Der Nachtbus von Bogotá fährt nur bis Armenia und nicht direkt bis Salento, daher mussten wir dort auf einen kleinen lokalen Bus umsteigen. Wir kamen jedoch um einiges früher an als geplant, hatten aber Glück – wir mussten nur etwa 30 Minuten auf den ersten Bus warten. Es war  tatsächlich erst 5:00 morgens und der Nachtbus alles andere als bequem, da es nur Bergstraßen sind und dementsprechend kurvig. Aber das gehört dazu 🙂 Gegen 6:15 kamen wir dann auch in unserem Hostel an – gemeinsam mit Jana, Felix und Camilla. Camilla kam mit dem gleichen Bus aus Armenia an und hatte noch kein Hostel. Kurzerhand hat sie sich uns angeschlossen. Jana und Felix hatten eine andere Unterkunft, warteten aber in unserem Hostel, da wir auch bald Frühstück bestellen konnten. Und so saßen wir alle gemeinsam beim Frühstückstisch und plauderten drauf los. Mit Camilla haben wir uns auch wieder auf Anhieb extrem gut verstanden. Sie ist auch eine Langzeitreisende mit viel Erfahrung und Humor. Und so planten wir auch während dem Frühstück schon unsere gemeinsamen zwei Tage in Salento 🙂

Kaffee Plantage „Las Acacias“

Komplett müde entschlossen wir, uns trotzdem nicht hinzulegen, sondern gleich loszulegen. Denn wir hatten nur zwei volle Tage in Salento und es gab mehr als genug zu sehen. Christian erforschte die auf die Wand gemalte Karte mit dem überaus freundlichen und hilfsbereiten Hostel-Besitzer und machte einen groben Plan, den wir danach auch in die Tat umsetzten. Nach einer Dusche, frischen Klamotten trafen wir uns gegen 10:30 für die Wanderung zur Kaffee Farm. Wir hätten auch einen Willy, das sind alte US-Militärautos, die in Salento als Taxi fungieren, nehmen können – wollten uns aber bewegen und mehr von der Landschaft sehen. Ja, und dann ging es auch schon los. Noch etwas durch das kleine süße Salento, über die gelbe Brücke und dann war es ein angenehmer ebener Weg. Wir spazierten sicherlich über eine Stunde bis wir zur ersten Kaffee Farm kamen und entschlossen uns auch gleich hier die Farm Tour zu machen – es war die Farm „Las Acacias“. Der mega witzige Guide war auch gerade verfügbar und dann ging es auch gleich los. Wir waren die einzigen, zuerst bewunderten wir die vielen Obstbäume von Mango, Orange bis hin zu Maracuja, die im am Weg waren. Und dann konnten wir schon die ersten Kaffeepflanzen von der Nähe bewundern und auch gleich mal nach roten Früchten suchen, das sind die reifen. Allerdings ist gerade nicht Saison, also war so gut wie keine zu finden. Wir kosteten die roten Kaffeebeeren auch, sind sehr süß. Die Kerne in den Beeren setzten wir in die Erde ein, damit neue Kaffeepflanzen wachsen können. Wir spazierten weiter durch die Pflanzen, hatten einen tollen Ausblick über die Farm und die Bananenbäume, die immer wieder dazwischen gesetzt sind. Darüber hatten wir uns schon früher gewundert, aber das hat auch einen Grund: Die Bananen sind Wasserspeicher und regulieren so auch den Wasserhaushalt der Kaffeepflanzen. Weiter ging es durch die wunderschöne Plantage, wieder zurück, wo wir noch die Hausziege und den Hauspapagei bewundern konnten. Am Ende fanden wir auch noch die Maschine, welche die Kaffeebohnen vom Fruchtfleisch trennt. Die so produzierten Bohnen werden getrocknet und danach zu einem Röster gebracht. Diesen Produktionsschritt macht diese Kaffee Farm nicht selbst. Zudem ist diese auch recht klein und produziert nur für die Region, aber nicht für den Export. Denn dafür müsste die Plantage um ein Vielfaches größer sein. Nach der Besichtigung des Prozesses und der vielen, wunderschönen grünen Kaffeepflanzen durften wir natürlich auch noch einen Kaffee verkosten. Herrlich im Geschmack! Kein „wassriges Gschloder“ wie man es sonst überall bekommt – das Produkt wäre ja überall toll, aber die günstige Zubereitung mit zu viel Wasser macht leider den besten Kaffee mehr oder weniger ungenießbar. Aber da sind wir als Europäer wohl auch einfach zu verwöhnt 😉

