Für Medellín haben wir uns von vornherein mehr Zeit eingeplant, da einfach JEDER, den wir getroffen haben, sooo davon geschwärmt hat und noch dazu gibt es so viel zu tun und zu sehen. Also haben wir tatsächlich sechs Nächte in einem Hostel im populären Viertel Poblado gebucht. Gleich vorab: Es hat sich gelohnt so lange zu bleiben 🙂 Aber mal von vorne…

Poblado

Nach einer längeren und wieder einmal sehr kurvigen Fahrt von Salento kamen wir ziemlich verschwitzt und müde in Medellín an. Jana und Felix haben ihr Hotel in einem komplett anderen Viertel gebucht, sodass wir uns beim Taxistand für diesen Tag verabschiedeten. Wir nahmen noch einen Asiaten mit auf den Weg, damit wir weniger zahlen konnten 😉 Christian ist der Supermaster im Verhandeln und Leute anquatschen zum Taxi oder was auch immer Teilen 😛 Im Hostel angekommen bezogen wir unser Zimmer; Ein 5er-Mehrbettzimmer, das wir tatsächlich für uns alleine gebucht haben, zu einem wirklich guten Preis. Der Hunger war, wie immer nach so einer langen Busfahrt, extrem groß – also TripAdvisor-Check und los geht’s. Etwa 20 Minuten zu Fuß später kamen wir beim auserkorenen Lokal „Chef Burger Poblado“ an und es sah auch vielversprechend aus – Hipster-Burger-Laden könnte man auch sagen. Wir schlugen uns die Bäuche voll mit wirklich fantastischen Burgern und Pommes – sehr empfehlenswert! Der Spaziergang zurück zum Hostel war dann auch echt nötig, da wir echt voll waren. So kamen wir auch gleich in den Genuss ein bisschen das Viertel bei Nacht zu erkunden.

Seilbahn, Comuna 13 & Botanischer Garten

Eines der Must-Sees in Medellín – man will es kaum glauben – ist die Metro. Das liegt allerdings an ihrer Entstehung, erbaut inmitten der gefährlichsten und blutigsten Drogenzeit, um vorrangig Kulturen zusammen zu bringen und Einwohnern das Pendeln in dieser Metropole zu erleichtern. Daher sind Paisa (so nennen sich Einwohner aus Medellín selbst) besonders stolz darauf und achten auf sie wie ihr Allerheiligstes. Es darf nicht gegessen, nicht getrunken, nicht laut gesprochen oder was auch immer werden – ein absolutes Heiligtum und das soll man auch als Reisender ehren. Wir finden das toll – ein „einfaches“ Verkehrsmittel, viele Male in vielen Großstädten gesehen, allerdings nicht in Südamerika. Da stellt eine U-Bahn tatsächlich eine Art Rarität dar und in Kolumbien ist Medellín die einzige Stadt, die eine hat (u.a. deshalb wurde sie vor einigen Jahren vom Wall Street Journal zur innovativsten Stadt der Welt gekürt). Ein weiteres Highlight ist, dass die Metro nicht nur aus den beiden U-Bahn-Linien besteht, sondern zusätzlich auch aus drei Seilbahn-Linien, da Medellín in den Höhen der Anden liegt. Es werden auch hier wieder niedrig gelegene mit höher gelegenen Regionen und auch reiche mit armen Vierteln verbunden. Für uns war also klar: An Tag eins müssen wir mit der Metro fahren und zwar mit der U-Bahn und mit der Seilbahn. Das Tolle ist, dass das U-Bahn-Ticket das Umsteigen in die Seilbahn inkludiert und man nicht extra zahlen muss 🙂 Nach der „normalen“ U-Bahn-Fahrt mit der „heiligen U-Bahn“ trafen wir uns bei der Station San Javier mit Jana und Felix, um gemeinsam die Seilbahn zu nehmen. Die stellt mit ihren Aussichten natürlich wirklich ein Highlight dar. Und schon ging’s auch los, hoch hinaus und über dicht bebaute und ärmliche Viertel drüber. Schön ist, dass einige Dächer bemalt und beschrieben sind, sodass sie ein schöneres Bild abgeben. Wir sind eine komplette Runde ohne Aussteigen gefahren – so kann man Geld sparen 😉 Wir genossen die mega Aussicht, die vielen unterschiedlichen Gebäude und bekamen so einen wunderbaren ersten Eindruck von Medellín.

