Endlich ging es los… Die Vorfreude auf Galapagos war enorm, denn wann wird man schon so viele einzigartige Tiere auf einem Fleck in freier Wildbahn erleben. Und so ging es um Sage und Schreibe 3:15 zum Flughafen in Quito, wir hatten den ersten Flug nach Galapagos via Guayaquil, wo es immer einen Tankstop gibt. Interessanterweise muss man sich  dabei sogar unbedingt abschnallen und elektronische Geräte sind zu 100% verboten. Könnte ja beim Tanken was schief gehen 😉
Side-Info: Wir haben uns übrigens für eine Camping-Tour auf den Inseln und gegen eine Marine-Tour am Wasser entschieden. Die Einheimischen freuen sich, wenn sie so auch etwas über den Tourismus ab bekommen, das geht über die Boote weit schwieriger. Natürlich ist man dadurch etwas eingeschränkter bzw. langsamer, aber wir haben alles sehr genossen und würden die Tour sofort wieder machen!

Santa Cruz

Nach einem Desinfektionsbad für die Schuhe wurde das Gepäck gründlich untersucht – klarerweise ist es enorm wichtig, dass kein Saatgut, Tiere oder Ungeziefer eingeschleppt werden. Schnell noch 100 USD Nationalpark-Gebühr zahlen, den erhofften Galapagos-Stempel im Reisepass NICHT bekommen und schon ging es hinaus, um das erste Mal bewusst Galapagos Luft zu schnuppern und unseren zertifizierten Nature Guide Edwin zu treffen. Da Louis seinen Pullover im Flugzeug vergessen hatte, warteten wir noch etwas, bis wir wirklich los konnten. Wir landeten am Flughafen Baltra, sodass es ein nicht allzu weiter Weg zur Insel Santa Cruz war. Etwa zehn Minuten mit dem Bus, drei Minuten Boot und wieder Bus zu unserem ersten Camp. Alles war bereits vorbereitet, die Zelte, sogar mit dicken Matratzen und Decken 🙂 Ich war angenehm überrascht, wie komfortabel die Zelte her gerichtet waren. Wir packten dann mal unseren Daypack, um am Nachmittag alles Wichtige dabei zu haben und dann wurde auch schon das Mittagessen serviert. Kurz vorm Mittagessen kamen übrigens noch drei Gruppenmitglieder dazu, die aufgrund ihrer Reiseroute selbst nach Galapagos angereist sind – somit waren wir am Ende 16 Personen. Das Essen war herrlich – Mozzarella mit Tomaten, Reis mit Tunfischfilets und ein super guter Kuchen. Die Stärkung war bereits enorm wichtig, das frühe Aufstehen macht sehr hungrig. Und es sollte auch nicht mehr lange dauern bis wir die ersten Riesen-Tortoises sehen werden. Alle waren schon ganz aufgeregt.