Nach dieser tollen Besichtigung machten wir uns auch wieder auf den Rückweg nach Salento, denn der Hunger war mittlerweile riesig. Camilla, Christian und ich waren auf der Vorhut und suchten ein Lokal, das zu günstigen Preisen idealerweise nicht Reis mit Huhn servierte. Jana und Felix waren einstweilen im Hotel und holten Geld, da sie nicht genügend dabei hatten. Wir fanden auch ein tolles, süßes kleines Restaurant, das eher auf Take Away ausgerichtet war, aber auch für uns fünf Platz hatte. Nachdem wir erstmal frischen Maracuja Saft bestellt haben, warteten wir auf die anderen beiden und waren echt schon am Verhungern. Endlich kamen dann auch die beiden und wir bestellten Burger und Sandwiches zu einem vernünftigen Preis. Und die waren auch noch sowas von gut! Das Lokal war ein Glückstreffer 🙂 Camilla wollte in Salento voraussichtlich länger bleiben und unterhielt sich auch mit der Besitzerin über diverse Möglichkeiten, die es sonst in der Umgebung noch zu erkunden gibt. Nach der wichtigen Stärkung war es auch schon knapp vor Sonnenuntergang, wofür es einen schönen Aussichtspunkt in Salento gibt. Hierfür muss man mal über den Main Plaza, um dann doch viele Stufen hoch zu steigen. Am Weg haben wir noch ein Bier gekauft und hofften auf einen schönen Sonnenuntergang. Hm, war nicht so spektakulär – Sonne war einfach weg, kein Rot oder Orange. Aber trotzdem eine schöne Aussicht über das kleine Salento. Wir haben das Bier genossen und gingen dann auch schon wieder hinunter, denn wir waren wirklich alle extrem kaputt nach der kurvenreichen Nachtbusfahrt. Ein Bier haben wir dann aber doch noch alle gemeinsam in unserem Hostel getrunken und so den Tag ausklingen lassen.

Valle de Cocora

Einer der Hauptgründe nach Salento zu kommen ist das Valle de Cocora, das Tal der höchsten Wachspalmen der Welt (übrigens der Nationalbaum Kolumbiens). Das stand für uns am nächsten Tag am Programm. Wir trafen uns um 7:45 zum Frühstück, damit wir gegen 9:00 den Willy (also das Taxi) zum Ausgangspunkt der Wanderung im Valle de Cocora erwischen konnten. Es war jedenfalls sehr witzig, man klemmt sich hinten auf wenig Platz zusammen – alle, die keinen Sitzplatz mehr finden, stehen hinten auf einer Art Brett und halten sich an der Oberstange fest. Camilla durfte stehen 😉 Die Fahrt dauerte etwa eine halbe Stunde. Als wir ankamen, haben wir auch schon die ersten Wachspalmen gesichtet. Klingt nicht so spannend? Ist es aber, denn so lange, mega hohe Palmen sieht man wohl nur hier in dieser Form und Dichte. Schon die paar am Anfang waren sehr beeindruckend. Dann deckten wir uns noch mit günstigen Snacks ein – karamellisierte geröstete Erdnüsse für kaum Geld. Und dann machten wir uns auf den Weg, etwas verloren zu Beginn. Informierten uns dann aber noch ordentlich und schon ging’s los. Als wir den offiziellen Startpunkt des Wanderwegs passierten, lagen links und rechts diese unglaublich eleganten Wachspalmen im Nebel und es wirkte die ganze Szenerie etwas unwirklich. Ein bisschen wie in einer Fantasie-Welt, wirklich ganz anders. Ich genoss das wirklich sehr, es war so einzigartig anders! Wir wanderten dann munter vor uns her – der erste Teil des Weges wirkte sogar manchmal wie in Österreich. Es hätte auch eine Alm in den Bergen Österreichs sein können, wirklich 🙂 Da waren Kühe, die einfach dort weideten und die Sonne, die sich durch blinzelte, genossen. Irgendwann kamen wir quasi zum Dschungel-Eingang. Wir waren sehr beeindruckt, eine wunderschöne und tolle Wanderung im Regenwald. Wir mussten über Stock und Stein, durch Matsch und über mehrere Hängebrücken. Auch hier wie in einer anderen Welt und teils wirklich sehr anstrengend! Es kam dann eine Kreuzung, wo man zu einer Kolibri-Farm rauf wandern konnte oder direkt weiter ins Valle de Cocora. Wir wollten aber die Kolibris sehen. Naja, das war anstrengend. Etwa 20 Minuten relativ steil hinauf, ich war dann schon fix und fertig. Wir haben es aber irgendwann geschafft und bekamen für den kleinen Eintritt zur Farm auch ein heißes Getränk dazu. Während wir die Kolibris dort beobachteten machten wir also eine ordentliche Pause, um wieder zu Kräften zu kommen.

