Nach des aufregenden und adrenalinreichen Auftakts unserer langen Gruppentour ging es nun Richtung Nicaragua. Erster Stop: Isla de Ometepe, die weltweit größte Vulkaninsel in einem Süßwassersee. Angeblich gibt es sogar Bullenhaie im Nicaraguasee, und das obwohl es Süßwasser ist. Einer Sage nach ist Ometepe und die nördliche Insel Zapatera aus einer Liebesgeschichte entstanden. In Zentralamerika gibt es generell viele Mythen und Sagen für die Entstehung vieler Orte und meteorologischer Phänomene. 🙂 So wie in Costa Rica das „Pura Vida“ der allgemeine Leitspruch der Einheimischen ist, so ist es „Deacachimba“ in Nicaragua und heißt so viel wie „cool“ und kann eigentlich immer eingesetzt werden, unbedingt mit der richtigen Handhaltung à la „Hang Loose“ in Hawai’i.

Isla de Ometepe

Sechs Stunden, ein privater Minibus bis zur Grenze, ein mühsamer Grenzübergang mit Starkregen und einem Chicken Bus später kamen wir in San Jorge an, um dort die Fähre zur Insel zu nehmen. Wir mussten etwas warten, hatten aber super sonniges und heißes Wetter und alle genossen die halbe Stunde mit einem Kaffee oder anderen Erfrischungen bis es auf die Fähre ging, auf der es dann auch wieder zu regnen begann. Habe ich schon erwähnt, dass wir in der Regen- bzw. Hurricane-Saison in Zentralamerika waren? Man gewöhnt sich daran, eine Regenjacke sollte immer mit dabei sein und ein Schutz für den Daypack. Bei Reisetagen sollte der große Rucksack immer, wirklich immer, in der Regenhülle eingepackt sein – sonst hat man einiges zu trocknen 😉

Nach etwa einer Stunde kamen wir in Moyogalpa an, wo wir uns erstmal mit dem hiesigen Bargeld „Córdoba“ und Snacks eindeckten. Noch einmal 20 Minuten später mit dem Minibus kamen wir endlich in der Community Dilany an, wo wir die nächsten beiden Nächte unseren Homestay hatten. Alle waren schon aufgeregt – vor jedem Homestay kommen die gleichen Fragen: Wie sind sie? Schafft man es zu kommunizieren? Usw. Zuerst wurden aber uns noch die optionalen Touren für den nächsten Tag vorgestellt: Super anstrengende Wanderung auf den Vulkan Concepción, Lazy Tour oder Super Lazy Tour. Wir entschieden uns nach langem Hin und Her für die Lazy Tour 🙂 Lazy übrigens deshalb, weil alles verglichen zu beiden Vulkan-Wanderungen ziemlich gemütlich erscheint 😉

Danach war die „Familien-Zuteilung“ dran. Wir waren bei zwei super netten Schwestern mit einer kleinen Farm, die wir aber erst am nächsten Tag sehen würden. Es war bereits dunkel als wir vom Community Center zum Haus (quasi direkt am See) gingen. Dort wartete die zweite Schwester und sogleich wurde auch schon das Abendessen kredenzt. Das war sooooo guuut – Fisch mit Reis, Bohnen, Salat und Platanos (frittierten Bananen). Da wir den ganzen Tag nicht ordentlich gegessen haben, haben wir sogar noch einmal nach genommen – es war genügend da und die beiden haben sich wahnsinnig darüber gefreut, dass es uns schmeckt. Mit unserem gebrochenen Spanisch konnten wir auch halbwegs gut plaudern und erfuhren so mehr über die Familie und das Leben. Nach dem tollen Essen spazierten wir noch hinaus, um ein bisschen die Umgebung beim Wasser zu erkunden. Es gab hunderte Kröten dort, es war sozusagen ein gratis Kröten-Konzert 🙂 Dann war der lange Tag auch schon zu Ende. Im Zimmer hatten wir ein Haustier, eine kleine Kröte und Gott sei Dank auch zwei Ventilatoren und ein Moskitonetz, denn es war extrem schwül und stickig.

