Nach unserem einstündigen Flug kamen wir im doch unerwartet kühleren Bogotá an. Mit einem verbotenen uber sind wir in die Stadt gefahren – in Kolumbien ist uber eigentlich verboten, aber die App funktioniert und es gibt auch genügend Fahrer. Allerdings sollte man immer „heimlich“ ins Auto einsteigen, damit niemand Verdacht schöpft.

Im Hostel angekommen schnappten wir gleich mal unsere kleinen Rucksäcke, um ordentlich Essen zu gehen. Denn es war bereits später Nachmittag und wir hatten nur ein kleines Frühstück. Der auserkorene Mexikaner mit extrem guter TripAdvisor Bewertung hatte leider zu, aber nicht weit entfernt fanden wir ein anderes mexikanisches Hipster-Lokal, wo wir auch hervorragend gegessen haben. Danach spazierten wir noch etwas in unserem Viertel „La Candelaria“ herum und aßen tolle Waffeln mit echtem Nutella 🙂 Da wir von dem doch längeren Reise-Tag (als geplant) ziemlich geschlaucht waren, ging es recht früh ins Bett.

Für den nächsten Vormittag haben wir die Free Walking Tour von „Beyond Colombia“ geplant. Gemeinsam mit Patrik warteten wir vorm Goldmuseum auf den „roten Regenschirm“. Wir waren um die zehn Personen und unser Guide „Santiago“ sprach hervorragendes Englisch und zog alle in den Bann. Er wusste so gut wie alles und erzählte uns tolle Geschichten über Kolumbien, über Bogotá und eine gewisse Person, dessen Namen man in der Öffentlichkeit nicht laut aussprechen darf. Wir spazierten durch die Altstadt und sahen überall illegale Smaragd-Händler. Zudem war die Stadt ziemlich hektisch und es wurde viel umgebaut und aufgebaut – denn an diesem Abend sollte noch der Papst in Bogotá landen. Am nächsten Tag gab es große Feierlichkeiten und auch eine Prozession, von der wir erst bei dieser Tour erfahren haben. Während der Tour bewunderten wir republikanische und auch koloniale Bauten und besuchten sogar das Botero Museum (gratis) und auch die Casa de Moneda de Colombia. Und auch das traditionelle Getränk „Panela“ konnten wir in einem Lokal testen sowie an kolumbianischen Kaffee riechen. Immer wieder erzählte uns Santiago auch, dass es nachmittags eine Free Food Tour von ihnen gibt, wo man mindestens sechs regionale Speisen und Getränke testen kann. Das war doch eine Überlegung wert, denn am nächsten Tag gab es quasi nichts zu tun aufgrund des Papst-Besuchs. Nach etwa drei Stunden kamen wir am Plaza de Bolivar an, wo die letzten Vorbereitungen für den Papst auf Hochtouren liefen. Also war der Platz nicht so optimal zum Erkunden. Aber Santiago erzählte uns hier noch einige politische Geschichten – historische, aber auch über die aktuell bevorstehenden Bürgermeister-Wahlen. Am Ende waren wir noch im Kulturzentrum, bekamen Zuckerl und gaben unsere Trinkgelder für die Tour. Wir haben uns einstweilen auch entschieden die Food Tour am Nachmittag zu machen, wir mussten tatsächlich auch nur eine halbe Stunde warten.