Rein in den Bus und nicht einmal fünf Minuten später sahen wir die erste Landschildkröte live am Straßenrand. Alle waren komplett aus dem Häuschen – die erste zu sehen, war auch etwas ganz Besonderes. Unglaublich wie groß und mächtig die sind 🙂 Der erste Stopp war ein Krater der durch den Einsturz der darunterliegenden Magmakammer entstanden und inzwischen komplett grün zugewachsen ist – wirklich sehr schön! Als nächstes ging es zu einem Aussichtspunkt, wo man einen schönen Ausblick über die Insel haben soll… Habe ich schon erwähnt, dass die Camping-Plätze immer im Hochland waren und es dort quasi immer regnet und/oder neblig ist? Wir haben also nicht wirklich viel beim Ausblick gesehen. Dichtes Programm, es ging auch schon weiter zur „Rancho Primicias“, einem Reservat wo die Schildkröten durch laufen und man sie deshalb auch gut beobachten kann. Und da waren sie auch, ganz viele, teilweise riesig groß. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Üblicherweise fressen sie einfach vor sich hin, sind wohl auch daran gewöhnt, dass da immer ein paar doofe Menschen herumstehen und sie begaffen. Wichtig ist, dass man nicht näher als zwei Meter kommt, damit man sie nicht direkt stört und sie auch nicht domestiziert werden. Manche haben sich aber in ihrem Panzer versteckt, da ihnen das wohl doch zu viel war und manche chillten gerade im (stinkenden) Schlamm. Edwin erzählte uns wahnsinnig viel über ihr Verhalten und ihre natürlichen Gewohnheiten. Alle hörten ganz gespannt zu, zumal Edwin auch ein unglaublich exzellenter Guide mit sehr viel Wissen und Witz ist. Wir spazierten sicherlich zwei Stunden auf dem Areal herum und bewunderten, bestaunten und fotografierten die Tortoises und einige Vögel, darunter auch einen „yellow warbler“ (Gold-Waldsänger), der uns einige Zeit lang folgte. Nach diesem Spektakel ging es nicht unweit des Platzes zu einem Lava-Tunnel, der bei einem Vulkanausbruch vor langer Zeit entstanden ist. Wir sind ein bisschen hinein spaziert, war aber nicht sehr spektakulär im Vergleich zu dem kilometerlangen Abenteuer in Island. Gut sichtbar ist das „Rosten“ der Steine, die teils sehr braun sind – aufgrund der feuchten Luft und des Eisengehaltes. Das war’s dann eigentlich auch schon für diesen Tag. Natürlich gab es noch leckeres Abendessen und ein Lagerfeuer im Camp.

Charles Darwin Research Station

Gut erholt von der ersten Zeltnacht stärkten wir uns bei einem sehr guten Frühstück, um danach mit dem Minibus nach Puerto Ayora in die Charles Darwin Forschungsstation zu fahren. Edwin führte uns durch und erklärte uns alle wichtigen Informationstafeln im Detail. Nach der ganzen Theorie über Galapagos, die einheimischen Tiere, die eingeschleppten Tiere und die bis dato statt gefundenen tierischen Bedrohungen war es wieder an der Zeit Tortoises zu bestaunen – von miniklein bis ganz groß. Auch Baby-Schildkröten kann man bestaunen, die wirklich zuckersüß winzig sind – im Vergleich dazu wie groß sie einmal werden. Neben der intensiven Forschung vor Ort werden die Schildkröten dort auch gezüchtet, damit die Population weiter stabil bleibt. Wenn sie groß genug sind, werden sie auf die für sie richtigen Inseln wild ausgesetzt. Es gibt nämlich unterschiedliche Arten, die auch auf den unterschiedlichen Inseln leben. Wenn zwei Arten gekreuzt werden, entstehen Hybride, die allerdings unfruchtbar sind. Daher ist es enorm wichtig, dass sich immer die Schildkröten der gleichen Art weiter vermehren, um nicht auszusterben. Im Gegensatz zu „Lonesome George“, einer Pinta-Schildkröte, die 1971 auf der Insel Pinta als letzter seiner Art entdeckt wurde. Unzählige Versuche verhalfen zu keiner weiteren Vermehrung seiner Art. George starb 2012 hundertjährig und wird in der Forschungsstation einbalsamiert ausgestellt, sodass man die ausgestorbene Art bewundern kann. Am Ende unserer Tour durch die Station sahen wir noch den neuen „Star“ Diego. Er ist bekannt dafür unermüdlich Frauen beglücken zu wollen und wurde daher berühmt. Er hat auch stets ein „Harem“ von mehreren Damen in seinem Gehege, die ihm allerdings nicht immer sehr zugetan sind. Neben den vielen unterschiedlich großen Tortoises sahen auch wir auch viele Lava Lizards (die mit dem roten Hals sind die Weibchen), ein schönes Fotomotiv und Christian hielt nur noch Ausschau nach ihnen. Nach unserer ausgiebigen Tour durch die Forschungsstation hatten wir dann noch etwa zwei Stunden Zeit, um entweder weiter die Station zu erkunden, zu shoppen oder Puerto Ayora anzusehen. Wir spazierten durch Puerto Ayora und sahen viele Tiere, die einfach am Gehsteig, am Strand oder sich am Fischmarkt tummelten – Marine-Iguanas, Krabben, Seelöwen und Pelikane. Wir waren natürlich total begeistert, dass es wirklich so einfach ist, Tiere zu sehen – noch dazu meine Lieblingstiere Seelöwen… Die sind einfach so süß!