Die Lazy Tour begann erst um 9:00, somit konnten wir gemütlich erst um 8:00 mit der Familie frühstücken – es gab Reis und Bohnen – und uns noch ein bisschen umsehen; die Schwestern haben Schweine, auch Babyyy-Schweinchen, Esel, Pferde, Obstbäume und einen sprechenden Papagei 🙂 Unsere ganztägige Insel-Tour startete mit der Erkundung des Parque Ecológico Charco Verde, wo wir viele tolle Tiere und Pflanzen bewundern konnten. Schmetterlinge, Gottesanbeterinnen, Palmen, Obstbäume, Vögel, Affen und viele mehr. Es gibt dort sogar Jaguare, haben wir allerdings nicht gesichtet. Wir wanderten durch diesen großen Park auf den Spuren von Charco Verde, nachts sollte man im Park nicht mehr sein – es wird gemunkelt, dass er dort nach wie vor herumspukt 😉 Irgendwann kamen wir bei einer tollen Bucht an, wo wir einen schönen Blick auf den südlichen Vulkan der Insel hatten. Danach wanderten wir wieder retour, um zu den präkolumbianischen Petroglyphen (Steinzeichnungen) der Insel zu fahren, diese findet man überall auf der Insel. Das war super spannend! Unzählige unterschiedliche Figuren und Symbole, alle unterschiedlich interpretierbar. Während wir bei dem einen Stein die Zeichnungen bewunderten, gab es ein Ameisen-Spektakel. Vom Dach sprangen kleine Ameisen mit ihren Babys, weil Treiberameisen dort waren und alles dort fressen wollten. Sogar eine Heuschrecke ist hinunter gesprungen. Der Guide empfahl uns uns zu distanzieren, offensichtlich sind die auch für Menschen schmerzhaft. Ein Skorpion wäre dort auch gewesen, hat sich dann aber vor uns versteckt. Dafür saß dann am Boden eine Skorpion-Spinne, creepy!!! Aufgrund des aktiven Tierumfelds gingen wir weiter zu den nächsten Petroglyphen und bewunderten weitere interessante Zeichnungen.

Unser Mittagessen hatten wir direkt an einem einsamen Strand, wir bekamen einen Mix aus allem Möglichen und unglaublich leckeren Maracuja-Saft. Gott, ich sag euch, ich war im Himmel – immer und überall gab es frischen Maracuja-Saft. Soooo lecker! Beim Essen waren die ganze Zeit diese tollen weiß-blauen Vögel anwesend und warteten nur darauf, dass Krümel hinunter fielen. Nach der Stärkung ging es Richtung Entspannung. Der letzte Programmpunkt war das „Ojo de Agua“, sogenannte „cool springs“. Es handelt sich um natürliche Wasserquellen, allerdings nicht warme, sondern eher kühle. Da es aber so heiß war, kam das gerade recht – eine wirklich wohltuende Abkühlung. Es gab eine Slackline über’s Wasser, wo sich einige versuchten oder auch eine Liane von einem Baum. Für ein paar Cordobas konnte man auch frische Kokosnüsse schlürfen oder auch eine Kokosnuss mit Rum (Coco Loco) ordern. Nach diesem aufregenden und ereignisreichen Tag ging es für uns zurück zum Community Center, wo es abends ein Community Get together mit einheimischen Tanz gab.

Bis es soweit war, chillte die ganze Gruppe mit Bier und Cocktails und jeder erzählte sich von seinem Tag – denn es wurden alle drei Touren gebucht, so hatte also jeder zu berichten. Sobald das Buffet eröffnet wurde, wurde es etwas ruhiger, der Hunger war wohl groß. Alle genossen das Essen und waren schon gespannt auf den bevorstehenden Tanz. Für den Tanz zahlte jeder von uns zwei US-Dollar, quasi als Spende, damit sich die Community weiterhin die Kostüme etc. für die Gruppe leisten kann. Von klein bis groß tanzten Mädchen und Burschen tolle, einheimische Tänze mit bunten und großen Kostümen. Beim letzten Tanz wurde natürlich dann auch das Publikum eingebunden… Während des Tanzes hat es massiv zu schütten begonnen, so stark, dass man sofort klitschnass gewesen wäre. Da wir einen Heimweg von etwa 15 Minuten hatten, wollten wir abwarten. Wir waren die letzten und haben es sogar geschafft, dass es nur noch leicht regnete und wir halbwegs trocken zu Hause ankamen.