Nicht mehr weit entfernt war die berühmte Comuna 13. Wer davon noch nicht gehört hat: Dieses Viertel litt in den 80er Jahren relativ stark vom Medellín-Kartell – ein sozialer Brennherd mit sehr hoher Kriminalität und eine der dichtest besiedelten Gebiete in Medellín mit einem unglaublichen Höhenanstieg. Daher wurde 2011 eine Freiluft-Rolltreppe eröffnet, welche eine Höhe von 28 Stockwerken überwindet und so auch die Zugänglichkeit einfacher macht – auch für Reisende. In Reiseführern wird man nach wie vor davor gewarnt, allerdings haben wir uns sehr sicher gefühlt und die Paisas haben uns bereits einfach so auf der Straße „Willkommen“ geheißen. Am Weg von der Seilbahn zur Rolltreppe mussten wir einen Bus nehmen und wussten nicht exakt, wo wir aussteigen mussten. Es waren ein paar Schulkinder im Bus, die das mit bekommen haben und haben bereits im schnellen Spanisch mit uns zu sprechen begonnen. Besonders Kinder sind sehr angetan von Fremden und haben uns quasi überall „Hola gringos!“ zugeschrien und mit einem großen Lächeln im Gesicht zugewunken. Ja und in dem Bus war Alina, die mit uns ausgestiegen ist und uns sogar bis zum Start der Rolltreppe gebracht hat, obwohl sie dort offensichtlich nicht einmal wohnte. Wir haben uns mit unserem naja gebrochenem Spanisch ein bisschen mit ihr unterhalten und es war einfach Herz erwärmend, mit welcher Freude sie uns einfach einen Ort zeigte, den wir suchten. Nicht nur sie war für uns fremd, auch wir waren Fremde für sie – und ohne mit der Wimper zu zucken, hat sie uns dort hin gebracht. Dann standen wir da vor der Rolltreppe, sie verabschiedete sich mit einem mega Lächeln und ging nach Hause. Was für ein Erlebnis! Danach ging’s auch schon los mit der Rolltreppe, welche in mehrere Abschnitte unterteilt ist. Es ist also nicht nur eine lange Rolltreppe, sondern sechs oder sieben unterschiedliche. Aber wie gesagt, man fährt 28 Stockwerke hinauf und derzeit sind sogar nicht mehr Abschnitte in Arbeit. Man spürt, wie man durch ein wirklich armes Viertel durch fährt, aber alle sind super freundlich und freuen sich, dass Fremde nach Kolumbien und speziell in ihr Viertel kommen. Und was natürlich dort nicht fehlen darf, sind Graffitis. Unglaubliche Graffiti-Künstler gibt es dort – ich war hin und weg. Oben angekommen hat man natürlich auch einen tollen Ausblick auf diesen Teil Medellíns und auch auf die Comuna 13, die tatsächlich sehr hoch gebaut ist. Wir spazierten oben ein bisschen herum, um Fotos zu machen und sind dann auch noch einen Rolltreppen-Abschnitt hinunter gefahren und dort in den engen dicht bebauten Häusern herum spaziert. Das war schon echt was Anderes – so eng, viele steile Stiegen und dreckig, aber immer wieder dazwischen saucoole Graffitis. Dann ging es auch wieder hinunter, um den restlichen Tag zu planen.

Wir haben uns kurzerhand dazu entschlossen uns den Botanischen Garten anzusehen, da dort gerade ein mehrtägiges Buch-Festival war und es mit der Metro einfach zu erreichen war. Nach dem Aussteigen mussten wir aber zuerst mal essen und da kam der Food Court nahe der U-Bahn-Station genau recht 😛 Gegenüber kamen wir auch direkt in den Botanischen Garten hinein, wo viele Universitäten und Verlage Bücher ausgestellt haben und wie auf einer Messe präsentierten. Der Botanische Garten ist jedenfalls eine Wahnsinns-Location dafür 🙂 Wir schlenderten durch die Grünfläche, die eine Rarität in der Stadt ist. Der Garten an sich ist jetzt nichts mega Spannendes, aber es war ein schöner und entspannter Ausklang für diesen Tag.