Um 12:00 traf sich die Gruppe beim Port wieder, um zu entscheiden, wo wir Mittagessen. Letzten Endes haben wir uns aufgeteilt, da der Gusto unterschiedlich war. Uns wurde von zwei Mädels aus der Gruppe das „Galapagos Deli“ empfohlen, das sie selbst bereits getestet hatten. Wir bestellten „Fish & Chips“, die außerordentlich gut waren. Christian und ich haben uns Gott sei Dank eine große Portion geteilt, die war echt riesig – aber auch teuer.

Floreana

Nach dem ausgiebigen und hervorragenden Essen ging es wieder retour zum Hafen, wo wir mit einem Wassertaxi zu unserem Speedboat gebracht wurden. Ich war etwas angespannt, man weiß ja nie, wie die See so ist – ich hoffte mal, dass die Tabletten gegen Reisekrankheit auch gut helfen würden – taten sie auch. Die Fahrte dauerte etwa zwei Stunden, um dann auf der kleinen Insel Floreana anzulegen. Es erwarteten uns bereits Seelöwen und Iguanas im Ankunftbereich 🙂 Aber zuerst mussten die Siegel von der Gepäck-Inspektion auf Santa Cruz einmal gekappt werden und natürlich gab es auch das obligatorische Schuhe-Desinfektionsbad. Das ist einfach ein Teppich mit Desinfektionsmittel getränkt, über den man drüber geht und so die Schuhe säubert. Da die vielen Inseln unterschiedliche Flora und Fauna haben, beginnt und endet auch das Hin- und Herreisen zwischen den Inseln immer mit dem Standard-Prozedere der Inspektion und Desinfektion.

Nachdem die ersten Fotos gemacht wurden und unser Gepäck auf dem Chiva (das traditionelle Transportmittel auf Galapagos) verladen wurde, wurde uns das Übernachtungssystem auf Floreana erklärt. Von der Planeterra Foundation (G Adventures) wurde initiiert, dass die 150 Einheimischen auch vom Tourismus leben sollen können. So haben alle oder viele Einheimische ein angebundenes Gästehaus und ein Restaurant. Sie wurden bzw. werden noch immer ausgebildet, um Tourismus zu managen (Sprache, Unterkunft, Ausstattung, Essen etc.). Und so wurden die 16 Gruppenmitglieder in unterschiedlichen Gästehäusern untergebracht, damit auch zeitgleich mehrere Inselbewohner etwas vom Kuchen haben können. Wir finden, das ist ein tolles System, um den nachhaltigen und lokalen Tourismus zu stärken. Wir waren in einem schönen riesigen Zimmer mit einem riesigen Bett und Privatzimmer untergebracht. Alles top! Für die inkludierten Mahlzeiten waren wir auch jedes Mal in einem anderen Restaurant, sodass auch hier mehrere Personen einen Vorteil haben. Das Essen war übrigens durchgehend überall sehr lecker!

Nach dem Bezug der Zimmer trafen wir uns alle wieder bei der Unterkunft von Edwin, um den schwarzen Strand und den baldigen Sonnenuntergang zu genießen. Eine herrlich entspannende Aktivität 🙂 Nicht alle waren im Meer baden – es wurde von sehr kaltem Wasser berichtet. Ich habe es auch beim Bier belassen und einfach den Moment genossen. Um 19:00 gab es bei unserem Gästehaus das Abendessen – wie zu erwarten wieder Reis mit Fisch 😉 Aber sehr gut! Ein paar Häuser weiter gab es auch eine Bar „Open Bar“, die uns mit einer Caipirinha-Happy-Hour lockte. Alle Reisenden, die wohl auf Floreana waren, waren nach dem Essen in der Bar. Im Endeffekt waren es etwa 30-35 Reisende. Jeder konsumierte brav ein paar Cocktails oder Bier und die Locals freuten sich über die entspannten und lockeren Touristen. In unserer Gruppe wurden auch ein paar Runden Jenga gespielt mit einem hohen Spaßfaktor. Da am nächsten Tag unser erster aufregender Schnorchelausflug am Programm stand, gingen wir alle früh zu Bett.