Granada

Nach unserem letzten Frühstück mit der Gastfamilie hieß es auch schon wieder ab zum Transfer. Jeder wurde mehr oder weniger vorm Haus abgeholt und zum Hafen gebracht, wo es wieder mit der Fähre zum Festland ging. Der nächste Stop hieß Granada und dieses Mal fuhren wir alles mit öffentlichen Bussen, sogenannten Chicken Busses. Die heißen so, weil man einfach alles, was man sich so vorstellen kann, mitnehmen darf – eben auch Hühner. Insgesamt waren es zwei oder drei verschiedene Chicken Busses, die wir nehmen mussten. Einer schriller als der andere. Bei dem einen mussten wir recht lange warten, bis wir abfuhren und es stiegen permanent Verkäufer ein und schrien (und zwar wirklich schreien!) alles Mögliche – von diversem Essen bishin zu Elektronik, Fernbedienungen konnte man einfach alles kaufen. Es war ein absolut schrilles Spektakel, muss man aber mal erlebt haben. G Adventures macht das wohl auch deshalb, denn mit dem privaten Transfer wären wir in 1,5 Stunden in Granada gewesen, mit den öffentlichen Bussen waren es dann so um die vier Stunden. Es ist heiß, es ist laut, die Sitze sind mega unbequem, aber wenn man müde ist, kann man sogar dort schlafen – ich konnte es zumindest irgendwie 😉 In Granada angekommen sollte uns ein Minibus zum Hotel bringen – wir warteten in der brütenden Hitze etwa 40 Minuten auf den Bus, der dann auch noch viel zu klein war für 18 Personen. Ich glaube, vier sind am Boden zwischen allen gequetscht gesessen. Die Fahrt dauerte aber tatsächlich nur fünf Minuten, war also erträglich für die kurze Zeit.

Das Hotel war wirklich toll mit einem großzügigen Pool und netten Zimmern. Christian und ich blieben nach diesem anstrengenden Transfer auch lieber beim Pool, alle anderen machten sich auf zum späten Mittagessen. Da wir aber sowieso ein Gruppendinner und eine Big Night Out geplant hatten, verzichteten wir darauf und genossen das kühle Nass. Bald ging es auch schon los und wir spazierten zu einem tollen einheimischen Lokal, das Javier für uns ausgesucht hatte. Super tolles local Essen und die billigsten Cocktails ever – es war sogar Happy Hour und so zahlten wir nicht einmal zwei US-Dollar für einen Cocktail 😀 Ich probierte die typische Speise „Vigorón“ – im Prinzip ein Krautsalat mit Kartoffeln, Yuca, Tomaten und knusprigem Schweinebauch. War jedenfalls sehr lecker und sehr ausgiebig. Viele andere Speisen ähneln der mexikanischen Küche, allerdings etwas abgewandelt und immer aus Maismehl. Ahja und Reis und Bohnen nicht zu vergessen, die sind quasi überall mit dabei. Wir saßen in dem Lokal jedenfalls deutlich länger als den Besitzern lieb war, die Cocktails waren so günstig, dass diese natürlich in rauen Mengen konsumiert wurden und ziemlich alle schon ziemlich lustig waren. Irgendwann, es war wohl gegen 22 Uhr, schmissen uns die Besitzer freundlich hinaus 😉 Wir hatten ja auch unsere Partynacht geplant, wo wir auch einen Shot von G Adventures spendiert bekommen.

Bei Starkregen wechselten wir das Lokal, das Pub war Gott sei Dank mehr oder weniger um die Ecke. Wir fielen also alle ziemlich betrunken dort ein und so schnell konnten wir gar nicht schauen tanzte Archie auf der Bar 😀 Die Mädels, die zuvor dort getanzt hatten, wurden quasi von uns verdrängt. Denn einige von uns schmissen uns hinauf und tanzten zur lauten Musik. Es war spontan und einfach witzig! Die offizielle Tanzfläche war übrigens nicht überdacht und so tanzten wir mitunter im Regen, wenn uns danach war. Je mehr Alkohol floss, desto mehr wurde auch getanzt. Auch Sam tanzte, derjenige, der wohl Tanzen eigentlich wirklich hasst (zumindest wunderte sich Stacey mehrmals über den tanzenden Sam) 😉 Aber nicht an diesem Abend – diesem legendären Abend. Irgendwann rutschte Sam auf der Tanzfläche aus, schmiss sein Glas hinunter und fiel somit auf sein Glas. Ein Glassplitter wurde noch vor Ort aus seinem Schienbein gezogen. Seine Frau Stacey ist aber Gott sei Dank Krankenschwester – die beiden fuhren mit Archie zusammen gleich ins Hotel, um ihn ordentlich zu verarzten. Am Ende hat sich Sam sein Knie ausgerenkt, das er übrigens noch in der Bar eingerenkt hatte, ohne dass es jemand sah, und noch einen mega langen Splitter am oberen Schienbein. Ziemlich heftig also!