In unserer Free walking Tour waren auch drei junge Deutsche dabei, die sich ebenfalls entschlossen haben, die Food Tour zu machen. In der Wartezeit haben wir mit ihnen ausgiebig geplaudert. Dann war es soweit – Leute versammelten sich und zwei Personen mit dem roten Regenschirm kamen. Einer war für die Nachmittags Free walking Tour und der andere für die Food Tour. Zuerst noch registrieren und dabei feststellen, dass die komplette Gruppe nur aus Deutschen und Österreichern besteht 🙂 Aber dann ging es auch schon los und wir hatten insgesamt sechs Essens Stops – von kolumbianischen Empanadas über Kakao mit Käse bishin zu kolumbianischen Kaffee von einem Barista zubereitet. Es war jedenfalls super witzig und spannend diese kulinarische Reise zu machen. Zudem hatten wir mit der ganzen Gruppe sehr viel Spaß und machten uns auch aus, dass wir am nächsten Tag mit allen Tejo spielen wollen. Ein kolumbianisches, ‚explosives‘ Trinkspiel. Wir hatten schon viel darüber gehört und wollten das unbedingt ausprobieren. Aber mehr Spaß macht das mit einer größeren Gruppe und wir wollten nicht viel Geld für eine geführte Tejo Tour zahlen. Also haben wir uns alle für den nächsten Nachmittag um halb vier verabredet.
Da wir bei den Touren vom „Ley Seca“ erfahren haben (während des Papst Besuchs ist Alkohol in drei Bezirken verboten (Verkauf & Konsum) – wir waren in einem davon). Also sprangen wir in den Supermarkt und wollten uns noch mit Bier eindecken, der Verkauf war bereits verboten – der Papst war inzwischen bereits in Bogota gelandet. Wir haben es trotzdem probiert und kamen sogar durch, aber Felix und Jana hinter uns durften nicht mehr, da der Security Typ uns gesehen hat. Naja, immerhin hat es bei uns geklappt.
Danach machten wir uns zu dritt auf den Heimweg, am Weg aßen wir noch kanadische Poutine (in Kolumbien gibt es eine Kette dafür). Den restlichen Abend verbrachten wir im Hostel mit Organisation und Bloggen.

Mitten in der Nacht kam noch jemand in unserem Mehrbettzimmer an, eine Kanadierin, mit der wir in der Früh auch lange geplaudert haben. Da der Fernseher beim Frühstück nur eine Live-Übertragung vom Papst zeigte, wollten wir uns dann auf den Weg machen, vielleicht können wir das Spektakel ja auch live sehen. Der erste Teil des Wegs war wie eine Geisterstadt, alles geschlossen, kaum Menschen… Aber dann kamen wir dem offiziellen Papst-Weg immer näher, hunderte Polizei Motorräder und hunderte Menschen. Wir suchten uns einen Platz und warteten auf gut Glück. Von einer Einheimischen haben wir dann erfahren, dass gegen halb eins der Papst an dieser Stelle vorbei fahren soll. Da das nicht mehr mega lange war, warteten wir also auch. Die Einheimischen waren vorbereitet wie bei einem Konzert, Wimpel, T-Shirts usw. Plötzlich rannten viele Polizisten bei uns vorbei und machten eine Art Spalier. Alle waren aufgeregt, aber es passierte nichts… Nach etwa einer halben Stunde war es dann aber soweit. Ein mega langer Convoy an Polizisten Motorrädern und Autos und dann… das Papamobil! Alle rasteten aus wie bei einem Superstar – unglaublich! Die Kolumbianer sind aber auch wirklich zum Großteil streng katholisch. Das Papamobil kam näher und war auch schon wieder weg. Es waren etwa drei Sekunden oder so – keine Ahnung, aber das Papamobil hatte wohl den Turbogang drin. Aber wir haben den Papst gesehen, er hat gewunken und sieht wirklich auch live sehr sympathisch aus. Ja und dann war das ganze Spektakel für uns auch schon wieder vorbei. Kurz ins Hostel zurück und überlegten, was wir als nächstes machen sollten. Da es mittlerweile zu regnen begonnen hat, war der Aussichtspunkt am Montserrat nicht mehr sehr attraktiv. Also suchten wir ein Lokal in der Nähe des Tejo Clubs, den wir den Nachmittag ausgesucht haben. Patrik wollte sowieso noch zum Hard Rock Café, das dort auch um die Ecke war. Die Kanadierin aus unserem Zimmer schloss sich an und so machten wir uns mit einem uber auf den Weg, dauerte dann relativ lange. Aber Christian hat ein tolles Burger Lokal ausgesucht, das Essen war fantastisch! Danach spazierten wir zum Hard Rock Café und ins Casino. Christian wollte sein Glück versuchen, da wir doch den Papst gesehen haben 😉 Patrik und er gingen rein, wir Mädels gingen beim Markt nebenan bisschen bummeln. Christian gewann sogar umgerechnet zehn Euro in dem kurzen minütigen Casinobesuch.