Während des Frühstücks waren bereits alle aufgeregt, bald ging es ja los zum Schnorcheln. Zuerst noch die Schnorchel-Ausrüstung ausborgen, manche auch einen Wetsuit und schon ging es los. Wir mussten ein Stück wandern, um zu diesem magisch schönen Ort zu kommen. Wir mussten zuerst über Vulkangestein klettern, um zu unserem Meereinstieg im Korallenriff zu kommen. Ich war schon ziemlich aufgeregt – schnorcheln ist ja nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigung. Man weiß ja nie, wie die Tiere reagieren. Nach einer Eingewöhnungsphase ans Wasser habe ich auch mich überwunden im recht kalten Meer zu schnorcheln. Und ein paar Sekunden später haben wir auch schon die erste Sea Turtle gesichtet, wild bewachsen von Algen und komplett gechillt. Das war wirklich extrem lässig! Nachdem ich kurzzeitig einen Krampf in den Füßen hatte, mich aber wieder beruhigen konnte, ging es wirklich los. Durch das tiefere, superklare Wasser schnorchelten wir und sahen mehrere Meeresschildkröten, einen Stachelrochen und Fischis. Es teilten sich einige auf, so auch Christian. Und da verpasste er doch glatt den ersten Seelöwen, der mit uns ein Stück schwamm. Ein agiler, großer Seelöwe, der seine dynamischen Schwimmbewegungen im Wasser machte. Wow – was war das für ein Gefühl! Ich war komplett auf Glückshormon 😉 Kurz danach kam auch noch ein Baby-Seelöwe vorbei – war die süß! Aber auch schnell… Und damit auch schnell wieder weg! Nach weiteren Meeresschildkröten war das Schnorcheln dann zu Ende, wir waren sicherlich 1,5 Stunden im Wasser. Bevor die letzten aus dem Wasser stiegen, ich war auch dabei, war ein männlicher Seelöwe im seichten Gewässer sehr nah bei uns. Edwin meinte, wir sollen uns nicht bewegen. Als dann alle gerade die Flossen auszogen und sich bereit machten, sagte Shani zu mir: Wir sollten gehen, der ist schon ziemlich nah. Ich drehte mich um und da war der große männliche sein Revier verteidigende Seelöwe etwa einen halben Meter von mir entfernt. Kurzschlussreaktion – Laufen! Raus aus dem Wasser, über das Riff, egal ob ich mich verletze oder nicht! Ging halbwegs gut aus, nur eine kleine Schnittwunde auf der Fußsohle, aber froh, dass nichts passiert ist. Denn Seelöwen können heftig zubeißen, Edwin hat das bereits zwei Mal erlebt. Das Beste an der ganzen Geschichte ist aber, dass Edwin uns noch zu geschrien hat „DO NOT RUN!“ und bei uns kam nur an: „RUN!“ 🙂 Er war auch schon weiter weg und wir haben ihn nicht gut verstanden… Letzten Endes ist Gott sei Dank nichts passiert – durch unsere schnellen Bewegungen hätte es auch anders ausgehen können. Aber Ende gut, alles gut!

Nach dem fantastischen Mittagessen wurde mal schnell das Salzwasser abgeduscht, um uns für unsere kleine Nachmittags-Wanderung frisch zu machen. Mit dem Chiva ging es ins “Hochland” bzw. auf den Berg der Insel. Oben angekommen wanderten wir zwischen Tortoises und toller Flora. Zwischendurch kamen wir bei der einzigen Frischwasser-Versorgung der Insel vorbei – das Wasser kommt aus dem Berg, muss jedoch sorgsam und nicht verschwenderisch verteilt werden. Demnach bekommen die Inselbewohner auch nur einmal die Woche ein Refill ihrer Wassertanks. Während Edwin uns alles im Detail erklärte, aß ich einfach mal eine Maracuja, die Christian am Boden gefunden hat. Es gibt wirklich nichts Besseres als eine frische Maracuja vom Baum zu essen 🙂 Weiter ging es zu einem tollen Aussichtspunkt über die Insel – da das Hochland hier nicht so hoch und das Wetter sehr sonnig war, hatten wir auch einen tollen Blick und es war Zeit für ein Gruppenfoto. Da die Wanderung nicht so lange dauerte wie erwartet, hatten wir sogar noch etwas Zeit für den Strand. Wir hatten auch noch unser geborgtes Schorchel-Equipment, Christian auch noch den Wetsuit. Christian war einige Zeit schnorcheln und sichtete sicherlich acht Schildkröten mehr oder weniger auf einem Fleck und auch einen Baby-Seelöwen… Da die Sonne aber bald unter ging, wir noch unsere gemieteten Schnorchel-Sachen zurück bringen mussten, machten wir uns auch bald wieder auf den Heimweg. Und damit ging ein sehr ereignisreicher Tag mit einem gemeinsamen Abendessen zu Ende.