Eine Stunde nach diesem Vorfall fuhren dann auch alle anderen ins Hotel – es war wohl gegen zwei Uhr früh. Und jeder wollte noch in den Pool springen, war aber verboten. Naja, war uns doch egal. Alle sprangen rein, manche sogar mit Gewand und postwendend war auch schon der Security da. Mit etwas Geld ignorierte er, dass wir zu dieser späten Stunde im Wasser waren. 😉 Am Ende waren Christian und ich wohl erst gegen vier oder so im Bett…

Unsere „Five in one Granada Tour“ startete ja auch erst um 9.00 Uhr. Völlig fertig und ohne Frühstück (länger schlafen war dann die bessere Option) warteten wir auf den Bus – die anderen waren tatsächlich alle frühstücken und wurden dort abgeholt. Und so ging unsere Hangover-Tour also los. Nach einer ersten Stadtrundfahrt ging es zu einer kleinen Bootstour bei den „Islas de Granada“, wo wir dicht beieinander die reichsten und ärmsten der Stadt sahen. Die größten und tollsten Villen auf kleinen Insel mit riesigen Yachten und recht dicht dran komplett verarmte Menschen, die in zusammengeschusterten Baracken wohnen. Ein Gegensatz, der ziemlich krass war. Auf zwei der teuren Wohn-Inseln gab es sogar Affen, sind wohl keine einheimischen Affen, die gibt es auch nur dort – wird auch Monkey Island bezeichnet. Denn die Besitzer haben diese als Haustiere. Wenn man mit dem Boot vorbei fährt, kommen sie – könnte ja etwas zu essen geben… Von einer armen Familie kam einer der Söhne zum Strand und hielt uns das Gebiss eines Bullenhais hin, das wir dann auch kurz bewundern konnten. Granada liegt am Nicaraguasee – ihr wisst schon, Bullenhaie im See. Nach dieser überaus interessanten Bootsfahrt der Gegensätze fuhren wir zu einem Friedhof, wo auch einflussreiche Politiker ihre letzte Ruhe finden. Weiter ging es in der Stadt zum Smile Café, wo ausschließlich taube Menschen arbeiten, und zwar knüpfen sie Hängematten. Normale, aber auch super mega riesige. Eine war sogar groß genug, um ein Gruppenfoto mit uns zu machen. Gefolgt wurde die Stadttour mit der Besichtigung der „Guadalupe Iglesia Colonial de Granada“, die auch einen Aufgang zum Glockenturm hat. Von dort hat man natürlich eine wunderschöne Sicht über die Stadt, es war herrlich dort oben! Von oben hat unser Guide sogar den wichtigen Boxer Nicaraguas (keine Ahnung, wie der heißt) gesichtet – der machte quasi direkt neben der Kirche in einem Lokal eine Autogrammstunde. Unser Guide wollte dann noch irgendwie organisieren, dass wir schnell ein Gruppenfoto mit ihm machen konnten. Hätte sogar geklappt, allerdings hätten wir eine halbe Stunde warten müssen und das war im Programm nicht möglich. Es wäre ein witziges Goodie gewesen, aber kein Highlight. Und so ging es dann weiter zu den wirklichen Highlights der Tour.