Nach der Stärkung wanderten wir wieder hinunter zum Kreuzungspunkt. Wir diskutierten kurz, ob wir es bis vor der Dämmerung zurück schaffen würden oder ob wir besser den gleichen Weg zurück gehen sollten. Wir entschieden uns aber für die Rundwanderung, damit wir noch das eigentliche Valle de Cocora erkunden konnten. Gut, also ging es vorwärts. Das war erst anstrengend, meine Beine waren dann so müde, dass ich eigentlich nicht mehr weiter konnte und es war echt steil und nicht der einfachste Weg. Aber mit vereinten Kräften und gegenseitiger Motivation – speziell Camilla konnte mich super motivieren – schafften wir es bis ganz hinauf. Wir kamen bei einer Hütte an, wo man einen tollen Blick über die Berge hatte. Der vorher bereits herrschende Nebel wanderte und so hatten wir abwechselnd eine tolle und nicht so tolle Sicht. Aber es war mystisch, vor allem wenn der Nebel über den Bergen hing. Wir machten dort eine kurze Fotopause und hielten alles fest, bevor es weiter ging. Ab da war es auch Gott sei Dank nicht mehr anstrengend. Wir waren alle extrem gut drauf, ein bisschen verrückt oder übermüdet. Keine Ahnung, wir hatten jedenfalls extrem viel Spaß und blödelten alle herum. Und dann plötzlich um die Kurve öffnete sich die Landschaft und vor uns lag ein großes grünes Tal. Ein Blick – so unglaublich! Mutter Natur ist für mich nach wie vor die beste Künstlerin dieser Welt – anders kann ich es nicht beschreiben. Es war einfach so unglaublich! Wir wanderten weiter durch den Wachspalmen-gesäumten Weg, machten natürlich immer wieder Pausen für Fotos und genossen diese einzigartige Natur. Weiter unten standen wir dann auch wirklich inmitten dieser vielen Palmen und kamen uns vor wie winzig kleine Ameisen und genossen diese wunderschöne atemberaubende Landschaft. Der Plan war bis vor der Dämmerung wieder am Ausgangspunkt anzukommen, wo auch die Willys wieder nach Salento retour fuhren. Das schafften wir auch, während eines beeindruckenden Sonnenuntergangs (den wir am Tag zuvor erhofft hatten) ging es zurück – bereits mit riesigem Hunger. Es war zwar ein anstrengender Tag, aber es war eine unglaublich schöne Wanderung durch unwirkliche Landschaften und einen wunderschönen Dschungel und zudem waren wir ein tolles Team und hatten unendlich viel Spaß! Wie gesagt – der Hunger war bereits groß. Also fielen wir nach der Ankunft zügig in ein Restaurant ein und schlugen uns die Bäuche voll. Herrlich war das!

Christian und ich setzten uns im Hostel noch mit Camilla zusammen und tauschten noch letzte Erfahrungen und Buchungs-Gutscheine aus, damit wir alle Geld sparen konnten 🙂 Danach fielen wir alle nur noch ins Bett. Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns schweren Herzens von Camilla, sie war uns echt ans Herz gewachsen. Aber unsere Backpacker-Routen waren doch etwas unterschiedlich. Für uns vier ging es jedenfalls weiter nach Medellín, wieder einmal mit dem Bus. Aber dazu mehr im nächsten Post 🙂 Stay tuned! 😛

Salento: 9.9.-11.9.2017