Isabela

Und schon war der nächste Speedboot-Transfer am Programm, natürlich nach einem ordentlichen Frühstück und dem obligatorischen Inspektions- und Desinfektions-Prozedere. Fleur musste sogar die Sohlen ihrer Wanderschuhe ausgiebig waschen, damit der eingetrocknete Matsch verschwindet. Da könnte sich ja etwas darin verbergen, das wir nicht mit auf Isabela mitnehmen sollten.

Nach dem zweistündigen Transfer mussten wir zuerst einmal ins Zentrum der kleinen Stadt, um unsere selbst gewählten Touren für den nächsten Tag zu bezahlen und somit zu bestätigen. Wir konnten uns am Vortag im Prinzip zwischen drei Optionen entscheiden: Los Tuneles Schnorchel-Tour für 130 USD, Los Tintoreres Schnorchel-Tour für 45 USD oder Insel-Erkundung. Christian und ich waren die einzigen, die sich für die Tintoreras Tour entschieden haben – aufgrund des Preises. 130 USD für Schnorcheln war uns definitiv zu teuer, auch wenn das die Nr. 1 Aktivität auf Isabela sein sollte. Der Rest machte die Tuneles Tour, ausgenommen Nikita, die sich für die Insel entschieden hat. Nach den ganzen Formalitäten holten wir in einem Restaurant unser Mittagessen zum Mitnehmen, das wir bereits am Vortag bei Edwin bestellt hatten, denn als nächstes stand die Sierra Negra Vulkan-Wanderung am Programm. Bevor es aber los ging, machten wir einen kurzen Zwischenstop bei unserem nächsten Camp, um unser Gepäck zu verstauen und unsere Wasserflaschen aufzufüllen. Und schon ging’s wieder mit dem Chiva weiter – wir wurden bis zum Ausgangspunkt des Sierra Negra Vulkan-Wanderwegs gebracht. Nach den auch hier obligatorischen Formalitäten (man muss mind. drei Tage vorher für den Trek gemeldet sein), starteten wir im Regen und Nebel. Zeitgleich war es aber auch wieder relativ warm, sodass die Regenjacke nur so klebte. Also ging es ohne Jacke weiter in der Hoffnung, dass das Wetter sowieso besser werden würde. Nach etwa einer Stunde waren wir auch schon am höchsten Punkt angelangt – der Aussichtspunkt über den Krater. Tja, es war nach wie vor Nebel. Also machten wir es uns erstmal bequem und genossen unser Mittagessen.

