Angekommen in Cartagena ging es wieder zum gleichen Hostel wie bereits anfangs, zu Abend gab es wieder eine Riesenpizza. Also nichts Spannendes. Cartagena war hier auch nur noch der Hub für unseren bevorstehenden Segeltrip nach Panama. Am nächsten Tag abends ging es dann auch wirklich los, etwas nervös waren wir schon. Wer ist noch mit an Bord? Wie ist die Crew? Wie hält man es dort aus? Wie ist die See? Zuerst mussten wir aber unsere 3,2 Millionen Kolumbianischen Pesos am Vormittag noch zahlen und unsere Pässe abgeben. Denn die Ausreise aus Kolumbien muss in diesem Fall schon vor der Abreise geregelt werden und das macht netterweise Bluesailing, über die wir diesen Trip gebucht haben. Ein paar Dinge wie große Müllsäcke als Schutz für unsere großen Rucksäcke und Alkohol mussten wir auch noch organisieren, war aber alles schnell erledigt. Und so machten wir uns gegen 18:30 am Weg zum Hafen…

Let’s sail with Sangria

Wir waren etwas zu früh dran, tranken also noch ein etwas teures Bier am Hafen und warteten, und zwar auf die Grenzkontrolle. Zuerst haben wir aber mal unseren kolumbianischen Captain Mike kennengelernt. Und dann kamen auch zwei Polizisten und durchsuchten tatsächlich ALLES, jede einzelne kleine Tasche in den Rucksäcken. Das hat natürlich ewig gedauert und wir waren etwas genervt, dass wir wieder alles einräumen mussten. Es war ja schon alles vorbereitet inklusive ordentlichem Wasserschutz. Naja, die nehmen das sehr genau – wegen Drogen. Ihr wisst schon – Kolumbien und so 😉

Danach ging es mal zur „Sangria“, unserem Zuhause für die nächsten Tage. Schuhe ausziehen, rauf aufs Segelboot und einmal orientieren. Dann wurden wir alle versammelt, die Crew wurde vorgestellt. Mike (Captain und Koch), sein Sohn Juan Pablo und Nestor sowie die Schweizer Praktikantin Noe – alle sehr sympathisch. Das Wichtigste zuerst: Die Regeln an Bord, was darf man angreifen, was darf man NIEMALS angreifen (weil es kaputt und sehr teuer wird…), wie geht man auf hoher See, kein Alkohol auf offener See (zu gefährlich) usw. Die Spannung stieg, aber tatsächlich los fahren werden wir am Ende erst kurz nach Mitternacht. Das heißt, wir plauderten mal mit allen, um alle besser kennen zu lernen. Wir waren mit Holländern, Franzosen und Argentiniern an Bord – eine bunte Mischung also und Spanisch sprechen war also nach wie vor an der Tagesordnung. Abendessen gab es auch schon, wo wir auch mal sicherheitshalber die starken Sea Sickness Tabletten eingeworfen haben.

Traumhafte San Blas Inseln

Ja, und dann war es soweit – nach Mitternacht wurden die Segel gesetzt und natürlich auch der Motor gestartet (mit dem Wind alleine hätten wir wohl doppelt so lange oder noch länger gebraucht). So haben wir Cartagena bei Nacht vom Wasser aus noch bestaunen können und waren aufgeregt, dass es endlich los ging und was uns erwarten würde. Gegen 1:00 oder so gingen wir dann auch in unsere Kabine, die wir mit Ne geteilt haben. Etwas klein, super heiß natürlich, aber in Ordnung. Schlafen konnten wir mittelmäßig – auf hoher See zu schlafen macht man auch nicht alle Tage und bei dieser Hitze, die sich in den Kabinen so richtig staut schon gar nicht. Wir sind immer wieder aufgewacht, aber immer wieder eingeschlafen. Und das machten wir eigentlich auch noch den nächsten ganzen Tag. Zwischendurch essen, trinken und wieder schlafen. Auf hoher See kann man nicht viel machen, zudem sind die kolumbianischen Tabletten wohl so stark, dass man extrem müde ist. Alle verbrachten den Tag eigentlich mit schlafen, dösen, essen, trinken und Meer schauen. Gibt ja auch nur das Meer weit und breit. Lange müssten wir auch nicht mehr aushalten, geplant war, dass wir gegen 14:00 am nächsten Tag bei er ersten Insel in der San Blas Inselgruppe ankommen, was auch wirklich so war. Wo wir dann auch endlich ins dringend nötige Wasser springen konnten (hab ich schon erwähnt, dass wir keine Dusche an Bord hatten?) und wieder ein kühles Bier schlürfen durften. Dort angekommen waren alle total aus dem Häuschen, es war einfach so paradiesisch schön. Einsame, kleine Inseln mit wunderschönen Palmen und wir. Zudem hat Mike noch frischen Lobster von einheimischen Fischern gekauft – die Vorfreude aufs Abendessen war also auch schon groß. Und so verbrachten wir den Tag mit schnorcheln, Insel erkunden, viel zu viel Alkohol und am Ende einem fantastischen Abendessen (ich hatte drei Lobster – nom nom).