Danach ging es zu Fuß zum auserwählten Tejo Club. Da trafen wir auch schon einen der Teil der anderen und versuchten mal zu verstehen, was die Anforderungen zum Spielen sind. Pro Person mussten wir 30.000 COP zahlen, sind umgerechnet etwa 10 Euro. Diesen Betrag mussten wir dann nur noch in Getränken konsumieren, kann ja nicht so schwer sein um diesen Preis 🙂 Ein Mitarbeiter, der sogar bisschen Englisch konnte, hat uns freundlicherweise auch das Spiel erklärt. Es ist eine Lehmwand, wo in der Mitte ein Eisenring befestigt ist und darauf vier explosive Dreiecke aus Papier drauf geklebt sind. Mit dem Tejo, das ist eine Art Eisenscheibe – das Wurfgeschoss – muss man entweder in die Mitte oder eines der explosiven Dreiecke treffen. Man steht etwa sieben Meter entfernt von dieser Wand. Die Dreiecke zu treffen ist tatsächlich nicht so einfach… Die meisten Punkte je Runde bekommt das Team das näher an dem Eisenring ist. Wir legten mal los und die ersten Biere kamen auch schon. Achso ja… Warum ist es ein Trinkspiel? Wir glauben, weil man eventuell besser trifft je mehr man getrunken hat… 🙂 Wir hatten jedenfalls mega viel Spaß, die Biere flossen wie nichts… Und dann wollten sie uns schon um sechs raus werfen, weil wir nicht reserviert hatten, konnten aber verhandeln, dass wir bis neun bleiben durften. Die letzte Stunde spielte keiner mehr, weil wir schon so betrunken waren. Und wir hatten trotzdem noch ein sehr hohes Budget übrig, also bestellten wir das kolumbianische Nationalgetränk Aguadiente. Das ist so ähnlich wie Ouzo, extrem grauslich und sehr stark. Wir hatten mehrere davon, viel zu viele, um ehrlich zu sein 😀 Ich war noch die Wiese düngen bevor wir ins Hostel zurück sind :p Es war jedenfalls ein toller Abend, alle haben sich super verstanden, obwohl wir uns alle erst ganz kurz kannten. Wirklich toll!

Wir haben Felix und Jana auch noch geholfen für den nächsten Tag online ein Bus Ticket nach Salento zu kaufen, das wir bereits gebucht hatten. Somit hatten wir eine Art Gruppenwechsel nach Salento. Patrik reiste in der Nacht nach Peru und wir am nächsten Abend mit dem Nachtbus nach Salento. In der Wartezeit zum Nachtbus haben wir uns noch kostenlos erklären lassen, wie man die Qualität von Smaragden erkennt und besuchten das Smaragd Museum. Die Sachen waren gratis, das wir bei der Beyond Colombia Free Walking Tour dabei waren. War ganz interessant, zumal Kolumbien wohl der größte Smaragd-Abbauer weltweit ist. Sonst haben wir eigentlich nicht mehr viel gemacht, wir hatten einen Hangover und zudem hat es dann am Rückweg vom Smaragd Museum mega stark zu regnen begonnen… Abends haben wir uns noch mit Felix und Jana für ein kleines Abendessen getroffen und sind dann gemeinsam zum Busbahnhof, um unsere Reise nach Salento anzutreten.

Bogotá: 5.9.-8.9.2017