Die letzte aktuell geplante Gruppenreise stand vor der Tür. Wir hatten einen Tag, um San José, die Hauptstadt Costa Ricas, zu erkunden, bevor wir unsere Gruppe und unseren Guide kennen lernten. Nachdem wir dann aber vom Flughafen zum Hotel sogar länger gebraucht haben als von Panama City nach San José, machten wir abends nichts mehr außer einen Supermarkt-Besuch.

San José

Für uns die einfachste und schnellste Art viel von einer Stadt in kurzer Zeit zu sehen, sind Free Walking Touren. Die Guides sind immer Einheimische, somit lernt man auch einfach Locals kennen, die viele Geschichten auf Lager haben und in kompakter Zeit die Historie und wichtigsten Ereignisse der Stadt und meist des Landes erzählen. In San José haben wir auch eine Tour gefunden – wir waren effektiv nur einen Tag dort, daher war das mit Abstand am effizientesten. Gestartet wurde beim Theater, um dann durch den Stadtkern unterschiedliche Viertel kennen zu lernen. Sehr beeindruckend ist, dass Costa Rica keine Armee hat und zwar bereits seit 1949 und sie ein ordentliches Gesundheitssystem aufweisen. Die Stadt selbst war jetzt nicht so extrem wow, aber hatte einen bestimmten Flair. Das lag aber wohl an den Einheimischen, die mit ihrer Pura Vida Einstellung einfach mega gechillt sind.

Dann war’s auch schon soweit – Gruppentreffen um 18:00. Vom Informationsblatt wussten wir schon, dass wir eine Gruppe von 17 Personen sein würden. Gegen sechs trudelten also fast alle beim Treffpunkt ein. Wie immer gab es hier auch eine Vorstellungsrunde, die Namen merkt man sich natürlich trotzdem nicht. Sind einfach zu viele neue Gesichter 🙂 Danach kommen die obligatorischen g adventures Regeln und was so auf die Gruppe zukommt usw. Unser Guide Javier aus Costa Rica hatte die klassische Pura Vida Einstellung und war extrem gechillt und entspannt. Vom ersten Eindruck her waren alle sehr cool drauf, eine bunte Mischung aus der ganzen Welt. Ein paar werden 33 Tage beisammen sein. Die Tour kann man entweder komplett buchen oder nur die ersten 18 oder die letzten 15 Tage. Von den 17 Personen machten tatsächlich elf die lange Tour.

Nach dem ganzen offiziellen Zeug ging es zum ersten Gruppen-Abendessen in ein „Soda“. Das sind die traditionellen einheimischen, meist familienbetriebenen, Lokale in Costa Rica bzw. überhaupt Zentralamerika. Wir hatten ein typisches „Casado“ – man stellt sich seine Mahlzeit aus Reis, Kochbananen, Fleisch, Fisch oder gedünstetem Gemüse einfach selbst zusammen. Dazu gab es „Cas“ Saft, eine typische Frucht. Es war sehr günstig und super lecker! Den Saft habe ich leider nirgends mehr entdeckt, der ist eher typisch für die Region Guanacasté. Die Gruppe hat sich jedenfalls schon beschnuppert und wir redeten kreuz und quer. Es waren alle super nett und sofort sympathisch, wir waren also guter Dinge 🙂 Danach ging ein Teil schon auf’s erste gemeinsame Bier.

La Fortuna

Am nächsten Tag ging es auch schon weiter nach La Fortuna, dem Dorf am Rande des Vulkans Arenal. Dort hatten wir tolle Cabins und waren alle ziemlich überrascht von der Unterkunft. Wir hatten sogar einen Pool, einzig der Weg ins Dorf dauerte etwas länger. Nachdem wir nur die Rucksäcke zur Rezeption geschmissen haben, ging es schon zum Partner-Touroperator, wo uns für den nächsten Tag die Qual der Wahl vorgestellt wurde. Die Region ist bekannt für die unterschiedlichsten Adrenalin-Aktivitäten, von Rafting über Canyoning bishin zu „Gravity Falls“, aber auch einen Nationalpark mit wahnsinnig dichter Tierbevölkerung konnte man sich aussuchen. Alle waren aufgeregt und niemand wusste so recht, was er nun machen sollte. Es war einfach eine zu lange Liste 😉 Christian und ich entschieden uns für das Whitewater-Rafting am Sarapiqui River der Klasse 3-4. Ich hab das ja noch nie gemacht, Christian einmal und so war ich doch etwas nervös. Man weiß ja nie. Während wir in diesem Office waren, hat es unglaublich zu schütten begonnen – hallo Regenzeit in Costa Rica 🙂