Danach warteten wir noch 20-30 Minuten, vielleicht ändert sich die Sicht ja – währenddessen erzählte uns Edwin ein paar Geschichten, auch gruselige – über Mythen und vermisste oder tödlich verunglückte Touristen… Alle hörten gespannt zu. Da die Sicht aber auch mit den Geschichten einfach nicht besser werden wollte, wanderten wir weiter. Wir spazierten quasi einen Trampelweg nahe des Kraterrands entlang, probierten gelbe Orangen, die meeegaaa sauer waren, und Guaven. Edwin versprach uns, dass wir zu einem Aussichtspunkt kommen werden, wo es immer eine gute Sicht gibt. Ganz glauben konnte das niemand, denn es war nach wie vor über dem Krater Nebel. Nach etwa einer Stunde kamen wir dort an und Edwin hatte Recht – wir hatten tatsächlich gute Sicht. Unglaublich wie groß und weit dieser Krater ist, voll mit schwarzem Basalt-Geröll, und kaum vorzustellen, dass die letzte Eruption 2005 war und der Vulkan nach wie vor aktiv ist. Nochmals zusammengefasst: Wir standen am Kraterrand eines aktiven Vulkans, der zuletzt vor zwölf Jahren ausgebrochen ist – mit echter, heißer Lava und so 😉 Wieder so ein Moment, wo man die Mächte der Natur quasi inhalieren konnte und man sich bewusst wird, wie „klein“ man eigentlich ist. Nach einer Foto-Session ging es nun wieder retour zum Ausgangspunkt über einen anderen Weg – wir wanderten quasi einen Kreis. Dort angekommen wartete schon unser Chiva für den Transport zum Camp auf uns. Dort genossen wir noch den restlichen Tag, entweder mit einer Naturdusche, einem Power Nap oder auch einer Jonglier-Schule. Karim, ein Mitreisender, kann jonglieren und mit den Früchten aus dem Obstwald des Campingplatzes brachte er in mehreren Schritten allen Freiwilligen, auch Christian, das Jonglieren bei. Er kann jetzt sogar mit drei Stücken (Bällen, Obst o.ä.) tatsächlich jonglieren 🙂 Abends gab es ein tolles Abendessen am Campingplatz – drei wunderbare Gänge mit wirklich gutem Essen. Anschließend wurde die Feuerstelle angefacht, wo wir auch Marshmallows grillten uns Louis uns seine Marshmallow-Spezialität zeigte – Marshmallow mit Schokolade und Keksen. Nebenbei plauderten einige ausgiebig mit unserem sehr witzigen und gesprächigen Kellner Carlos, der mir nichts dir nichts eine Tanzstunde begann. Er liebt Tanzen und kennt so gut wie alle Tänze aus den Videos – es war spektakulär und so witzig mit anzusehen. Es war ein ausgelassener Abend!

Am nächsten Tag ging es für uns beide bereits um 7:30 in die Stadt, um unsere Wetsuits für die Schnorchel-Tour auszusuchen und um 8:30 zu starten. Zuerst ging es mit dem Minivan zum Hafen, wo wir mit einem kleinen Boot sicherlich eine Stunde nahe des Hafens, bereits bei der vorgelagerten Insel Las Tintoreras, eine Beobachtungstour hatten. Es begleiteten uns Sea Turtles und diverse Vögel. Und wir konnten auch tatsächlich einen der berühmt berüchtigsten Blue Footed Boobies sehen – es gibt drei Arten von Boobies. Der mit den blauen Füßen ist der seltenste und wird leider nicht oft gesichtet. Aber wir hatten Glück – juhu 🙂 Weiter ging es auf der Vulkaninsel Las Tintoreras, wo wir eine Stunde einen Rundweg wanderten, um tausende Marine-Iguanas diversen Alters beobachten konnten. Man musste auch über sie drüber steigen, da die in großen Gruppen überall und kreuz und quer umher lagen. Auch Seelöwen beim Spielen konnten wir wieder beobachten, an einem nahe gelegenen Strand. Am Ende kamen wir zu einem See, wo direkt nebenan mit einer Steinmauer getrennt eine Art Becken (bei Ebbe) ist. Und hier tummeln sich gerne zum Ausruhen Weißspitzenhaie und es waren auch tatsächlich sicherlich 30 da, die wir beim Chillen beobachten konnten. Inmitten von Iguanas schauten wir den Haien gespannt zu und auf den Felsvorsprüngen chillten ebenfalls Iguanas, kleine Babys und große Erwachsene. Nach dieser tollen Runde ging es wieder zum Boot, damit wir zu unserem Schnorchel-Startpunkt fahren konnten. Rein in die Flossen und los ging’s. Die Sonne war leider nicht wirklich heraußen, daher war das Wasser auch nicht so superklar wie auf Floreana, aber es war trotzdem gute Sicht. Und so schnorchelten wir dieses Mal wieder mit Sea Turtles und auch Wasser-Iguanas, die unter Wasser wie kleine Godzillas aussehen. Aber auch viele Seesterne, blaue, rote mit schwarzen Punkten und sogar Chocolate Chip Seastars haben wir gesehen. Am Ende kamen wir in eine starke Strömung, wo es unmöglich war ordentlich zu schnorcheln, daher ging es wieder retour – sehr dicht über den Korallen. Ich war schlussendlich froh, wieder an Land zu sein. Es war dann mit der Strömung und des sehr hohen Riffs doch sehr anstrengend. Ja, und so ging es wieder zurück zum Hafen. Wir haben doch glatt unsere Schuhe am Boot stehen gelassen, meine wurden mit nachgetragen, aber Christian hatte seine gut versteckt, sodass er wieder zurücklaufen musste. Schuhe wieder bekommen, rein in den Bus und zurück zum Büro, wo wir unsere Wetsuits zurückgegeben haben. Da Christian am Hafen bereits Edwin und Nikita getroffen hatte, kamen die beiden auch recht bald beim Tour-Büro an, damit wir den restlichen Tag miteinander gestalten konnten. Zuerst gingen wir aber Mittagessen, denn wir waren wirklich hungrig!