Free Walking Tour & Memorial Museum

Gleich früh morgens startete die Free Walking Tour von Real City Tours, für die wir uns bereits zwei Tage vorher registriert haben (ja, wirklich – die ist so beliebt, dass man sich registrieren muss und diese auch zwei Tage vorher schon mal ausgebucht ist…). Es gibt zwei U-Bahn-Stationen als Meeting Point, je nachdem wo das Hostel/Hotel gelegen ist. Demnach waren Jana und Felix auch in einer anderen Gruppe, wir haben sie aber zwischendurch und am Ende wieder getroffen. Wir starteten unsere Tour bei der U-Bahn-Station Poblado, fuhren danach zwei Stationen, um Downtown mit einem Local zu erkunden. Unser Guide war Camilo oder Milo, ein unglaublich sympathischer Paisa, der nahezu perfektes Englisch sprach. Wir müssen sagen: Die mit Abstand beste Free Walking Tour, die wir jemals gemacht haben. Camilo ist nicht nur ein Guide, sondern ein Storyteller und schildert alles so anschaulich, dass man es sich sofort bildlich vorstellen kann. Die nahezu vier Stunden vergingen rasant, voll gepackt mit Wissen und Insidern aus der einst gefährlichsten Stadt der Welt. Wir waren wie im Bann und hin und weg von der Stadtentwicklung. In den letzten Jahren gab es Menschen, die wirklich mit gedacht haben und manche Viertel durch spezielle Umbau-Maßnahmen von einem sozialen Brennpunkt zu einem Treffpunkt zu machen (Plaza de la Luces zum Beispiel). Wir gingen eine relativ große Runde, ich gebe jetzt nicht wieder, was wir alles gesehen haben. Es war aber alles dabei – von politischen Gebäuden, Lifestyle-Straßen, coolen Plätzen, historisch wichtigen und schlimmen Plätzen sowie Parks. Die Tour gibt einen tollen Über- und Einblick in die Stadt, in die Entwicklung, in die schlimmen Zeiten und vor allem die Menschen. Absolut empfehlenswert!!!

Nicht genug für diesen Tag schlenderten wir dann weiter ins „Museo Casa de la Memorio“, das mit Videos, Bildern und Zeitungsartikeln über die Drogen- und Bürgerkriege Kolumbiens erinnert. Der Großteil war auf Spanisch, nur Teile auch auf Englisch, sodass wir nicht ewig in der Ausstellung waren. Aber die Videos waren untertitelt und Witwen und Augenzeugen berichteten von vielen schlimmen Momenten, ziemlich traurig. Nach diesem doch recht anstrengenden Tag fuhren wir mit dem uber in unser Viertel, um uns noch über eine Pablo Escobar Tour zu informieren und etwas zu essen. Die Tour von einem empfohlenen Anbieter war uns viel zu teuer, also aßen wir dort nur zu Abend. Danach schlenderten wir zum Hostel neben unserem Hostel, die auch Touren anbieten. Da haben wir am Vortag entdeckt, dass für den nächsten Tag Fußball-Tickets zu ergattern waren. Und wir wollten irgendwo in Südamerika ein Fußball-Spiel sehen. Jana und Felix waren auch dabei, also meldeten wir uns vier an.

La Piedra Del Peñol, Guatapé & kolumbianischer Fußball

Nicht einmal zwei Stunden von Medellín entfernt ist eine unglaublich sehenswerte Landschaft. Mit dem öffentlichen Bus ging es vom Nord Terminal zum La Piedra. Schon bevor wir ausgestiegen sind, konnten wir einen Blick auf diesen riesigen aus der Landschaft ragenden Monolithen machen. Der Monolith, also der Piedra Del Peñol, dient als Aussichtsplattform für die umliegende Gegend. Man zahlt Eintritt dafür, dass man summa summarum 750 Stufen selbst hinauf steigen muss. Nagut, vorher wollten wir noch ein Foto machen… Aber Christian findet seine Kamera nicht, die definitiv vorher noch da war! Und damit wurde uns einer unserer heiligsten und wichtigsten Reisebegleiter gestohlen. Nach einer kurzen Überlegung wussten wir auch, wie es im öffentlichen Bus passiert sein musste. Es ist wirklich schlimm, wie man es einfach nicht mit bekommt. Aber wir wollten uns den Tag trotzdem nicht vermiesen lassen – ändern konnten wir es ja doch nicht mehr! Also ging es nach dem Zahlen hoch hinauf… Mega anstrengend, aber absolut lohnenswert! Der Ausblick auf den Stausee von Guatapé und El Peñol ist einfach nur mega. Viele kleine Inselchen, Wasser und Häuser auf den kleinen und größeren Inseln. Wir waren ziemlich geflasht und verweilten sicherlich eine halbe Stunde oben, um den Ausblick zu genießen und zu inhalieren.