Die Gruppe beschloss, dass wir alle gemeinsam natürliche Quellen in der Nähe La Fortunas besuchen, wo man gratis baden kann. Bei dem Touranbieter konnten wir sogar einen Bus für relativ wenig Geld bestellen, der uns hin und zurück brachte. Als wir dort ankamen, waren wir jedenfalls sehr geflasht. Es war so lässig – natürliche kleine Badewannen mit heißem Wasser. Wir hatten eine Kühlbox dabei, reichlich gefüllt mit Alkohol 🙂 Super entspannend waren diese paar Stunden – heißes Wasser, Regen, kaltes Bier und gute Gespräche. Ein toller Gruppenauftakt. Zwei von der Gruppe hatten wir bis dahin aber noch nicht kennengelernt, da die zwei am ersten Abend spät ankamen und eine andere Rafting-Tour im Vorhinein gebucht hatten, die bereits sehr früh am ersten Reisetag los ging. Meaghan und Joseph lernten wir also erst abends nach unserer Badetour kennen. Javier hat ein tolles Restaurant ausgesucht, wo wir alle fantastisch gegessen haben.

Früh morgens gingen wir einmal über die Straße, um typisches Frühstück zu essen – Gallo Pinto. Reis mit Bohnen und Ei – Reis und Bohnen oder Bohnen und Reis gibt es übrigens überall und bei jedem Essen in Costa Rica (bzw. Zentralamerika). Gut gestärkt ging es dann zu unserer Rafting-Tour, die wir aus unserer Gruppe gemeinsam mit George (USA), Caoimhín (IRL), Olivia (SUI), Sam und Stacey (beide NZL) machten. Die Aufregung und Nervosität stieg an, je mehr der Guide bei der Anreise zum Fluss erzählte. Wie verhält man sich, wenn man aus dem Floss fällt? Wie holt man die anderen rein? Wie sind die Safety Regeln usw. Als wir ankamen bekamen wir unsere Ausrüstung – Schwimmweste und Helm. Wir hatten noch zwei Costa Ricaner dabei – wir hatten also zwei Boote. Christian, Olivia und ich waren mit den beiden Einheimischen am Boot und hatten einen anderen Guide als bei der Anfahrt. Der übte nochmal trocken alle Kommandos mit uns und dann hoben wir auch schon das Floss ins Wasser. Uuuuuh, es ging wirklich los – und zwar rasant! Gleich zu Beginn kamen wir in Schnellen rein mit vielen Felsen. Wow! Danach warteten wir relativ lange auf die anderen, da die nicht mehr raus kamen aus der Schnelle. Die hatten dort auch ihre „Nahtoderfahrung“, da sich das Floss aufgestellt hat und das gleich zu Beginn. Das Raften hat mir so viel Spaß gemacht, ich hätte es sofort nochmals gemacht. Wir waren insgesamt wohl drei Stunden am Wasser mit einer Wassermelonen- und Ananas-Pause und so auch immer wieder Stopps. Unser Guide war ein lustiger Kerl, schüttete uns beim Warten mit Wasser an, ließ bei den Schnellen immer wieder Leute ganz vorne sitzen. Das ist wirklich eine Spezialerfahrung, einfach mal tief durch durch’s Wasser, das über einen drüber kommt. Da spürt man die Kraft des Wassers so richtig stark. Es war soooo toll und sooo witzig! Danach hatten wir noch ein hervorragendes Mittagessen dabei und kamen müde im Quartier an – genossen aber den restlichen Nachmittag am Pool und plauderten. Abends zogen wir ohne Guide los und suchten auch doch gleich mal unabsichtlich das teuerste Lokal aus. War dann leider zu spät – Tische für 17 Personen waren gestellt, Wasser war schon am Tisch und dann wollte niemand mehr sagen, dass wir doch woanders hingehen. War jedenfalls sehr enttäuschend und wir waren nicht die einzigen, die noch hungrig waren nach dem Restaurant-Besuch. Also gönnten wir uns noch ein Eis, bevor wir noch in eine Bar gingen, die Live Musik hatte.