Nikita schlug vor nachmittags die „Mauer der Tränen“ zu besuchen. Da wir keinen wirklichen Plan hatten, außer der Flamingo-Station, die inkludiert war und die anderen bereits am Vormittag gemacht haben, stimmten wir zu. Wir hatten halt alle keine Idee, dass wir 5 km hin und auch wieder 5 km zurück wandern mussten. Wirklich sehr schnellen Schrittes ging es in der mittlerweile scheinenden Sonne also zur „Muro de las Lagrimas“. Ich war nach etwa 4 km wirklich erschöpft – die Vormittags-Tour und zu wenig Trinken machten mich de facto fertig. Aber ich hielt durch und wir begutachteten die Mauer. Zum Hintergrund: Die Insel wurde einst als Strafkolonie für Schwerverbrecher genutzt. Die Wärter befahlen den Gefangenen aus Lavagestein eine Mauer zu bauen – dies diente wohl eher der Beschäftigung als einem Sinn. Das einzige Überbleibsel aus dieser Zeit ist tatsächlich nur noch die Mauer und heißt deshalb Mauer der Tränen, da viele bei den Arbeiten unter der heißen Sonne starben. Den Aussichtspunkt am Retourweg habe ich dann für eine ordentliche Pause genutzt, um wieder zu Kräften zu kommen. Hat auch gut getan und konnte auch wieder Schritt halten 🙂 Nach dieser unerwartet langen Tour besuchten wir noch die Flamingo-Station. Edwin und Nikita verließen uns aber nach zehn Minuten, da die anderen wohl von ihrer Schnorchel-Tour zurück kommen würden. Wir spazierten noch durch die Station bis zur angebundenen Tortoise-Breeding-Station.

Schlussendlich ging es dann auch für uns zurück zum Hauptplatz, wo wir alle treffen sollten. Alle waren ganz aufgeregt und begeistert von ihrer Tour, denn sie haben die Weißspitzenhaie live beim Schnorcheln erlebt und auch sonst noch viele andere tolle Tiere gesichtet. Mit dem Chiva ging es wieder ins Camp, wo im Prinzip alle nur duschen gingen. Um 19:00 fuhren wir wieder in die Stadt, um gemeinsam Abend zu essen und danach mit unserem Kellner Carlos in eine Bar zu gehen. Da aber an dem Abend der Boxkampf Mayweather vs. McGregor stattfand, switchten wir in die gegenüberliegende Bar, wo wir einen Drink genossen und so gut wie alle wieder mit Carlos tanzten 🙂 Danach besuchten wir wieder die andere Bar, da Carlos für uns eine Special Happy Hour verhandelt hatte. Der Boxkampf war in vollem Gange und alle starrten auf den Fernseher… Christian und ich haben für Boxen überhaupt kein Interesse, daher sind wir beide wieder in der andere Bar, vor allem funktionierte dort das WLAN. Das nutzten wir auch gleich, um eine Anfrage an Bluesailing zu stellen, da wir von einem tollen Segeltrip von Kolumbien nach Panama von Karim erfahren haben. Um 23 Uhr trafen sich alle am Taxi-Treffpunkt, das weit und breit nicht zu sehen war. Dann war der Jeep da, der natürlich nicht 17 Leute auf einmal mitnehmen konnte. Aber wir waren schnell genug für die erste Fuhr. Ziemlich kalt und windig war es jedenfalls auf der Ladefläche des Jeeps und waren froh, als wir in unsere Decken schlüpfen konnten.