Kurz vor Sonnenuntergang kam noch ein anderes Segelboot (auch von Bluesailing) an, das unserem Captain mitteilte, dass es neue Regelungen für die Einreise in Panama gibt (wenn man länger als 48 Stunden in Panama bleibt, zahlt man 100 USD – what the fuck!?!?). Das wusste niemand, da es offensichtlich ein gerade erlassenes Gesetz war – übrigens nur, wenn man per Boot ins Land kommt. Große Aufregung und Versuche den Anwalt anzurufen, um das zu klären. Am Ende müsste Mike das zahlen, da es unvorhergesehen war. Unser Fall war etwas unklar, denn unser Flug aus Panama City ging 54 Stunden nach Einreise – je nachdem, wann wir genau einreisen würden. Die Insel, wo man offiziell einreist, ist die letzte, die man anfährt. Naja, Mike kümmerte sich um das und wir dachten dann einfach nicht mehr daran – es wird eh so kommen, wie es kommen wird…

Am nächsten ging es weiter zur nächsten Insel mit einem atemberaubenden Frühstück – Waffeln, Nutella (!!!) und Früchten. Es war ein Traum 🙂 Und so segelten wir durch die wunderschönen und paradiesischen San Blas Inseln mit zwei Stopps am Weg – zum Schnorcheln natürlich. Der letzte Stopp war unser Nachtplatz, wo wir nachmittags wieder lange schnorcheln waren, allerdings nicht wahnsinnig viel gesehen haben. Die drei Argentinier lieben das Speerfischen und kamen plötzlich mit einem Baby-Hai an, den sie gefangen haben. What!? Ein Baby-Hai (Reef Shark)? Ja, richtig gehört und er tat sich wirklich schwer beim Sterben, aber unsere Crew war auf der Insel, um alles für das abendliche Barbecue vorzubereiten. Christian und ich wussten nicht, was wir machen sollten. Also beließen wir es dabei, wir sind keine Fischer und haben keinen Plan davon. Die Argentinier waren auch schon wieder weiter fischen… War jedenfalls nicht sehr schön anzusehen. Danach ging es mit dem „Thingi“ auf die Insel, wo wir den Abend mit einem fantastischen Barbecue verbrachten. Die Insel ist sogar bewohnt – von vielleicht 20 Personen und vielen Hunden. Wir spazierten die Insel auch etwas ab, es war traumhaft.

Der nächste Tag war im Prinzip wie der vorige – Inseln abfahren, schnorcheln, essen und das Leben genießen. Da Mike die Geschichte mit der Immigration keine Ruhe ließ, machte er eine Planänderung. Wir fuhren zunächst die Immigrations-Insel an und nicht wie gepant die letzte Insel für diesen Tag. Die Immigration würde eigentlich für den nächsten Tag am Plan stehen. Aber ja. Am Ende machten wir leere Kilometer, denn viel verhandeln konnte er nicht. Wir fuhren also dann zur letzten Insel für diesen Trip, wo wir wie üblich schnorcheln waren. Christian und ich wanderten über die ganze Insel, wo man sogar zelten kann oder sich kleine Cabins am Strand mieten kann. Sehr idyllisch und wie immer wunderschönes türkises Meer, Sand und Palmen. Etwa drei Kilometer entfernt lag ein gesunkenes Schiff (ist vor einem Jahr ins Riff gekommen), wo manche sogar hin sind zum Schnorcheln. Uns war das zu weit, wir haben dann die Ruhe an Bord genossen, da nach unserer Tour nur Mike und wir dort waren. Es war herrlich! Zum Abendessen gab es Ceviche – roher Fisch klein geschnitten mit Zitronensaft, Essig und Kräutern. Der Hai wurde hierfür auch verarbeitet! Wir haben also Baby-Hai gegessen… Nicht unbedingt das, was wir uns so vorgestellt haben, aber ja…

Nach dem Essen kam ein schweres Unwetter – zuerst nur einmal mit starkem Regen, in dem sich auch ein paar, unter anderem wir, auch geduscht haben (ach, war das schööön :)). Und dann kam ein Gewitter quasi direkt über uns. Das war beängstigend… Mike ließ gleich alle Geräte abschalten, es soll ja nichts kaputt werden und der Blitz könnte durchaus auf unserem Boot einschlagen. Waaaas? Mike erzählte uns, dass er das auch wirklich schon erlebt hätte und man den Blitzeinschlag auch deutlich im Körper spürt… OMG! Wir hatten Glück, es ist nichts passiert. Wir vertrieben uns die Regenzeit mit Poker spielen – wir spielten mit Maiskörnern als Einsatz 😀