Zunächst ging es zu einem unglaublich wunderschönen Aussichtspunkt der „Laguna de Apoyo“, dem Kratersee mit einem tollen Blick auf den See und den Vulkan. Danach ging es zum ruhigeren Teil des Nachmittags, zum Relaxen und Schwimmen im Kratersee. Es gibt am See ein kleines Hotel, wo man auch einen Tagespass kaufen kann und somit den Seezugang und die Liegen usw. nutzen kann. Ab diesem Zeitpunkt gab es übrigens auch reichlich „Fruit Punch“, also Alkohol – war inkludiert in der Tour 😀 Wir chillten dort sicherlich zwei Stunden, bei gutem Wetter. Aber gegen fünf sollten wir jedenfalls los, denn die Lava des Santiago-Kraters am Vulkan Masaya wartete auf uns. Genau da fing es wieder mega zu schütten an… Es haben aber alle in den Bus geschafft, die einen trockener als die anderen. Beim Eingang des Nationalparks angekommen, mussten wir warten. Denn die Tore werden erst nach Sonnenuntergang geöffnet und dann auch nur geregelt. Es dürfen nur so viele hoch wie oben Platz ist. Die Wartezeit wurde vertrieben mit… Karaoke 😀 Ja! Unser Guide hatte eine Karaoke-Maschine mit, Disco-Lichter und noch viiiiieeeel Fruit Punch. Es wurde also fleißig getrunken und gesungen, bis es endlich zum Eingang ging. Ein Nationalpark-Mitarbeiter schaute einmal bei uns rein und lachte sich kaputt – es war auch sicherlich extrem witzig als Außenstehender. Ein Bus mit Karaoke und Disco-Lichtern fährt hinauf zum Vulkan. What!? Aber dann ging es endlich hinauf – das Highlight für alle. Je weiter wir hinauf kamen, desto mehr konnten wir die Lava schon erahnen. Denn die Luft glühte rotorange. Einfach alles war rotorange getaucht, es war wie in einer anderen Welt. Wir stiegen aus, liefen zum Kraterrand und waren alle sprachlos. Man sieht zwar nicht viel Lava, aber ein bisschen und die Luft runherum ist einfach nur rotorange getaucht. WOW!!! Wir inhalierten diesen atemberaubenden Anblick, für mich eines der absoluten Highlights überhaupt auf der Zentralamerika-Tour. So etwas sieht man nicht alle Tage! Einfach unglaublich!

Nach diesem aufregenden und sehr langen Hangover-Tag ging es zurück ins Hotel, wo wir dann noch Pizza bestellten und uns in Joses und Kevins Zimmer versammelten. Den restlichen Fruit Punch, den wir bei der Tour nicht getrunken hatten, haben wir sogar noch mit bekommen. Also ging es munter weiter mit dem Trinken…

Poneloya

Am nächsten Morgen ging es auch schon wieder weiter, nach Poneloya. Am Weg dorthin blieben wir aber noch in der wunderschönen Stadt Léon stehen, wo wir schöne Kirchen von außen und die Kathedrale von innen besichtigten. Wir hatten dort auch unser lokales Mittagessen, das leider absolut nicht meins war, denn so gut wie in allen Speisen war Paprika mit verarbeitet. Naja, teuer war es wenigstens nicht 😉 Nach diesem kurzen Ausflug in die Stadt ging es nur noch kurz weiter nach Poneloya. Dieses kleine Dorf liegt an einer Flussmündung ins Meer und somit muss man etwa fünf Minuten mit einem Boot auf die Seite, wo wir zu unserem Hostel weiter konnten. Unser Boot war, naja sagen wir mal so, nicht unbedingt ausgerichtet für mehrere Personen. Es fühlte sich so an, als würden wir jeden Moment untergehen, war also wieder einmal sehr abenteuerlich. Aber es ist natürlich alles gut gegangen. Danach hieß es noch eine halbe Stunde durch den Dschungel zu waten bis wir beim Hostel ankamen. Unser Gepäck wurde von einem Pferdewagen transportiert – Sam übrigens auch, der humpelte nach seinem Granada-Unfall nach wie vor. In diesem Hostel hatten wir auch alle zusammen ein gemeinsames Zimmer – ja, richtig! Ein Mehrbettzimmer für 17 Personen. Hat aber ganz ordentlich ausgesehen und sollte uns nur noch mehr zusammen schweißen. Habe ich schon erwähnt, dass diese Gruppe einfach grandios war?

