. Also gingen wir alle zur Barranco Beer Company essen und genossen den letzten Abend. Danach wollten wir noch etwas trinken gehen, was sich etwas schwieriger als gedacht herausstellte. Letzten Endes haben wir dann eine nette Bar gefunden, wo wir noch einmal ein paar Highlights Revue passieren haben lassen. Wir verabschiedeten uns hier von Elie, die Arme musste bereits um 3:00 für ihren Flug aufstehen. Für die Verabschiedung von Mark sind wir beide und Faye und Mikey extra um 7:00 aufgestanden 🙂 Faye und Mikey wechselten in Lima noch in ein anderes Hotel – wir waren uns sicher, uns nochmals zu treffen. Aufgrund der größeren Distanz haben wir das leider am Ende nicht mehr geschafft. Aber eine Schottland-Österreich-Reunion ist fix geplant 🙂

Am nächsten Vormittag waren wir mit Emma, Ashley und Eleanor noch auf einem Artesanal Markt, der allerdings mehr oder weniger identisch zu allen anderen Märkten war. Nach der freudigen Entdeckung von “La Lucha” Sandwich (siehe Arequipa) in Lima mussten wir natürlich dort auch Mittagessen. Wir verabschiedeten uns dort von Emma, die nachmittags nach ihrer 8-monatigen Weltreise wieder nach Hause flog. Christian und ich wollten uns noch die Altstadt von Lima ansehen, was wir somit auch taten. Aufgrund des nach wie vor währenden Lehrerstreiks waren hier viele Blöcke für den Autoverkehr gesperrt, wir konnten aber passieren. Am “Plaza de Armas”, meist der wichtigste Platz in den Städten Perus, war leider zur Gänze gesperrt. Niemand durfte hinein – also schon welche, aber irgendwo anders. Wir konnten nicht ausmachen, wo wir hin hätten müssen, damit wir den Präsidenten-Palast und die Kathedrale näher hätten sehen können. Aber so hatten wir wenigstens kaum Menschen auf dem Foto 😉 Lima ist im Gegensatz zum restlichen Peru überraschend modern – ich war wirklich überrascht! Ich habe eher mit so einer Art La Paz gerechnet, das deutlich schmutziger und rustikaler ist. Nach diesem Ausflug schlenderten wir wieder retour Richtung der “Metropolitana”, einem Schnell-Bus-System, um ins Hotel zu kommen. Da trafen wir auch auf den letzten Rest der Gruppe Katie, Eleanor und Ashley, mit denen wir dann auch zum letzten Mal Abendessen gingen. Denn in der Früh um 6:30 holte uns unser Flughafen-Taxi ab, es ging es weiter nach Quito, Ecuador.

Nazca, Paracas & Lima: 12.8.-16.8.2017