Monteverde

Weiter ging’s am nächsten Tag nach Monteverde – eine tolle Fahrt über den Lake Arenal war auch dabei. Herrliche Landschaft! Während der Reisezeit gab Javier schon eine Liste mit den möglichen Aktivitäten zur Anmeldung durch – Ziplining stand da mitunter auch am Programm. Und ich war mir noch immer nicht sicher, ob ich das mit meiner Höhenangst wagen sollte oder nicht… Javier informierte sich nochmals beim Operator, ob man auch abbrechen könnte und wie hier die Regelungen sind. Nach der zweiten Zipline kann man abbrechen und bekommt sogar noch das Geld zurück. Ja klar, dann probier ich’s auf alle Fälle! Wir haben uns also für das Ziplining am nächsten Tag und am gleichen Tag noch für einen Nightwalk im Cloud Forest angemeldet. Monteverde ist ein Cloud Forest – also wie der Name schon sagt: Wolken… Man kann sich ausrechnen, dass es also viel regnet – und in der Regenzeit noch viel mehr. Und wir waren in der Regenzeit dort. Juhu 🙂

Den Nachmittag verbrachten wir mit Karten spielen, chillen, schlafen und eigentlich Nix tun. Abends gingen wir in ein „Soda“, nicht weit von der Unterkunft – mit einem extrem witzigen Besitzer. Er stellte auch sofort eine 10-Liter-Flasche „Moonshine“ auf den Tisch und erklärte die Regeln. Wenn man mehr als 30 Shots schafft, ohne zu Kotzen und man es schafft, normal zu gehe, dann bekommt man irgendetwas gratis. Wir können uns nicht mehr erinnern, was es gewesen wäre. Aber ja, so kamen wir zu starkem Alkohol und das gratis und das auch noch vorm Nightwalk 😀 Das Essen dort war Weltklasse, mit Abstand die besten Pommes Frites, die ich in meinem ganzen Leben jemals gegessen habe – wirklich!!! Wir hatten mega Spaß, George wollte Christian und mich abfüllen – aber wir gingen noch zu unsere Tierbeobachtung in den Dschungel. Hatten also jeder nur sieben Shots oder so – die waren definitiv auch schon genug.

Die Fahrt zum Nightwalk war eine unserer lustigsten Fahrten überhaupt, denn Sam war sowas von betrunken, dass so viele Insider eigentlich bei dieser Fahrt entstanden sind. Aber diese Details werden nicht publiziert 😉 Der Nightwalk war natürlich witzig, aber durch den Lärmpegel der Betrunkenen haben wir sicherlich das ein oder andere Tier nicht gesehen… Was wir aber gesehen haben: Faultier (gaaanz weit oben im Baum), Tukan, Tarantula und einen kleinen Rotaugenlaubfrosch. Wir sind über eine Stunde in dem Dschungel-Abschnitt herum gelaufen, der Guide hat immer wieder gehorcht, was in der Nähe sein könnte. Es ist natürlich nicht so einfach, die Tiere dann zu sichten, aber trotz allem hat man in der Dunkelheit die besten Chancen Tiere zu sehen. Summa summarum war es eine nette Tour, aber jetzt auch nicht so überwältigend – der Tukan war cool! Das Faultier war leider so weit weg, dass wir im Prinzip nur einen Punkt im Baum gesehen haben.