Nachdem sich jeder sein Bett ausgesucht hat, sein Gepäck deponiert hatte, genossen wir alle mal den Strand bei der Surfing Turtle Lodge. Etwas Entspannung war einfach nötig. Es gab auch einen Beachvolleyball-Platz, wo wir dann auch zu sechst gespielt haben – mehr schlecht als recht, aber es hat Spaß gemacht. Zwei Deutsche haben sich dann auch noch dazu gesellt. Aber nicht lange später begann es extrem zu schütten und so verkrochen wir uns alle wieder im Zimmer. Viel Platz zum Ausweichen gab es dort nicht, denn alles war offen oder halboffen und somit nass bei Regen. George hatte sich in der Zwischenzeit still und heimlich verabschiedet und ist alleine zurück nach Léon gefahren, da er als Geschäftsmann auch zwischendurch arbeiten muss und das an diesem Platz für ihn unmöglich war.

Ich legte mich dann ein bisschen hin und bemerkte dann, dass der Regen durchs Dach ging und auf Christians Bett tropfte und bereits eine riesige Lacke verursacht hatte. Und nicht mehr lange würde es durch die Matratze auf das untere Stockbett tropfen, also auf mein Bett. Der zur Verfügung gestellte Kübel brachte auch nicht viel, die Stelle oben im Dach wurde immer größer. Also wurde uns eine Strand Lodge angeboten, die wir für uns alleine hatten. Eine Hütte direkt beim Strand mit Strandblick und privatem Bad – toll! Den Abend verbrachten wir alle gemeinsam im Gemeinschaftsbereich des Hostels, der noch irgendwie trocken war. Denn es schüttete und stürmte nach wie vor und das wirklich nicht wenig… Zwischendurch wurde durchs Hostel geschrien, dass nicht weit entfernt eine Schildkröte gerade an Land gekommen ist, um einen Platz für die Eiablage zu suchen. Im stürmenden Regen sind wir also über den Strand gelaufen, um von einer guten Distanz dieses Spektaktel zu bewundern. Sieht man auch nicht alle Tage! War schon toll, aber wirklich lange war ich dort nicht. Es war ziemlich ungemütlich bei dem Wetter und mittlerweile war meine zweite kurze Hose klitschnass – ich habe übrigens nur zwei mit. Als wir ins Bett gingen war bereits die ganze Lodge etwas feucht, denn das Wasser wurde vom Sturm rein gepeitscht, denn die Türen und Fenster waren keine, die komplett zu waren.

Die Nacht war recht unruhig, denn das Wetter wurde immer schlimmer – ein mega Gewitter war über uns und der Sturm war einfach so laut. Als wir dann in der Früh aufwachten, war alles dreckig und nass. Oben beim Dach gab es nur ein Fliegengitter und der Sturm peitschte den Regen und den Dreck von draußen einfach in unser Zimmer. Das Stockbett, das auch drin stand, war komplett durchnässt und somit auch Sachen von uns, die wir dort deponiert hatten. Christian befestigte dann ein Plastik auf unserem Moskitonetz, sodass der ganze Dreck nicht direkt auf unser Bett kommt. Aber eigentlich war es dann schon zu spät. Das Wetter war echt heftig! Als ich mich nochmal hinlegte, habe ich mir noch dazu einen Nerv im Schulterbereich eingeklemmt und konnte mich nicht mehr bewegen. Das war so schmerzhaft! Aber ja, irgendwann gingen wir mal zum Frühstück – mittlerweile war nur noch ein kleiner und ein großer Tisch trocken, den großen nutzten wir als Gruppe abwechselnd. Viele andere Gäste waren eh nicht da. Mette war so lieb und hat mich auch massiert, kurzzeitig war es also besser mit meinem Nerv. Zu Mittag schaute ich dann mal ins Zimmer rüber und es war einfach alles nass. Der Boden stand etwa 2-4 cm unter Wasser und die Matratzen waren komplett durchnässt und nicht mehr nutzbar. Wir klärten dann auch gleich mit der Managerin, dass wir doch noch einmal wechseln möchten. Idealerweise in ein trockenes Bett für diese Nacht 😉 Es hat übrigens überhaupt nicht zu stürmen und regnen aufgehört, es war ein Ausläufer vom Hurricane „Nate“, man nennt es auch Tropischer Sturm. Für diesen Tag war am Nachmittag die Sturmspitze angesagt und dann sollte es weniger werden. Bis in die Nacht war es nicht wirklich besser, aber wir haben einfach gefaulenzt, gespielt, Film geschaut, geplaudert, Karten gespielt und natürlich auch wieder irgendwann zu trinken begonnen 😉 Ein paar auch noch recht lange, eine spontane Party sozusagen. Da ich mich nicht ordentlich bewegen konnte, ging ich recht früh ins erste trockene Bett für diesen Aufenthalt 🙂 Achja, und da hatte ich dort dann auch das erste (!) Mal WLAN-Empfang. Die zwei Tage in der Lodge waren also wirklich back to the roots und das bei diesem Wetter. 🙂