Danach ging es wieder hinunter, nicht minder anstrengend wie hinauf. Bei der Straße angekommen fuhr auch gerade ein Willy vorbei, das uns für wenig Bares mit in das Dorf Guatapé mitnahm. Von dort ging unser Bus wieder retour und ein kleiner Spaziergang dort sollte nicht fehlen. Ein süßes und quietschbuntes Dorf, das einen tollen Charme hat. Wir waren wohl in der Nebensaison unterwegs, daher war es auch nicht voll gestopft mit Menschen. Unser Bus-Ticket haben wir vorher noch gekauft, denn wir mussten ja am späten Nachmittag zum Fußball-Spiel. Wir machten daher nur eine kurze Runde über den Hauptplatz und ein paar Nebengassen und aßen danach zu Mittag (gegrillten Fisch, yummy!). Da wir offensichtlich als Erstes die Tickets für diesen Bus gekauft haben, hatten wir die Plätze in den ersten Reihen und konnten es uns am Rückweg gemütlich machen.

In Medellín angekommen sprangen wir sofort in die U-Bahn, um ja rechtzeitig beim Black Sheep Hostel zu sein, von wo unsere „Guided Futbol tour“ startete. Aber alles ging glatt, wir waren rechtzeitig da, hatten sogar noch Zeit für ein Vorglüh-Bier 🙂 Dann wurden wir in einen viel zu kleinen Bus mit zu vielen Menschen gestopft (der eigentlich Tour-Bus war wohl kaputt) und düsten sicherlich eine halbe Stunde quer durch Medellín, um zum Estadio Girardot zu gelangen. Allerdings ging es zuerst mal zu einem Supermarkt, wo wir um €1 ein großes Bier kaufen konnten. Wir verbrachten dort so etwa 1,5 Stunden und tranken bereits ordentliche Mengen Bier und unterhielten uns mit all den unterschiedlichen Reisenden und den Tour-Guides 🙂 Achja, zwischendurch habe ich noch ein Trikot gekauft (Christian hatte sich am Vortag schon eines auf der Straße in Poblado gekauft) – wir wurden nämlich im Ultra-Fan-Sektor untergebracht und man weiß ja nie. Also lieber nicht auffallen 😛 Voll getankt und gut ausgerüstet ging es also zum Stadion, etwas nervös. Denn es ist relativ viel verboten – Zigaretten, Feuerzeuge, Alkohol und auch Gürtel. What? Da dürfte es mal einen Vorfall gegeben haben und ja, wir hatten unsere Gürtel mit unseren Reisepass-Kopien an, die wir natürlich nicht abgeben wollten. Meine Zigaretten habe ich im BH versteckt, den Gürtel haben wir mit der umgebundenen Jacke versteckt und war auch überhaupt kein Problem. Gott sei Dank! Na dann mal rein ins Stadion, von außen sah man schon an der Oberkante viele Personen stehen (übrigens auch viele rauchend :D). Dann waren wir auch drin und waren sofort geflasht vom Ultra-Fan-Sektor. Was für eine Dynamik und Leidenschaft! Der Rest des Stadions war naja mehr oder weniger leer, Medellín vs. Cali war zwar ein Semi-Finale, aber nicht von den besten Mannschaften. Es gibt zwei Medellín-Mannschaften – DIM und Nacional. Nacional ist die super Mannschaft, wir haben DIM gesehen (einst die Medellín-Kartell-Mannschaft), die an diesem Tag gegen das „Cali-Kartell“ gespielt hat. WOW! Vor diesem historischen Hintergrund war das sehr spannend, das Spiel selbst überhaupt nicht. War eher wie so ein österreichisches Spiel 😉 Wirklich beeindruckend waren die Fans und Gott sei Dank waren wir inmitten des Fan-Sektors. Nur dort erlebt man diese Leidenschaft so hautnah! Dauerhafter Gesang, Trommeln, Pfeifen, Jubeln, Ausbuhen, Schimpfen, Hüpfen und Tanzen – ohne jedwede Sicherungen. Ein intensiver Abend!

Nach dem Spiel ging es zum Supermarkt zurück, wo auch unser Bus parkte. Wir waren sowas von müde von dem Tag und waren dann auch froh, dass wir bald nach Hause kamen. Aber zuerst verabschiedeten wir uns von Jana und Felix, die am nächsten Tag nach San Andrés flogen und wir unsere „Reise-Abschnittspartner“ somit nicht mehr sehen würden. Wir waren eine tolle und witzige Gruppe!