Der nächste Tag stand im Zeichen der Immigration. Alle zusammen brauchten wir am Ende etwa 3,5 Stunden für die Einreise – wir waren übrigens die einzigen, die da gerade einreisen wollten. Die Uhren ticken dort ganz anders. Für uns konnte verhandelt werden, dass Mike keine Gebühr zahlt, da es so knapp bei den 48 Stunden war. Für die Franzosen und Holländer war aber nichts möglich… Und das hat uns wirklich alles viel Zeit gekostet… An Bord sprangen wir alle nochmals ins Wasser, es war so unglaublich heiß und schwül, hatten Asia-Nudelsuppe und dann ging es los Richtung Puerto Lindo. Es dauerte weit länger als geplant, dass wir dort ankommen. Ich glaube, es war etwa 23:00 Uhr. Wir verabschiedeten uns herzlich von der Crew, die wirklich Tolles geleistet hat. Es war einfach wie Urlaub, wir mussten nichts machen, sogar Wasser in die Flaschen haben sie uns abgefüllt. Fantastisches Essen, viel Humor und traumhafte Inseln – was will man mehr!? An Land ging es dann mit allen Passagieren zusammen mit einem Shuttle nach Panama City, was etwa 1,5 Stunden dauerte. Wir kamen also um 1:00 früh in unserem Hostel an, an einem Samstag… Party war also angesagt 🙂 In unserem Mehrbettzimmer fühlte es sich an, als würden wir direkt im Club stehen, der Boden wummerte und vibrierte so stark von der Musik unter uns. Wahnsinn! Wir gingen aber zuerst einmal ausgiebig duschen, denn die war so richtig nötig! Gegen 2:30 lagen wir dann im Bett und versuchten bei diesem Lärm und der Klimaanlage, die wohl auf 17 Grad eingestellt war, zu schlafen.

Panama City

Wir waren also in Panama City, haben uns nicht wirklich informiert darüber und wussten noch nicht so recht, was wir machen sollten. Außer ganz klar – der Panama Kanal. Das ist ein absolutes Muss, wenn man dort ist. Während dem Frühstück haben wir jedenfalls zwei Schweizer getroffen, die im gleichen Hostel in Cartagena mit uns waren und zugleich gesegelt sind, allerdings mit einem anderen Boot. Mit denen haben uns wir dann auch gleich ausgemacht, dass wir mit ihnen und den anderen von ihrem Boot den Kanal besichtigen. Das taten wir dann auch, wir hatten es nicht allzu weit zur Schleuse Miraflores, die ein tolles Museum dabei hat, das wir ausgiebig erkundet haben. Wirklich interessant wird es natürlich dann, wenn so ein Mega Riesenschiff durch geschleust wird. Irgendwann kam auch die Durchsage, dass in etwa 45 Minuten ein großes Schiff erwartet wird. Das war echt mächtig und es war ziemlich beeindruckend, wie das alles funktionierte und wie groß und überdimensional das alles war.

Nach diesem Abenteuer gingen wir nahe dem Hostel noch auf ein Bier mit allen. Mit Fabienne und Räto, den beiden Schweizern, erkundeten wir dann noch den Fischmarkt, wo wir Abend gegessen haben. Das war vielleicht lecker! Danach trafen wir auch wieder die anderen, um noch ein paar Bier zu trinken und zu plaudern – wieder eine schöne Mischung: Schweiz, Irland und Neuseeland (merkt euch die Iren ;)).

Da am nächsten Tag unser Flug nach Costa Rica erst nachmittags ging, hatten wir noch Zeit uns die Altstadt und die Skyline von Panama City anzusehen. Und ich muss sagen, ich war sowas von überrascht! Ich hatte mir nicht so viel von Panama City erwartet, aber die „Casco viejo“ (Altstadt) ist traumhaft schön. Bisschen wie man es sich in Havanna/Kuba erwartet. Bisschen abgefuckte koloniale Häuser, aber alles mit so viel Charme. Wirklich toll! Und die Skyline auch toll, man sagt, es sei wie das kleine Miami dort. Wir waren noch nie in Miami, aber ich kann mir das gut vorzustellen. Es hat sich jedenfalls ausgezahlt, dass wir 1,5 Tage dort waren und auch so ein bisschen etwas von diesem Land erleben konnten. Da hätten wir auch tatsächlich mehr von dem Land einplanen sollen – aber ursprünglich stand Panama für uns gar nicht am Plan. Ja und so ging es nachmittags zum Flughafen, wo wir das erste und bis jetzt einzige Mal unseren Impfpass beim Check In zeigen mussten. Costa Rica ist offensichtlich etwas heikler wegen Gelbfieber, wenn man aus Südamerika kommt. Für uns kein Problem, wir sind ja geimpft. 🙂

Cartagena, Segeln San Blas & Panama City: 17.9.-25.9.2017