Ich konnte diese Nacht nicht wirklich gut schlafen, denn ich war wirklich extrem nervös wegen dem Ziplining am nächsten Tag. Extrem müde waren wir frühstücken bei einem kleinen süßen Familienbetrieb, Gott sei Dank waren wir 1,5 Stunden vor Pick Up für’s Ziplining dort. Denn es dauerte wirklich ewig und wir waren zu acht oder so. Aber die Dame war dann doch etwas überfordert mit der Personenanzahl. Es ging sich Gott sei Dank aus, dass wir pünktlich um 11:00 bereit waren für die Abholung. Mein Puls war zu diesem Zeitpunkt schon bei 120 oder so 😉 Ich war wirklich extrem nervös… Nagut, wir kamen dort an, bezahlten die Tour, gaben alle Sachen ab inklusive meiner Brille. Und dann ging es schon zur Ausrüstung – ruckzuck wurden die Gurte angelegt, die Karabiner fest gezurrt, Helm aufgesetzt und Handschuhe verteilt. OMG, mache ich das gerade wirklich? Ich war so nervös, dass ich zum Weinen begonnen hab. Das war mir doch irgendwie zu steil und ich kämpfte nach wie vor mit der Entscheidung, ob ich durchziehen soll oder nicht. Ein Mitarbeiter bemerkte das jedenfalls und kam gleich her und wollte wissen, was los ist. Er hat mir nochmals versichert, dass alles extrem sicher sei und dass jetzt nur meine Gefühle mich überwältigen würden. Er bot mir dann an, dass ich einen Guide mit dabei haben könnte, damit ich mich noch sicherer fühle. Das Angebot habe ich sofort angenommen, denn selbst zu bremsen, während ich mit der Angst kämpfe, war mir dann doch zu viel.

Und dann ging’s auch schon los – mit mir. So schnell konnte ich gar nicht schauen, war ich bei der ersten Zipline schon eingehängt mit meinem Guide und es ging schon hinüber. Die erste Line war super kurz, vielleicht 15 Meter. War also nicht so schlimm, die zweite war schon länger, aber noch nicht sehr hoch. Also alles okay. Abgesehen davon, dass die mich so schnell durch geschleust haben, dass ich mich sowieso nicht hätte wehren können. Die Lines wurden natürlich immer länger und höher. Mit dem Guide war das aber alles okay. Dann kam eine wirklich hohe und ich war ziemlich am Verzweifeln, es war wirklich hoch. Aber der Guide konnte mich gut beruhigen und ich habe es überlebt. Und dann… kam DIE Zipline! Die höchste und längste in Zentralamerika – im Superman-Style natürlich nur ohne Guide möglich. Ich war übrigens zu diesem Zeitpunkt dort angelangt, wo ich nicht zurück konnte. Also musste ich es machen und war sowas von nervös. Der Beginn sah noch nicht hoch aus, aber man sah vom Startpunkt das „Baumtor“ hinaus… Irgendwann habe ich mich einfach einhängen lassen und hab’s einfach gemacht… Und ich bin dabei fast gestorben. Man wird sowas von schnell – und ihr wisst, ich hasse Beschleunigung und schnelles Tempo… Und dann kam ich durch dieses Tor und war plötzlich in 200 Meter Höhe mit etwa 100 km/h und das auch noch fast 2 km… Oh mein Gott! Ich hab die halbe Line nur geschrieen und fragte mich die ganze Zeit, warum ich das mache… Diese Zipline dauert etwa 1 Minute 15 Sekunden, also wirklich laaange! Als ich ankam, wartete Christian auf mich und ich kam im Schock an. Ich zitterte am ganzen Körper und weinte, was das Zeug hielt. Es dauerte auch relativ lange bis ich mich beruhigt hatte. Es war sowas von nicht mein Ding und einfach wirklich extrem noch und ich weiß eigentlich noch immer nicht, warum ich das freiwillig gemacht habe. Aber ich hab’s getan und bin stolz auf mich – aber ich werde es nie wieder machen 😉 Nach dieser Zipline mussten wir natürlich noch eine nehmen, um wieder zurück zu kommen. Die ist auch wieder im Superman-Style und Gott sei Dank nicht so lange. Und dann war ich fertig – mit den Nerven. Neun Ziplines mit extremer Höhenangst, unglaublich! Nach den Lines gab es noch die Möglichkeit den „Tarzan Swing“ zu machen, den ich dankend abgelehnt hab. Christian hat’s echt gemacht – ein Fall aus 40 Meter, dann schwingt man wie Tarzan hin und her. Unglaublich hoch und beängstigend, für mich. Ich bin froh, dass ich das nicht versucht habe, ich glaube, da wäre mein Herz stehen geblieben. Aber ich habe das Ziplining gemacht und bin nach wie vor stolz auf mich. Das ist „Going out of your comfort zone“ und zwar so richtig!

Das war also Costa Rica – Adrenalin pur! Nach diesen aufregenden Aktivitäten ging es Richtung Nicaragua, wo etwas entspanntere Dinge am Programm waren…

Costa Rica: 25.9.-1.10.2017