Der nächste Morgen begann sehr früh – 5:30 Frühstück. Ich wachte mit noch schlimmeren Schmerzen als am Vortag auf und konnte mich noch weniger bewegen… Aber hilft ja nichts – Augen zu und durch! Allerspätestens um 6:30 mussten wir wieder zu unserem Bootsplatz wandern, damit wir wieder nach Poneloya können, denn ein wirklich laaanger Reisetag stand vor der Tür. Alle bangten, dass das Wetter auch wirklich besser ist, wenn wir los müssen. Bei diesem Sturm wollte niemand auch nur fünf Minuten mit dem Boot hinüber fahren. Aber Gott sei Dank, alles gut! Über Nacht hatte sich das Wetter beruhigt! Wir konnten somit wirklich weiter, es hätte auch passieren können, dass wir noch einen Tag fest hängen. Denn die Boote fahren bei dem Wetter ja auch nicht alle, klarerweise.

Wieder in Poneloya angekommen ging es mit dem privaten Minibus zur Grenze. Aber eine Planänderung musste her, denn eigentlich war es geplant, dass wir von Nicaragua mit einem Boot direkt nach El Salvador fahren, der tropische Sturm hatte aber die Straße zum Hafen in Nicaragua zerstört, sodass wir dort definitiv nicht hin konnten. Also war der Plan natürlich komplett über Land zu fahren, heißt aber auch zwei Grenzübergänge an einem Tag: Nicaragua-Honduras und Honduras-El Salvador. Am Weg zur erste Grenze hatten wir dann doch tatsächlich auch noch einen Unfall mit unserem Bus. Ein Auto kam irgendwie von links (hat von der anderen Seite eingebogen oder so) auf unsere Straßenseite, ohne zu schauen. Wenn unser Fahrer nicht abgebremst und etwas ins Bankett gefahren wäre, wären wir frontal mit dem Auto zusammen gestoßen. Dann standen wir da, der rechte Vorderreifen hing hinunter vom Asphalt. Denn ein echtes Bankett gab es dort nicht. Da war gleich ein Hügel hinunter. Wir mussten also alle mal aussteigen und waren doch alle etwas geschockt. Es hätte so viel mehr passieren können… Einige Einheimische von den Häusern, die bei der Straße wohnen, kamen angelaufen, um zu helfen. Mit vereinten Kräften schoben sie den Bus zurück, sodass alle Reifen wieder Bodenhaftung hatten. Nach einer 1-minütigen Reifen-Inspektion des Fahrers ging es auch schon wieder weiter. Wir hätten der Inspektion gerne mehr Zeit gewidmet, aber in diesen Ländern wird nicht lange gefackelt. Offensichtlich ist da nichts, also einfach weiter fahren. Etwas mulmig war uns schon. Aber ja, bleibt uns ja eh nichts Anderes übrig. Der erste Grenzübergang nach Honduras war ziemlich zach, die wollen sogar die Fingerabdrücke und es dauert relativ lange – abhängig vom Grenzbeamten. Ich hatte einen wirklich laaaangsaaaamen… Wir mussten dann auf unseren neuen Bus noch sicherlich eine halbe Stunde warten, war ja auch nicht geplant und somit spontan organisiert. Durch wirklich kaputte Straßen ging es quer durch die Schönheit Honduras‘. Dann nach El Salvador, wo wir dann noch einmal einige Stunden mit dem nächsten Bus unterwegs waren. Bis wir schließlich um 23:00 in Suchitoto ankamen. Der Reisetag dauerte also im Endeffekt etwa 17 Stunden… George, der ja in Léon war, während wir unsere Sturm-Erfahrungen in der Lodge hatten, flog einfach von Léon nach El Salvador…

Nicaragua: 1.10.-7.10.2017