Puerto Ayora | Santa Cruz

Nach dem Frühstück ging es auch schon wieder Richtung Hafen, da wir zurück nach Puerto Ayora auf Santa Cruz fahren sollten. Ziemlich starker Wellengang bei dieser Überfahrt forderte das erste und einzige „Kotz-Opfer“ 😉 Das Speedboot bretterte aber auch mit hoher Geschwindigkeit über die hohen Wellen – meine Tabletten wirkten nach wie vor super, Gott sei Dank! Wir bezogen das „Morning Glory Hostel“ (:)), aßen ein schnelles Mittagessen und trafen uns um 14:00 für eine Wanderung zur „Tortuga Bay“, die nur zu Fuß erreichbar ist. Der Weg zum Strand ist etwa 3 km, danach wanderten wir aber über den kompletten Strand, einmal um die Ecke, um dann in einer Art Lagune zu verweilen, entspannen oder schwimmen. Dort ist es sicherer, weil am vorderen Strand ziemlich starker Wellengang und auch starke Strömungen herrschen. Edwin sagte uns sogar noch, dass auch Haie manchmal in der Lagune sind, weil es seichteres, warmes Wasser ist und sie sich in dort gerne ausruhen. Wir sind einfach mal rein, um uns abzukühlen und hatten viel Spaß – wir spielten einen 4er-Hahnenkampf und mit dem Ball. Da wir unbedingt noch Shirts von Galapagos haben wollten, gingen wir alleine etwas früher zurück als die anderen mit Edwin – sonst wäre das mit dem geplanten Abendessen nicht vereinbar gewesen. Und los ging die Souvenir-Shopping-Runde – leider ohne Erfolg für mich! Die Damen-Shirts sind ausschließlich für superschlanke Damen konzipiert. Die Größe XL, sofern sie überhaupt verfügbar war, war genauso groß wie die Größe S. Ich gab dann traurig auf, denn ich wollte unbedingt ein Galapagos-Shirt haben – für Chris haben wir ein tolles gefunden, für Männer ist es ja meist nicht so ein Problem. Ich hab übrigens auch Männer-Shirts probiert, die waren aber wirklich für Männer und passten vorne und hinten nicht. Also ging es ab zum für mich Frust-Abendessen 😉 Herrliche Shrimps-Pasta, die mich wieder positiv stimmte 🙂 Danach saßen wir alle noch im Hostel zusammen und plauderten. Christian versuchte mit einer Münz-Prägnier-Maschine einen Penny mit einer Tortoise zu prägen. Es dauerte etwa eine Stunde – Gott sei Dank war die Maschine kaputt, sodass er den Dollar hierfür immer wieder rausnehmen konnte 😀 Letztes Endes haben wir sogar zwei Pennys mit einer Tortoise – yay!

Quito

Und dann war es auch schon wieder so weit, dass wir am nächsten Morgen zum Flughafen Baltra gebracht wurden, ohne Edwin in den Flieger stiegen und viele Stunden später im Hotel in Quito angekommen sind. Wir aßen gemeinsam beim Mexikaner (naja) zu Abend und verbrachten den Abend in der Hotel-Lobby mit dem Spiel „Never have I ever…“ – es war ein sehr witziger letzter Abend. Die anderen gingen noch tanzen, wir ins Bett, da sich bei Christian eine Erkältung anbahnte und wir am nächsten Morgen um 7:00 ein Taxi zum Flughafen bestellt haben. Für uns ging es nämlich weiter – nach Kolumbien 🙂

Galapagos/Quito: 22.8.-29.8.2017