Als wir nach Hause kamen realisierten wir erst wieder, dass uns an diesem Tag die Kamera gestohlen wurde. Kurzfristig waren wir beide ziemlich gepisst, denn die Kamera ist doch so wichtig für uns. Aber ja, somit war klar, dass wir den nächsten Tag zuerst einmal mit Polizei herum schlagen müssten…

Polizei-Anzeige

So einfach wie gedacht war es nicht – einfach zur Polizei gehen und eine Anzeige machen. Wäre ja gelacht! Am Ende hat es uns sieben (!!!) Stunden gekostet, bis wir die Anzeige in der Hand hielten. Blauäugig gingen wir am Vormittag zur Polizei-Station bei uns in der Nähe, gingen ein paar Schritte in den Hof hinein (da es keinen Eingang gab) und standen somit mitten in einem Gefängnis – ja!!! Ein Polizist erklärte uns, wir müssten zur Fiscalia eine Denuncia machen. Wir sollen laut Google Translate also „zum Finanzamt eine Beschwerde“ machen!? Das kann nicht korrekt sein… Also suchten wir die nächsten Polizei-Station, war dann auch 20 Minuten später gefunden, die wurde aber renoviert. An der Tür hing ein Schild mit der Ersatzadresse, etwa 35 Minuten zu Fuß entfernt. Okay… Dort angekommen war offiziell um zwölf Dienstschluss, es war zehn nach zwölf… Zwei Damen wollten uns aber noch weiter helfen, aber die verstanden unser gebrochenes Spanisch gar nicht und sie sprachen überhaupt kein Wort Englisch. Wir versuchten es alle für einige Minuten, bis die eine Dame uns einen Zettel gab mit dem Hinweis „Fiscalia, Denuncia“. Echt jetzt!? Das war also ernst gemeint!? Okay, wir hätten vielleicht mal gleich auf den ersten Polizisten hören sollen.

Die Fiscalia ist nur leider irgendwo, also haben wir ein uber bestellt, auf das wir relativ lange gewartet haben. Mit dem wir wohl etwa eine halbe Stunde gefahren sind, also ewig. Bei der Fiscalia sind wir natürlich zuerst einmal zum falschen Gebäude gelatscht, aber eine Dame hat uns dann zum richtigen Ort gebracht. Die Stelle, wo man Anzeigen macht, die nicht verfolgt werden… Als Einwohner könnte man solche von vornherein nicht verfolgbaren Delikte sogar einfach online anzeigen. Nungut, wir haben uns in die Reihe gestellt bzw. gesetzt, damit wir da mal hinein kommen. Das hat etwa 1,5 oder 2 Stunden gedauert, genau wissen wir das gar nicht mehr. Kurz bevor wir dran waren hat Christian eine Nummer in die Hand bekommen und endlich waren wir dran. Ich musste leider draußen warten, denn nur der Geschädigte darf hinein. Bei dieser Stelle wird allerdings nur einmal eine Einschätzung gemacht – achja und Englisch kann dort NIEMAND, und zwar wirklich NIEMAND!!! Das heißt Christian hat sich mit seinem bisschen Spanisch mal bei der Einschätzung durch geschlagen, bis es als „anzeigewürdig“ empfunden wurde. Danach wurde er ein Gebäude weiter geschickt, ich durfte natürlich wieder nicht mit. Dort durfte er dann endlich wirklich die offizielle Anzeige machen und noch einmal die ganze Geschichte erzählen – auf Spanisch. Etwa eine Stunde später kam er endlich wieder raus und wir waren nach etwa sieben Stunden Polizei-Martyrium endlich fertig und hielten die für uns wichtige Anzeige in der Hand… Wir hatten uns also ein Essen wirklich verdient, es war auch bereits abends. Mit dem uber ging es in unser Viertel zurück, wieder zum Chef Burger, wo wir bereits am ersten Tag waren. Dieses Mal haben wir uns noch einen Brownie mit Eis gegönnt – nach so einem Tag… Bevor wir in unser Hostel gingen, wollten wir noch nebenan eine Pablo Escobar Tour für den nächsten Tag buchen – einen Tag hatten wir ja noch zur Verfügung. Leider war diese komplett ausgebucht und somit für uns zu erschwinglichen Preisen nicht mehr zu bekommen. Das war somit das Zeichen, dass wir einen Blog- und Organisations-Tag einlegen sollten – war auch wieder einmal nötig. Das taten wir dann auch und dann hieß es auch schon wieder Packen für den nächsten Inlandsflug, wieder nach Cartagena.

Medellín: 11.9.-17.9.2017